Ein aktuelles Ranking von 82 österreichischen Städten und Gemeinden zeigt: Wien ist die transparenteste Stadt Österreichs. Wels belegte den zweiten Platz, gefolgt von Linz und Graz, die sich den dritten Platz teilten. Die letzte Ampel ist Strasshof an der Nordbahn.ÖSTERREICH. Transparency International Austria (TI-Austria) hat am Dienstag seinen aktualisierten „Transparenten Gemeindeindex“ (ITG) vorgestellt. Der Index analysiert die 80 größten Städte und Gemeinden Österreichs. Auch Guntramsdorf und Hornstein wollten mitmachen und wurden daher auch im Rahmen des Index 2022 ausgewertet, der somit insgesamt 82 Gemeinden umfasst.
Eva Geiblinger, Geschäftsführerin von TI-Austria, erklärt: TI-Austria nutzt dieses Tool, um die Verwaltung österreichischer Städte und Gemeinden zu analysieren. Transparenz ist das einzige Gegenmittel gegen Korruption.”
Wien steht an erster Stelle
Mit dem Index will TI-Austria Städte und Gemeinden motivieren, „ihre Bürgerinnen und Bürger mit wichtigen Informationen zu versorgen und mögliche Türen für Korruption zu schließen“, betont Geiblinger. Basierend auf internationalen „Best Practices“ wurden Informationen definiert, die laut IT-Austria bürgerrelevant sind und daher proaktiv für Städte und Gemeinden zur Verfügung stehen sollen.
Wien ist das Beste. Die Bundeshauptstadt wurde zur transparentesten Stadt Österreichs gewählt. Mit einer deutlichen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr belegte Wels den zweiten Platz – den dritten Platz teilten sich Linz und Graz „ex aequo“. Bemerkenswert ist auch die Performance der erstmals einbezogenen Gemeinden. Waidhofen an der Ybbs konnte sich in Folge auf Platz 11 platzieren, gefolgt von der Gemeinde Guntramsdorf auf Platz 12. Mit Hornstein und Gerasdorf bei Wien waren zwei weitere „Newcomer“ unter den Top 25.
Ständige Verbesserung
Generell rangieren neu registrierte Städte und Gemeinden meist im letzten Drittel des Rankings. Das ist keineswegs angenehm, aber auch nicht unerwartet, erklärt IT-Austria. Die Geschichte der ITG zeigt, dass die meisten Kommunen von einem Untersuchungszeitraum zum anderen kontinuierlich bessere Ergebnisse erzielen konnten. Der Index 2022 dient auch als Standortbestimmung der neuen Gemeinden.
„Im Vergleich zu den Ergebnissen von 2019 haben sich rund zwei Drittel aller Kommunen verbessert. Die Stadt Leonding konnte sich um rund 28,5 Prozentpunkte verbessern und belegt damit den beachtlichen 7. Platz“, sagt Alexander Picker, Geschäftsführer der IT- Österreich. .
Lücke in den Top 10
Die Transparenz von Städten und Gemeinden wird in Prozentpunkten gemessen. Wien beispielsweise erreichte 87,45 Prozent von möglichen 100. „Der Bundesdurchschnitt liegt bei 40,20 Prozent, rund 2,40 Prozentpunkte mehr seit 2019 und mehr als 7 Prozentpunkte im Vergleich zu 2017“, erklärt Picker.
Eine genauere Analyse der Top 10 zeigt, dass die zwei bis fünf Plätze sehr dicht beieinander liegen. Zehn Prozentpunkte trennen die Plätze fünf (Villach mit 73,31 Prozent) und sechs (Salzburg mit 62,25 Prozent). “Wir sehen also eine deutliche Diskrepanz zwischen den Top 5 im Vergleich zum Rest des Feldes”, warnt Picker und fügt hinzu, dass “dies geschlossen werden muss”.
Regionale Unterschiede
Aus regionaler Sicht ist zu beobachten, dass sich das in den letzten Jahren entstandene Ost-West-Gefälle allmählich abflacht. Das Bundesland Tirol hat die Bundesländer Salzburg, Niederösterreich und Steiermark überholt und liegt nun auf Rang sechs. Im Ländervergleich ist Wien die unangefochtene Nummer eins. Dahinter folgt das Burgenland mit einem großen Abstand von rund 41 Prozentpunkten auf Platz zwei. .
Laut TI-Austria korreliert der Grad der Transparenz eher mit der Einwohnerzahl von Städten und Gemeinden als mit der geografischen Lage. Das bedeutet: Je größer die Stadt oder Gemeinde, desto größer die Transparenz; Ausnahmen bestätigen die Regel: Perchtoldsdorf (Rang 10), Hornstein (Rang 15) oder Eisenstadt (Rang 16) beispielsweise würden zeigen, dass kleinere Gemeinden mit entsprechendem Willen hervorragende Ergebnisse im Index erreichen können, so IT-Austria.
Problembereich der öffentlichen Beschaffung
Die Transparenzorganisation definiert die öffentliche Auftragsvergabe als ein nach wie vor akutes Problem. Es gibt aber auch positive Trends. „Die breite Transparenz in den Bereichen Haushalt, Finanzen und Rechnungswesen ist als erfreulich hervorzuheben, da diese auch in der Öffentlichkeit von großem Interesse sind“, so Geiblinger.
Abschließend betonte der Transparenzexperte: „Ein Informationsfreiheitsgesetz, das österreichweit die ganze Schicht der Geheimhaltung aufheben würde, würde Zeit brauchen, um Klarheit über Transparenz und das Recht auf Information zu schaffen. Es kann das Vertrauen der Menschen in die Kommunalpolitik stärken.“
Wels auf Platz zwei nach Wien
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