„Partygate“-Affäre Eine Stunde der Wahrheit für Premierminister Johnson

Stand: 06.06.2022 09:56 Uhr

Der britische Premierminister hat schon einige Skandale überstanden, doch jetzt rebelliert sogar seine eigene Partei: Johnson muss sich am Abend einem Misstrauensvotum stellen. Hintergrund ist die sogenannte „Partygate“-Affäre.

Der in der „Partygate“-Affäre vielfach kritisierte britische Premier Boris Johnson sieht sich am Abend mit einem Misstrauensvotum seiner Konservativen Partei konfrontiert. Der Chef des zuständigen Parteikomitees, Graham Brady, sagte in London, es sei die erforderliche Zahl von Bewerbungen – mindestens 54 – von konservativen Abgeordneten eingegangen.

Valerie Krall, ARD London, erklärt Johnsons Chancen bei diesem Misstrauensvotum und die möglichen Konsequenzen

tagesschau24 10:00 Uhr, 6.6.2022

Die Abstimmung muss zwischen 19:00 und 21:00 Uhr stattfinden. Sollte das Misstrauensvotum scheitern, wäre Johnson ein Jahr lang vor einer weiteren solchen Abstimmung sicher. Allerdings ist nur die Zustimmung zum Misstrauensvotum erneut ein harter Schlag für den Ministerpräsidenten. Ein Johnson-Sprecher sagte, er begrüße die Maßnahme. Heute ist also die Chance, die monatelangen Spekulationen zu beenden und dann nach vorne zu blicken.

Der Forschungsbericht lastet schwer auf Johnson

Nach einer ruhigen Phase eskalierte die Unzufriedenheit mit Johnson über den „Partygate“-Skandal nach der Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts erneut. Er war bereits mit einer Geldstrafe belegt worden, weil er während der Kronenhaft an einer der Feierlichkeiten teilgenommen hatte.

Damit ist er der erste britische Premierminister im Amt, der gegen das Gesetz verstößt. Der Untersuchungsbericht wirft ihm und weiteren Tätern Führungsversagen und schweres Fehlverhalten bei der Einhaltung der Crown-Regeln vor.

Großes Hindernis für die Abwahl

Der 57-Jährige entschuldigte sich mehrfach beim Unterhaus in London. Er weigert sich jedoch, zurückzutreten. Um Johnson abzuwählen, müssen mindestens 180 Abgeordnete bei der Misstrauensabstimmung gegen ihn stimmen. Dies gilt als große Hürde, zumal etwa 150 konservative Abgeordnete Teilzeitstellen in der Regierung haben, die sie verlieren könnten, wenn Johnson abgewählt würde. Zudem weisen Experten darauf hin, dass es derzeit keine wirkliche Alternative zum Ministerpräsidenten gibt, der auch als wichtigster Aktivist der Konservativen Partei gilt.

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