Privatschulen: Bei Mollis GL sagen Kinder, was sie lernen wollen

Rebecca Wyss (Text) und Philippe Rossier (Fotos)

Die Krise morgens um halb neun. Wegen dieser Frage: Wer spielt den „Star Wars“-Helden Darth Vader? Die drei Jungs sind in der Umkleidekabine. kämpfen Und es klingt so:

“Du kannst ein Sturmtruppler sein.” “Ich will kein Sturmtruppler sein.” „Oder Captain Phasma, sie ist die Kapitänin von drei Millionen Sturmtruppen.“ “Aber ich will nicht!”

Der Reporter und Fotograf war eine Stunde zuvor bei der ehemaligen Spinnerei Mollis GL eingetroffen. Im Lernhaus Sole ist die Schule für 20 Kinder zwischen vier und elf Jahren. Am Ende des Besuchs wollen drei von ihnen noch ein kleines Theaterstück aufführen: eine Star-Wars-Schwertkampfszene. Star Wars ist gerade das Ding für Kinder.

Nils (33) und Hanna Landolt (30) leiten die Schule. Der Junge, der kein Sturmtruppler werden will, ist sein Sohn Elia (8), das älteste seiner vier Kinder. Irgendwann mischt sich Nils Landolt ein und steuert die Diskussion: „Kommt, findet gemeinsam eine Lösung: Welche Rolle könnte er noch spielen, die für alle geeignet ist?“ Kinder bringen Ideen. Am späten Vormittag lösten sie das Problem.

Im Fokus: die Motivation der Kinder

Finde es selbst raus. lerne für dich Eben. Das ist das Motto dieser Privatschule. Blick hatte schon kurz vor der Eröffnung geschaut. Damals standen die Räume noch leer. Wie ist es jetzt, ein Jahr später?

Hanna Landolt sagt: „Das ist ein Lernprozess und unsere Lernkurve ist steil.“ Es gibt kein Lehrbuch für Ihre Schule. Du baust alles von Grund auf neu. Und das sieht so aus: Hier heißen die Lehrer Gefährten. Es gibt keine Tests oder Noten. Die Schule öffnet um acht, und dann kommen die Schüler. Jeder Tag sieht anders aus. Das hängt davon ab, was die einzelnen Kinder tun möchten. Nils Landolt sagt: „Im Mittelpunkt steht, was die Kinder gerade interessiert, und die sieben Wegbegleiter schauen, wie sie sie unterstützen können.“

Trend in Wirtschaftsmetropolen

Privatschulen sind gefragt. Gesamtschweizerisch betrachtet ist der Anteil der Privatstudierenden in den letzten zehn Jahren gleich geblieben: zwischen fünf und sechs Prozent. Doch die Unterschiede sind groß: In den Wirtschafts- und Pharmametropolen ist die Nachfrage gestiegen. Seit der Jahrtausendwende ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler im Kanton Zürich, die eine reine Privatschule besuchen, von 4,8 auf 6,4 Prozent gestiegen. In Zug hat sich der Anteil aller Privatstudierenden von 3,5 auf 10 % fast verdreifacht, in Basel ist er von 8,7 % im Jahr 2010 auf 10 % im Jahr 2019 gestiegen.

Die Treiber des Trends: Expats. Stefan Wolter, Erziehungswissenschaftler und Professor an der Universität Bern, sagt: «In den 1920er Jahren wurden viele internationale Schulen gegründet.» Mit der Personenfreizügigkeit. Unternehmen setzten sie unter Druck, weil ausländische Fachkräfte nur vorübergehend in die Schweiz kamen, wenn sie ihre Kinder auf eine Privatschule schicken könnten. Sie unterrichten nach einem internationalen Lehrplan, was es Expat-Eltern leicht macht, nach ein paar Jahren weiterzuziehen. Zur zweiten Gruppe der Privatschulen gehören jene, die Mitte des letzten Jahrhunderts aus der reformpädagogischen Bewegung hervorgegangen sind: die Rudolf-Steiner- und die Montessori-Schule. Und neuere, wie das Lernzentrum Sole in Mollis.

