Pille und Sport: weniger effizient durch Verhütung?

Die Pille und die sportliche Höchstleistung werden nicht verstanden, stimmt das wirklich?

Die Pille könnte die sportliche Leistungsfähigkeit von Frauen leicht herabsetzen. Ob der Effekt wirklich spürbar ist, ist unklar.

Hormonelle Verhütungsmittel zum Schlucken, umgangssprachlich Antibabypille oder einfach „Pille“ genannt, sind die beliebtesten Verhütungsmittel in Österreich. Das zeigte eine Umfrage aus dem Jahr 2019 [3]. Fast ein Drittel der Frauen in Österreich verwendet die Pille als Verhütungsmittel.

Die Pille wird immer unbeliebter

In den letzten zehn Jahren haben die Pille und andere hormonelle Verhütungsmethoden jedoch stetig an Popularität verloren. [3]. Einer der Gründe dafür können echte oder befürchtete Nebenwirkungen sein: zum Beispiel Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, mangelnde Lust auf Sex und Gewichtszunahme. Auch hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können das Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) leicht erhöhen. [5].

Minderleistung durch die Pille: Fakt oder Gerücht?

Ein weiterer gefürchteter Nebeneffekt: weniger sportliche Leistungsfähigkeit durch die Pille. Theorien zufolge sollen die mit der Pille zugeführten Sexualhormone die Fitness und den Muskelaufbau hemmen. Können wissenschaftliche Studien dies bestätigen oder handelt es sich um ein unbestätigtes Gerücht?

Atemlos schneller

Ein aktueller Übersichtsartikel fasst alle wesentlichen Studien zusammen, die den Einfluss der Pille auf die körperliche Leistungsfähigkeit und den Muskelaufbau untersucht haben. [1]. Fazit der Arbeit: Frauen, die die Pille nehmen, könnten beim Sport einen leichten Nachteil haben. Bei regelmäßiger Bewegung scheinen sie etwas weniger Ausdauer und Durchhaltevermögen zu steigern als Frauen, die keine hormonelle Verhütung anwenden.

Konkret können Frauen, die die Pille nehmen, beim Training weniger Sauerstoff aufnehmen und kommen dadurch schneller außer Atem. In den Studien wurde dies anhand der Zusammensetzung der Atemluft gemessen. Wie stark der Effekt für die Probanden war, lässt sich nicht genau quantifizieren.

Der vermutlich eher geringe Effekt könnte für Spitzensportler relevant sein, für Hobbysportler vielleicht weniger. Das Vertrauen in dieses Ergebnis ist ebenfalls gering. Die Studien werden schlecht durchgeführt und hatten nur wenige Teilnehmer.

Weniger Pillenmuskelwachstum?

Wirkt sich die Pille auch auf die Muskelkraft aus? Die vorliegenden Studien liefern keine Hinweise auf diese Wirkung. Zuverlässige Schlussfolgerungen können zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht gezogen werden.

Ob und welche Auswirkungen die Pille auf seine Leistungsfähigkeit hat, muss letztlich jeder Sportler für sich selbst austesten. Und wenn die Vorteile der Verhütung mit der Pille die Nachteile möglicher Leistungseinbußen beim Sport überwiegen.

Die Pille: meist eine Kombination aus Östrogen und Gestagen

Die meisten Antibabypillen enthalten eine Kombination aus zwei Hormonen: Östrogen und Gestagen (Gelbkörperhormon). Pillen, die nur ein Gestagen enthalten, werden Minipillen genannt.

In Kombination verhindern Östrogen und Gestagen eine Schwangerschaft auf mehrere Arten: Sie unterdrücken den Eisprung, machen den Schleim im Gebärmutterhals dicker und undurchlässiger für Spermien und verhindern, dass sich die Gebärmutterschleimhaut ansammelt, die für die Einnistung einer befruchteten Eizelle notwendig wäre . [4,5].

Weniger Testosteron = weniger Kraft?

Einige Pillen enthalten eine Form von Progestin, das auch die Wirkung männlicher Sexualhormone wie Testosteron blockieren kann. Und hier kommt die sportliche Leistung ins Spiel.

