Pfadfinderbewegung Schweiz: Von der Rennschmiede zur Dating-Site

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An diesem Wochenende kehren die Pfadfinder ins Pfingstlager zurück. Die Pfadfinderbewegung Schweiz meldete zuletzt über 50’000 Mitglieder, mehr als in 20 Jahren. Ein Blick auf fünf wichtige Aspekte der grössten Kinder- und Jugendbewegung der Schweiz.

Scout als Karriereschmiede

Von Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss über Comedian Beat Schlatter bis hin zu Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel – viele bekannte Gesichter aus Politik, Kultur und Wirtschaft haben eine Erkundungs-Vergangenheit. Sind Pfadfinder prädestiniert für eine erfolgreiche Karriere oder gar eine Führungsposition? Zuhören sei positiv besetzt und die dort erlernten Fähigkeiten seien gerade in bestimmten Branchen gefragt, sagt Oberjägerin Stephanie Briner und erklärt: „Gerade Berufseinsteigern empfehle ich die Erwähnung der Zuhörtätigkeit.“ Denn gerade wer als Führungskraft im Scouting tätig ist, lernt schnell, Verantwortung zu übernehmen. Sie sammeln auch Erfahrungen in der Kommunikation mit den Eltern und entwickeln Planungsfähigkeiten und wie sie reagieren können, wenn der Plan nicht wie gewünscht funktioniert.

Scout als Partnertausch und Freundschaftsbasis

Zuhören ist für viele Menschen die Quelle einer Liebesgeschichte oder zumindest der Ausgangspunkt für langjährige Freundschaften. Ein paar schöne Beispiele sind im „Nachtclub“-Programm zusammengekommen. Ronja, 14, erzählt unter anderem die Liebesgeschichte ihrer Eltern. Kennengelernt haben sie sich erstmals in einem Trainingslager. Die Mutter nahm teil. Anfangs mochten sie sich nicht sehr. Nur sechs Jahre und viele Begegnungen später brachten ihn zum Strahlen. Die Ehe ging weiter und es wurden vier Kinder geboren, die heute ebenfalls im Scouting aktiv sind wie „Lemur“, „Chlüppli“, „Ivy“ und „Beatle“.

Zuhören und Umweltbewusstsein

„Pfadfinder wollen sich um die Natur und ihr ganzes Leben kümmern“, heißt es im Pfadfindergesetz. Erklärtes Ziel ist es, einen aktiven Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Alle Aktivitäten müssen nachhaltig gestaltet und nicht zuletzt dieses Engagement nach außen sichtbar gemacht werden. Seit einigen Jahren wird bewusst das Konzept der „fairen Lagerung“ verwendet. Ziel ist es, einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Auch im Umweltbereich sieht Philippe Moser, Co-Präsident der Pfadfinderbewegung Schweiz, einen wichtigen Grund, warum die Mitgliederzahlen wieder steigen: Er sieht, dass das Interesse der Gesellschaft an Naturthemen vorhanden ist. Scouts werden zweifellos auch davon profitieren.

Entdecker in Bildern

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Legende: Naturnähe: ein Grundelement des Pfadfindertums. Schlussstein

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Bildunterschrift: Verbindung und Freundschaft: Wie bei anderen Hobbies entstehen Freundschaften durch Zuhören; es ist nicht ungewöhnlich, dass Liebe entsteht. Schlussstein

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Bildunterschrift: Verantwortung übernehmen: Als zuhörende Führungskraft bereits in jungen Jahren üben. Schlussstein

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Bildunterschrift: Bewegung in der Natur: Gruppensportspiele sind ein fester Bestandteil des Pfadfindertums. Schlussstein

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Bildunterschrift: Wissen kartieren mit dem Morsezeichen: Praktisches und weniger Praktisches von Entdeckern lernen. Schlussstein

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Bildunterschrift: Nasse Schuhe: Jeder Entdecker kennt das Problem. Es regnet oft meistens am Pfingstfeld. Schlussstein

Scout als Outdoor-Training

Die meisten Entdecker finden draußen statt, unabhängig vom Wetter. Pfadfinder führen gemeinsam Abenteueraktivitäten in der Gruppe durch, wie z. B. Feldspiele, Aasjagden, Wächterrennen, Lagerbau und Schlafen in Zelten. Sie kochen auf dem Feuer, lernen praktische Dinge wie Kartenlesen oder Erste-Hilfe-Grundlagen. „Ich kann heute noch über Morsezeichen sprechen, aber natürlich nie“, sagt Radiomoderator Ralph Wicki mit einem Augenzwinkern.

Pfadfindertum als Lebensschule

„Versuchen Sie, die Welt ein wenig besser zu verlassen, als Sie sie vorgefunden haben“, sagte Lord Robert Baden-Powell, der Gründer der Pfadfinderbewegung. Überall auf der Welt setzen sich Pfadfinder für Offenheit, Toleranz und ein friedliches Miteinander ein. Pfadfinder richten sich in der Schweiz nach dem sogenannten Pfadfindergesetz, das nicht als strenge Vorschrift zu verstehen ist. Vielmehr soll es den Zuhörern einen Leitfaden geben, an dem sie sich im Rahmen ihrer Entwicklung orientieren können. Das Versprechen, das Pfadfindergesetz einzuhalten, begleitet viele Pfadfinder auch über ihre aktive Pfadfinderzeit hinaus.

Scout als Organisation für alle

Ziel des Zuhörens ist es, offen für alle Kinder und Jugendlichen zu sein, unabhängig von ihrer sozialen oder religiösen Herkunft und ihren körperlichen oder geistigen Fähigkeiten. Aber ist es das wirklich? Fast von Anfang an gab es einen Hördienst für Kinder mit Behinderungen namens „Pfadfinder trotz allem“ (PTA). Allerdings tut sich die größere Jugendorganisation schwer damit, andere Gruppen zu erreichen, etwa Kinder mit Migrationshintergrund. Philipp Duss, Leiter Diversity-Themen bei der Pfadfinderbewegung Schweiz, bekennt: «Die Pfadfinder sind eine Organisation mitten in der Gesellschaft und kämpfen mit den gleichen Problemen.» Was es bedeutet: Sprach- oder Wirtschaftsbarrieren, aber zum Beispiel auch der Umgang mit der queeren Community. Die Unterschiede im Umgang mit Inklusion und Diversität sind in den verschiedenen Fachbereichen noch sehr groß. Deshalb betonte er: „Es ist wichtig, das Bewusstsein aller Zuhörer für diese Themen weiter zu schärfen.“

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