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Von Kim Honickel
Schlussfolgern
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Sofia Löther
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Das Affenpockenvirus breitet sich weiter aus: Auch in Hessen ist die erste Infektion bestätigt. Experten diskutieren über ein Impfangebot.
- Affenpocken in Deutschland: Stiko-Chef Thomas Mertens hält die Pockenimpfung für Risikogruppen für sinnvoll.
- Hessen meldet erste Affenpocken-Infektion: Test an Uniklinik Frankfurt.
- Neue Fälle von Affenpocken auch in Tschechien und Slowenien: Die WHO registriert mehr als 250 Infektionen und geht von mehr aus.
- Isolierung und Impfung gegen Pocken: Karl Lauterbach fordert eine “schnelle und harte” Antwort
+++ 23:00 Uhr: Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt davor, dass Affenpocken endemisch werden könnten, wenn sich der Erreger von Menschen auf Tiere ausbreitet und sich auf eine Tierpopulation ausbreitet. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hält es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass dauerhafte Pocken bei Tieren in Europa auftreten werden. „Es ist fraglich, ob es in Europa Tierarten gibt, die als geeignete Reservoirwirte in Frage kommen“, schreibt die Bundesanstalt für Tiergesundheit. Eine Weiterentwicklung ist jedoch erforderlich.
Update vom Donnerstag, 26. Mai, 8 Uhr: Karl Lauterbach warnt vor der Stigmatisierung schwuler Männer aufgrund von Pockeninfektionen in Deutschland. „Menschen, die schwul sind und Sex mit Männern haben, dürfen nicht stigmatisiert werden“, sagte Bundesgesundheitsminister Markus Lanz am Mittwochabend. „Es ist wichtig zu sagen, dass es jedem passieren kann“, sagt Lauterbach.
Karl Lauterbach am Rande des G7-Gesundheitsministertreffens.
© Chris Emil Janssen / Imago Images
Auch Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es sei ein Trugschluss, dass “schwule oder bisexuelle Männer von Natur aus stärker gefährdet sind. Das Virus kennt keine sexuelle Orientierung.” „Dämpfung und Stigmatisierung“ sollen laut dem Grünen-Politiker unbedingt vermieden werden.
+++ 18 Uhr: Das Saarland bereitet sich auf einen möglichen Pockenfall vor. Gesundheitsminister Magnus Jung von der SPD sagte dem Nachrichtenportal breaking-news-saarland, die Landesregierung sei derzeit mit allen wichtigen Institutionen in Kontakt. Ihn berieten die Gesundheitsämter, das Universitätsklinikum des Saarlandes, die Kassenärztliche Vereinigung, das Robert-Koch-Institut und das Bundesgesundheitsministerium. So sorge es für „ein einheitliches Vorgehen“ und „schütze vor einer Ausbreitung“, sagte Jung.
Experten aus Medizin und Politik sowie Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden trafen sich am Dienstag (24. Mai) zu einer Informationsveranstaltung. Nach dem Treffen stellte Jung klar: „Es gibt Grund zur Vorsicht, aber keinen Grund zur Panik.“ Experten gingen davon aus, dass keine Angst vor einer neuen Pandemie bestehe.
Pockenfälle in Europa: RKI (Robert-Koch-Institut) übernimmt weitere Fälle (Archivbild)
©dpa
An Impfstoffen herrscht kein Mangel: Eine Impfung gegen Affenpocken ist ohne Engpässe möglich
+++ 15.30 Uhr: Nach Angaben des Pocken-Impfstoffherstellers Imvanex ist beim aktuellen Ausbruch nicht mit einer Knappheit des Impfstoffs zu rechnen. „Wir glauben, dass wir die weltweite Nachfrage ohne weitere Investitionen in unsere Produktionsanlagen decken können“, sagte der Unternehmenssprecher von Bavarian Nordic, Rolf Sass Sørensen, am Mittwoch (25. Mai) in einem Interview mit dpa. Bavarian Nordic hat seinen Hauptsitz in Dänemark, wo auch die Produktion stattfindet. Der Vektorimpfstoff wurde jedoch in der deutschen Niederlassung in Martinsried bei München entwickelt.
Das Unternehmen verfügt über den weltweit einzigen zugelassenen Pockenimpfstoff. Derzeit sei es möglich, 30 Millionen Dosen pro Jahr zu produzieren, sagte Sørensen. Die Zulassung für Affenpocken ist jedoch auf die Vereinigten Staaten, wo der Impfstoff als Jynneos bekannt ist, und Kanada beschränkt. Die Zulassung in der Europäischen Union sei in Planung, sagte Sørensen. In Europa ist der Impfstoff bisher nur für die beim Menschen als ausgestorben geltenden Pocken zugelassen. In Großbritannien beispielsweise werde der Impfstoff auch „off-label“, also ohne entsprechende Zulassung, eingesetzt, so Sørensen weiter.
Affenpocken in Deutschland: Stiko-Chef hält Impfung von Risikogruppen für sinnvoll
Update am Mittwoch, 25. Mai, 11.30 Uhr: Laut dem Leiter der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, könnte eine vorbeugende Impfung gegen Affenpocken für Risikogruppen hilfreich sein. „Darüber denken wir derzeit nach“, sagte Mertens am Mittwoch der Rheinischen Post. Anders als bei der klassischen Pockenimpfung sind bei der modernen Impfung keine Nebenwirkungen zu erwarten. Eine Impfung der gesamten Bevölkerung sei “sehr unwahrscheinlich”.