Denn männliche Sexualhormone, wie Testosteron, gelten allgemein als günstig für den Muskelaufbau. Testosteron kommt auch im Körper von Frauen vor, wenn auch in viel geringeren Mengen als bei Männern. Werden nun männliche Hormone durch Gestagene blockiert, könnte sich das theoretisch negativ auf die Muskelkraft der Frau auswirken. Die derzeit vorliegenden Studienergebnisse können diese Hypothese jedoch nicht mit Sicherheit bestätigen [1,2].

Einzelhandelsstudien

Welche Studien haben wir gesucht?

Wenn die Pille die sportliche Leistung beeinträchtigt, spricht sie in randomisierten kontrollierten Studien besser an.

In der idealen Studie würde eine möglichst große Gruppe von Frauen im gebärfähigen Alter zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe nimmt die Pille, die andere ein Scheinmedikament (Placebo), das gleich aussieht. Idealerweise sollten die Teilnehmer nicht wissen, zu welcher Gruppe sie gehören; dies wird auch als “blinde” Studie bezeichnet. Anschließend nehmen beide Gruppen für eine gewisse Zeit am gleichen standardisierten Training teil. Währenddessen misst das Forschungsteam die Leistung der Probanden in den beiden Gruppen und vergleicht sie.

Da sich unsere Frage jedoch auf die Verhütung bezieht, sind diese verblindeten, randomisierten, kontrollierten Studien schwierig durchzuführen. Schließlich sind die Teilnehmerinnen, die ein Placebo einnehmen, während der Studienzeit nicht vor einer ungewollten Schwangerschaft geschützt. Daher sollten wir uns mit Studien zufrieden geben, die kein Placebo verwenden.

Eine aktuelle Bewertung [1] fassten insgesamt 8 solcher Studien zusammen, 3 zur Ausdauerleistung und 5 zur Muskelkraft bei Frauen, die kombinierte Verhütungsmittel aus Östrogen und Gestagen einnahmen.

Kommen wir also zu unserer Einschätzung

Die Ergebnisse der Studien sind jedoch aus folgenden Gründen nicht sehr zuverlässig:

  • Generell nahmen nur sehr wenige Frauen an Ausdauerleistungsstudien teil, nämlich 73.
  • Einige der zusammengefassten Studien weisen erhebliche Mängel in der Umsetzung auf.
  • Pillenzuweisung und Vergleichsgruppen wurden in 6 der 8 Studien nicht randomisiert. Die Teilnehmer entschieden selbst für oder gegen die Pille. Aufgrund dieser ungleichen Bedingungen sind die Gruppen nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar.
  • Bei den Ausdauerleistungsstudien wurde die Ausatemluft der Teilnehmer während des Trainings untersucht und so die maximale Sauerstoffaufnahme gemessen. Diese Maßnahmen liefern indirekte Hinweise auf eine verminderte Leistungsfähigkeit. Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, inwieweit Teilnehmer diesen Effekt während des Trainings bemerkten.

Eventuell etwas geringere Ausbeute durch die Pille; zu diesem Schluss kam auch ein weiterer aktueller Übersichtsartikel [2]. Sein Autorenteam war weniger streng bei der Auswahl der Studien und fasste die Ergebnisse von 42 Studien unterschiedlicher Art und Qualität zusammen. Die Aussagekraft dieses Reviews bewerten wir jedoch wie folgt.

Wissenschaftliche Quellen

[1] Moser (2022) Moser I, Glechner A, Ledinger D, Klerings I, Impact of Contraceptives on Sports Performance: A Quick Review. EbM Arztinformationszentrum; Mai 2022. (Umfassende Überprüfung)

[2] Elliott-Sale (2020) Elliott-Sale, KJ, McNulty, KL, Ansdell, P., Goodall, S., Hicks, KM, Thomas, K., … und Dolan, E. (2020). Die Auswirkungen oraler Kontrazeptiva auf die Trainingsleistung bei Frauen: eine systematische Überprüfung und Metaanalyse. Sportmedizin, 50 (10), 1785-1812. (Studie zu wollen Länge)

[3] Österreichischer Verhütungsbericht 2019 Abgerufen am 15. Juni 2022 von www.verhuetungsreport.at

[4] UpToDate (2022) Patientenaufklärung: Hormonelle Verhütungsmethoden (über die Grundlagen hinaus). Abgerufen am 15.06.2022 von www.uptodate.com (Zugang kostenpflichtig)

[5] Gesundheit.gv.at (2019) Abgerufen am 15. Juni 2022 von www.gesundheit.gv.at

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