Rammstein-Feuershow in Stuttgart: Leute haben die Feuerwehr gerufen

Feuer in alle Richtungen: Sänger Till Lindemann wurde zum Feuerwehrmann ausgebildet. Foto: Sebastian Raviol

11. Juni 2022 | 13:11 Uhr 3 Minuten 11. Juni 2022

Wenn Rammstein kommt, ist er verbrannt. 90 Lkw kommen an, 1.350 Tonnen Material, eine 60 Meter breite und bis zu 36 Meter hohe Bühne. Dann ist da noch die Landschaft, die einer wüstenartigen Industrielandschaft gleicht. Zu Rammsteins Songs gehören Feuer, Feuerwerk, Knall.

Beim Konzert am Freitagabend zogen Rauchschwaden über den Cannstatter Wasen. Mehrere irritierte Bürger wählten den Notruf, wie die Stuttgarter Feuerwehr auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte.

Es ist die Art von Show, die am Freitag und Samstag 50.000 Menschen auf den Wasen lockte. Die international erfolgreichste deutsche Band hat sich seit ihrer Gründung 1994 stetig weiterentwickelt: textlich, musikalisch, leidenschaftlich.

Die Frage ist, wann eine Band wie diese ihren Höhepunkt erreicht hat. Eine größere Dimension als diese Tour ist kaum vorstellbar. Vor allem gibt es immer wieder Gerüchte, dass die Bandmitglieder von Sänger Till Lindemann (59), den Gitarristen Paul Landers (57) und Richard Kruspe (54), Bassist Oliver Riedel (51), Schlagzeuger Christoph Schneider (56) und umgeben sind der Keyboarder “Flake”. (55) Sie wollen nicht als Rock-Großeltern enden und rechtzeitig aufhören.

Und so war das Konzert am Freitag in Stuttgart außergewöhnlich. Es könnte die letzte Station der Band in Baden-Württemberg gewesen sein. Auf jeden Fall war es die letzte Station dieser Tour im Südwesten, die nun nach Hamburg, Europa und Nordamerika führt.

Zum Auftakt in Stuttgart auf dem Cannstatter Wasen zwei Songs aus Rammsteins DNA

Also der Cannstatter Wasen. „Nehmen Sie lieber zwei Packungen mit“, sagt ein Mitarbeiter am Eingang und zeigt auf die kostenlosen Ohrstöpsel. Es kann nicht schaden. Vor dem Konzert ruft eine Frau: “Wir wollen die alten Leute wieder tanzen sehen.”

Die alten Männer liefern. Für Bands ist es immer ein schmaler Grat: Wie viele Songs des neuen Albums spielen wir auf dem Konzert? Meistens wollen Fans die Klassiker hören. Rammstein präsentiert Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel und zwei Songs vom neuen Album „Zeit“ in Stuttgart: Anführer Lindemann rollt sein „R“ ins Mikrofon der „Armee der Tristen“: „Stellt euch in die Reihe, wir wollen gemeinsam traurig sein. “

Die Kritik am gesellschaftlichen Schönheitswahn setzt sich mit „Zick Zack“ („Wer schön sein will, muss auch leiden, schneiden und schneiden“) fort. Zwei Songs, dreckig, ungebunden, direkt aus Rammsteins DNA, bei der schnell die Frage aufkam, wie neu sie sein sollte.

Aufwändige Pyrotechnik ist eines der Hauptmerkmale von Rammsteins Show. Die Band verbraucht wahrscheinlich etwa 1.000 Gallonen Kraftstoff pro Auftritt. Foto: Sebastian Raviol

Ein möglicher Abschied, dieser Elefant steht im Raum. Rammstein ignoriert es nicht, die Band nimmt ihn mit in den Porzellanladen. Das Album „Zeit“ beschäftigt sich mit vielen Facetten der Vergänglichkeit. Eine Mischung aus Reflexion, tiefer Traurigkeit und plötzlich kraftvoll. Gefühle, die auch live funktionieren.

Beim Song „Zeit“ hören Fans den ganzen Zwiespalt: „Wenn unsere Zeit gekommen ist, ist es Zeit zu gehen, anzuhalten, wenn es am schönsten ist, die Uhren bleiben stehen.“ Aber auch: “Moment mal, ich bin noch nicht fertig.” Rammstein lässt die Texte Abschied nehmen. Die Fans kennen das Spiel mit wenig Klarheit, mit Provokation. Und doch endet die Band in Stuttgart mit einem emotionalen Schlussmoment.

Rammstein-Sänger Lindemann setzt in Stuttgart ein ungewohnt emotionales Ende

Doch davor gibt es noch Klassiker („Du hast“, „Ich will“, „Sonne“) – und Show. Es ist nicht unbedingt Lindemanns stimmliche Exzellenz, die Fans auf die Bühne zieht. Es ist die Kraft ihrer Taten. Leader Lindemann schiebt einen Kinderwagen auf die Bühne, der viel größer ist als er.

Dann singt er darüber, einer Puppe den Kopf abzureißen und das Auto mit einem Feuerwerfer in Brand zu setzen. Im Wahnsinn fühlen sie sich wohl. Der Song „Puppe“ handelt von einer Frau, die sich in ihrer eigenen Wohnung prostituiert: Lindemann in der Rolle ihres Bruders, der alles mitbekommt und leidet.

Den letzten Moment markieren der Song „Adieu“ („Ein letztes Lied, ein letzter Kuss, kein Wunder wird geschehen“) und ein paar Abschiedsworte, die Fans nicht gewohnt sind. Stuttgart, das war toll, knurrte Lindemann ins Mikrofon, wiederholte es sogar noch einmal und klopfte sich auf die linke Brust.

Die fünf Mitglieder der Band steigen dann zwanzig Meter in eine Galerie und verschwinden hinter einer Leinwand. Es gibt einen letzten Schlag. Fans nehmen die Frage nach der Zukunft mit nach Hause. Rammstein lebt in Melancholie.

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