Ältere Menschen, die gegen Pocken geimpft wurden, werden laut Stiko-Chef auch gegen Pocken geimpft. „Wahrscheinlich hält ein Teil des Schutzes ein Leben lang“, sagte Mertens. Der Impfschutz ist zwar nicht vollständig, schützt aber zumindest vor schweren Erkrankungen.
Nach Angaben des Präsidenten der Virologischen Gesellschaft könnte die Ankündigung von bis zu 40.000 Dosen eines Pockenimpfstoffs für einen möglichen Pockeneinsatz in Deutschland angepasst werden. „Das ist aber ein guter Anfang, gerade für Impfungen im Bereich bekannter Infektionsgruppen, die den Ausbruch wahrscheinlich deutlich begrenzen werden“, sagte Ralf Bartenschlager vom Universitätsklinikum Heidelberg der Agentur der Deutschen Presse. „Wir wissen nicht, wie sich der Ausbruch weiter entwickeln wird. Sie sollten also schnell mit diesen Impfstoffen beginnen. Andernfalls wird es bei einer weiteren Ausbreitung des Erregers immer schwieriger, ihn einzudämmen.“
Schwarz auf Weiß: Bei einem Patienten wurde das Affenpockenvirus nachgewiesen; nach einer Isolierung.
© IMAGO / Christian Ohde
Affenpockenvirus: Hessen meldet erste Infektion
+++ 20 Uhr: Auch in Hessen ist nach Angaben des Sozialministeriums eine Pockeninfektion nachgewiesen worden. Das Ergebnis sei durch Elektronenmikroskopie und PCR vom Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt bestätigt worden, teilte die Wiesbadener Landesbehörde mit. Der Infizierte begab sich am 24. Mai mit entsprechenden Symptomen in die Universitätsklinik. Alter und Geschlecht der Betroffenen konnten zunächst nicht ermittelt werden.
Der erste in Deutschland getestete Fall wurde vergangene Woche in Bayern gemeldet. Der betreffende Mann soll sich vorübergehend in Frankfurt am Main aufgehalten haben.
Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) teilte mit, dass das Ansteckungsrisiko für die Bevölkerung insgesamt als gering eingeschätzt werde. „Aber natürlich verfolgen wir die Entwicklungen sehr genau.“
Zuvor waren zwei weitere Pockenfälle in Bayern bestätigt worden. Das Münchner Gesundheitsministerium teilte mit, die beiden Patienten seien kürzlich unabhängig voneinander von einer Auslandsreise in den Freistaat zurückgekehrt. Einer der beiden Patienten befindet sich inzwischen im Klinikum München Schwabing. Der andere Fall wurde aus dem Kreis Ansbach gemeldet, wo der Betroffene inzwischen ebenfalls isoliert ist.
Affenpocken-Infektion: mehr als 250 Fälle weltweit
+++ 15.15 Uhr: Einzelfälle von Affenpocken werden weltweit und in der EU reproduziert. Ein erster Fall von Affenpocken wurde in Slowenien und der Tschechischen Republik gemeldet. Auch in Deutschland sind verschiedene Pockeninfektionen bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat mehr als 250 Fälle von Pocken in 16 Ländern gemeldet (Stand: 23. Mai).
Bis heute wurden im Vereinigten Königreich 56 Fälle von Pocken gemeldet. Britische Gesundheitsbehörden haben Kontaktpersonen seit dem Anstieg der Pockenfälle mehr als 1.000 Dosen des Pockenimpfstoffs Imvanex verabreicht. Das teilte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde am Dienstag (24. Mai) mit. Es seien 3.500 weitere Dosen auf Lager, fügte die Sprecherin hinzu.
Affenpocken in Deutschland: Lothar Wieler übernimmt weitere Fälle
RKI geht von weiteren Affenpockenerkrankungen in Deutschland aus. Hierzulande seien deutlich mehr Fälle zu erwarten, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag (24. Mai) vor der Bundesärztekammer in Bremen. „Unser Ziel ist es daher, den Ausbruch einzudämmen“, sagt Wieler. Dies kann durch eine erfolgreiche Kontaktverfolgung, die Vermeidung enger Kontakte zu Infizierten und Hygienemaßnahmen erreicht werden. Risikogruppen müssen aufpassen.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet hingegen nicht mit dem Beginn einer neuen Pandemie, mahnte aber bei einer Pressekonferenz am Dienstag (24. Mai) zur Vorsicht: Alle Bevölkerungsgruppen, auch Kinder und Jugendliche, könnten es theoretisch sein mit den Pocken des Affen infiziert. Der Gesundheitspolitiker will den Ausbruch der Pocken in Deutschland durch Quarantänemaßnahmen und Ringimpfungen eindämmen. Bei Ringimpfungen werden die Kontaktpersonen geimpft.
Mehr Affenpocken-Infektionen: USA bereiten Impfstoffe für Kontaktpersonen vor
Aktualisiert am Dienstag, 24. Mai, 7.15 Uhr: Die Vereinigten Staaten bereiten die Impfung enger Kontakte von Menschen vor, die mit Affenpocken infiziert sind. „Im Moment erwarten wir, dass der Impfstoff so weit wie möglich an diejenigen verteilt wird, von denen wir wissen, dass sie davon profitieren werden“, sagte CDC Jennifer McQuiston. Laut CDC-Epidemiologe John Brooks haben insbesondere immungeschwächte Personen ein erhöhtes Risiko, an der Krankheit zu erkranken.
Laut CDC haben die Vereinigten Staaten etwa tausend Dosen Pockenimpfstoff und …