„Wir in Tirol haben uns von der Verrohung der politischen Kultur auf Bundesebene nicht anstecken lassen“, sagte Platter, der das Amt seit 2008 bekleidet. Zwar sei auch die Wortwahl in der politischen Debatte in Tirol verhärtet worden, fügte der Landeshauptmann hinzu . „Wir müssen über die politische Kultur nachdenken, wie wir miteinander umgehen, einschließlich der Politik mit der Bevölkerung und der Bevölkerung mit der Politik.“ „Hinter jedem Politiker steht ein Mensch mit Familie“, betonte Platter in der „Aktuellen Stunde“ und sprach erneut über „die Drohungen, Anfeindungen und Beleidigungen“, die er und sein Umfeld vor allem während der Corona-Zeit erlebt hätten.
Erwartungsgemäß lobte Platter seinen designierten ÖVP-Nachfolger und Landeshauptmannkandidaten Anton Mattle: „Er ist ein Mensch, der verbindet und nicht spaltet. Tirol braucht einen Menschen wie ihn, der auf Land und Leute schaut.“ Platter verteidigte die vorgezogene Landtagswahl und sagte, das Land wolle einen „neunmonatigen Dauerwahlkampf“ vermeiden. Ansonsten rekapitulierte das Staatsoberhaupt seine 14-jährige Amtszeit, in der Tirol sehr gut durch alle Krisen geführt wurde und gleichzeitig Innovationen hervorbrachte. Mit der Bildung einer schwarz-grünen Koalition im Jahr 2022 seien sie “neue Wege gegangen”: “Wir haben ein politisches Experiment gewagt. Viele andere Bundesländer haben uns zunächst belächelt.” Aber am Ende “balancierten” und lösten sie viele Probleme “ohne Streit”. Schließlich dankte Platter allen: Politikerkollegen, Konkurrenten und seinem engsten Team.
Etwas kürzer fiel die “Verabschiedung” der stellvertretenden Landeshauptfrau der Grünen, Ingrid Felipe, aus. Die schwarz-grüne Koalition habe “vieles realisieren und umsetzen können”. „Wir haben die Weichen für das Land gestellt“, sagte Felipe mit Blick auf viele öffentliche Investitionen in den Naturschutz und den öffentlichen Nahverkehr. Felipe stellte auch die Umsetzung einer Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie vor. Er dankte insbesondere Gouverneur Platter, der die Umsetzung der Koalitionsreformen immer unterstützt habe. Auch Felipe erhielt Standing Ovations, aber SPÖ, FPÖ und List Fritz schlossen sich nicht an.
Am Freitag räumt der Landtag des Tiroler Landes den letzten Stein auf dem Weg zu den vorgezogenen Landtagswahlen am 25. September. Der Landtag trat am Vormittag in einer Sondersitzung zusammen, um über seine vorzeitige Auflösung zu entscheiden. Die Dringlichkeit bzw. Neuwahlkandidatur der Koalitionsparteien ÖVP und Grüne wird die nötige Zweidrittelmehrheit der 36 Abgeordneten finden. Die Oppositionsparteien SPÖ, FPÖ und NEOS hatten bereits für vorgezogene Neuwahlen gestimmt und sagten, sie würden dem Antrag zustimmen. Nur die Liste von Fritz kündigte an, Neuwahlen nicht zu wählen.
Eigentlich hätten die Wahlen in Tirol erst im ersten Quartal 2023 stattfinden sollen. Die letzten vorgezogenen Landeswahlen in Tirol datieren vom September 2003. Dies war die Folge des Landeshauptmannwechsels von Wendelin Weingartner zu Herwig van Staa (beide ÖVP) im Oktober 2002. Die Wahlen hätten wie geplant im März 2004 stattfinden sollen.