Proteste in Libyen Auf den Straßen für Strom und bezahlbares Brot

Stand: 02.07.2022 00:53

Hunderte Menschen haben gegen schlechte Lebensbedingungen und politische Unruhen in Libyen protestiert. In Tobruk stürmte die Menge das Parlamentsgebäude. Die Demonstranten forderten Strom und niedrigere Brotpreise.

Wütende Demonstranten griffen das libysche Parlament im Osten des nordafrikanischen Landes an. Bilder von libyschen Fernsehsendern zeigten, wie sie ein Feuer entzündeten und Steine ​​auf das Gebäude der Stadt Tobruk warfen. Eine Aufnahme in den sozialen Medien zeigte einen Bagger, der gegen eine Parlamentstür krachte. Mehrere lokale Fernsehsender berichteten, dass es der Menge gelungen sei, ins Parlament einzudringen.

Die libysche Nachrichtenseite „Al-Wasat“ berichtete, Demonstranten forderten die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. Gleichzeitig hieß es, die Proteste richteten sich auch gegen die schlechten Lebensbedingungen des Landes. „Wir wollen Licht“, skandierten die Menschen. Libyen leidet seit mehreren Tagen unter Stromausfällen.

Demonstrationen auch in der Hauptstadt Tripolis

Dem Bericht zufolge hatte es zuvor auch in anderen Städten Demonstrationen gegeben. Unter anderem in der westlichen Hauptstadt Tripolis versammelten sich mehrere hundert Menschen auf einem zentralen Platz, um gegen Milizen und große Politiker zu protestieren. Ein Demonstrant sagte, die Menschen hätten das Vertrauen in die Führer verloren.

Bürgerkrieg seit mehr als zehn Jahren

Libyen leidet seit 2011 unter einem Bürgerkrieg, der nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi ausgebrochen war. Derzeit kämpfen zwei Regierungen um die Macht. In der Hauptstadt basiert die Führung auf Premierminister Abdul Hamid Dbaiba. Gleichzeitig beansprucht die Regierung des ehemaligen Innenministers Fathi Baschaga die Macht für sich. Diese ist mit dem Parlament im Osten verbündet.

Am 10. Februar ernannte das Parlament Baschagha zum Vorsitzenden einer Übergangsregierung in der östlichen Stadt Tobruk. Baschagha sollte Dbeibah ersetzen, der seit 2020 die Regierung in Tripolis führt. Dbeibah will die Macht aber nur an eine vom Volk gewählte Regierung abgeben. Er drückte den Demonstranten sein Mitgefühl aus.

Uneinigkeit über den Kandidaten

Die Gespräche zwischen den wichtigsten Vertretern der Kriegsparteien in Genf sind diese Woche ohne endgültige Einigung zu Ende gegangen. Es war der verfassungsrechtliche Rahmen für Neuwahlen. Beide Seiten hätten in vielen Fragen einen Konsens erzielt, sagte UN-Sonderberaterin Stephanie Williams.

Trotz Fortschritten herrscht jedoch noch Uneinigkeit darüber, wer bei der ersten Präsidentschaftswahl kandidieren darf. Beobachter befürchten neue Kämpfe, wenn die Verhandlungen schließlich scheitern.

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