Die Privatschule als Lernprozess

Die Klassenzimmer sind in Lernnischen unterteilt, die durch Boxen getrennt sind. Am Eingang steht eine Werkbank mit Bohrmaschine und Säge. Im Fenster des großen Hauptraums spielen zwei Mädchen Ligretto, in den anderen Nischen stehen elektrische Trommeln, eine Nähmaschine und ganz in der Nähe trocknet ein frisch gemalter Darth Vader auf A3-Papier: die Ecke des Gemäldes Auch das gehört zum Lernprozess: Innenarchitektur. Nils Landolt sagt: „Am Anfang konnten sich die Kinder nicht gut konzentrieren, weil wir keine Nischen hatten.“

Er sitzt gerade mit einem neunjährigen Jungen am Computer im Nebenzimmer, dem Makerspace, einer Art digitaler Werkstatt. Sie befinden sich in einer Lernsituation. Das Kind möchte ein Lichtschwert bauen. Landolt sagt: „Ich weiß nicht, wie das geht, das finden wir gemeinsam heraus.“

Sie können online Blaupausen für Lichtschwertteile finden, die Sie für den 3D-Druck verwenden können. Was fehlt: Das Lichtelement für die Schwertklinge. Eine batteriebetriebene LED-Lichterkette. Aber es hat eine ganz bestimmte elektrische Spannung, also beugen sich die beiden über ein Buch zum Thema. Landolt erklärt dem Jungen die Sache.

Nils Landolt sagt: „Bei uns erleben die Kinder, dass alles, was sie lernen, positiv ist.“ Motivation Das ist es, worum es geht. „Viele Kinder fallen in der Grundschule zurück“, fährt er fort. Sie sind unter- oder überfordert. Landolt war acht Jahre Grundschullehrer.

Als Gegenmodell zu einer von Disziplin und Ordnung geprägten Schule entstand die Pädagogische Reform. Das Kind muss sich frei und individuell entwickeln können, ohne Noten und Druck. Der Bildungsforscher Stefan Wolter sagt, dass die Ansicht, dass die Lernbedürfnisse von Kind zu Kind verschieden sind und man mit Frontalunterricht nicht weiterkommt, auch die heutige Grundschule erreicht hat. Aber: “Mit den Mitteln der Grundschule hat die Individualisierung ihre Grenzen.” Schulen wie Mollis profitierten davon.

Gleich beginnt die Aufführung, die Knaben stehen mit ihren Schwertern draußen hinter dem Haus. Der Star Wars-Soundtrack kommt aus einer tragbaren Box. Der bisherige Streit ist beigelegt: Wer will, darf die Klingen kreuzen. Egal was.

Die Frage der Frustrationstoleranz

In einem Punkt ist Forscher Stefan Wolter skeptisch. Es ist wichtig, dass die Schüler erfahren, dass Lernen nicht nur aus Reden besteht. Dieser Verzicht ist notwendig. Frustrationstoleranz. Er sagt: “Du führst besser im Leben, wenn du tun kannst, was du nicht magst.”

Was denken die Landolten darüber?

Hanna Landolt sagt: „Frustrationstoleranz gehört zum Leben dazu und ist ein natürlicher Teil des Lernprozesses.“ Aber sie fragt sich: Sollen wir Menschen in der Kindheit bewusst Frustrationen aussetzen, damit sie Frustrationstoleranz lernen?

Das sehen auch andere so: Auch im zweiten Jahr sind alle Schulplätze im Lernhaus Sole vergeben.

Mehr Informationen zur Schule Mollis GL unter: Lernhaussole.ch

alternative Bildung

Nils Landolt gründete die Stiftung Schulwandel.ch. Sein Ziel: die Vielfalt in der Bildungslandschaft der Schweiz zu fördern. Auf der Plattform können sich Interessierte, Lernzentrumsleiter, Pädagogen und Eltern vernetzen und ihre alternativen Bildungsangebote vorstellen.

Nils Landolt gründete die Stiftung Schulwandel.ch. Sein Ziel: die Vielfalt in der Bildungslandschaft der Schweiz zu fördern. Auf der Plattform können sich Interessierte, Lernzentrumsleiter, Pädagogen und Eltern vernetzen und ihre alternativen Bildungsangebote vorstellen.

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