Raphael Wicky wird YB-Trainer: Seine Ansichten zum Fussballgeschäft

Wicky bei ihrem letzten Job in Chicago Bild: imago

Raphael Wicky wird den entthronten Meister YB wieder an die Spitze führen. Das Wallis ist der neue Trainer der Young Boys. Es ist sein zweites Super-League-Spiel nach dem FC Basel. Wenn Wicky es tut, ist YB seine letzte Chance in der Schweiz.

Konsequenzen

Raphael Wicky kehrt in den Schweizer Fussball zurück. Der 75. Nationalcoup wird neuer Trainer der Young Boys. Nach vier Meistertiteln in Folge mussten die Berner in der kürzlich abgeschlossenen Saison dem FC Zürich weichen. Wickys Hauptaufgabe in Wankdorf: YB zum Meistertitel zurückzubringen.

Für Wicky, 45, ist Bern die zweite Saison als Trainer der Super League. In der Saison 2017/18 führte er den FC Basel. Er war in der Champions League erfolgreich, verlor aber den Meistertitel, den der FCB acht Mal in Folge gewonnen hatte. In der folgenden Saison wurde Wicky nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Pflichtspielen entlassen.

“Die Schnelllebigkeit des Lebens muss ein Ende haben”

Neun Monate später sprach Wicky mit der «NZZ am Sonntag» über die Entlassung des FCB, seine allgemeinen Überlegungen zum Fussballgeschäft und sein Leben als Trainer. „Ich habe Probleme mit dem schnellen Tempo“, sagte er. Er sprach einmal mit FIFA-Präsident Gianni Infantino, ebenfalls Walliser und damaliger UEFA-Generalsekretär. „Ich habe ihm gesagt, dass es nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Trainer eine Transferfrist geben soll: dass Trainer nur für bestimmte Zeiträume entlassen werden können. Damit Trainer nicht quasi willkürlich rausgeschmissen werden können.“

In Basel verloren ihre Chefs zu früh die Geduld. Bild: KEYSTONE

Wickys Überlegung: Gäbe es Vorschriften, würden Manager bewusster darüber nachdenken, wen sie als Coach einstellen. Ihm sei klar, dass es eine solche Regelung wohl nie geben werde, fügte Wicky hinzu. „Aber die Schnelllebigkeit muss ein Ende haben. Ich wünsche mir etwas mehr Tiefe, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen und Ziele zu setzen.“

in den USA arbeiten

In Basel war es dann vorbei, weil Präsident Bernhard Burgener und Sportdirektor Marco Streller in Panik geraten waren. Sie feuerten Wicky nach einem 1:2-Unentschieden gegen St.Gallen in der Liga und einer 1:2-Auswärtsniederlage in der Champions-League-Qualifikation gegen PAOK Thessaloniki. Jahre später gab Burgener zu, dass „wir die Entscheidung zu früh getroffen haben. Wicky hatte einen tollen Job gemacht.“

Der ehemalige Bundesliga-Mittelfeldspieler mit 218 Spielen in der Bundesliga (Werder Bremen, Hamburger SV) gilt nicht als „Feuerwehrmann“, sondern als eines der Langzeitprojekte. Einer davon war für ihn sein Engagement als US-U17-Nationaltrainer. Allerdings endete er nach neun Monaten vorzeitig, weil Wicky mit einem guten Job auffiel und von den Chicago Fire verpflichtet wurde.

Einer seiner größten Erfolge: Wicky (links neben dem Pokal) gewinnt 1999 mit Werder Bremen den DFB-Pokal. Foto: imago

Knapp zwei Jahre trainierte er das gescheiterte MLS-Franchise, das mittlerweile Xherdan Shaqiri gehört und den gleichen Besitzer wie der FC Lugano hat. Raphael Wicky hat seit dem Ende seiner Spielerkarriere 2009 in Los Angeles eine ganz besondere Beziehung zu den Vereinigten Staaten: „Ich mag das Land und die Sportmentalität.“ 2018 heiratete er seine amerikanische Freundin Laura.

Zu YB hat er auch einen familiären Bezug: Wickys Mutter stammt aus Bern. Deshalb bezeichnete er sich scherzhaft als «das halbe Wallis».

Die Akkus sind geladen

Christoph Spycher, YB-Sportchef, ist kein Familienmitglied. Er spielte aber einige Jahre bei Raphael Wicky in der Nationalmannschaft. Die beiden kennen sich also gut, und Spycher ist nicht für übereilte Entscheidungen bekannt, sondern eher für Ruhe und Ernsthaftigkeit. Kaum prallen Welten aufeinander, wenn die beiden streiten.

Wicky (links) und Spycher bedrängen den Franzosen Zinedine Zidane bei der Europameisterschaft 2004. Bild: imago

Im damaligen NZZ-Interview sprach Wicky auch über die Möglichkeiten, die ein Fussballtrainer hat. Wenn du eine Chance hast, kannst du woanders mit einer zweiten rechnen, aber dann brauchst du dort Erfolg. “Ich denke, Sie haben als Trainer zwei Kugeln”, sagte Wicky. „Wenn du mit dem ersten Schuss das Ziel verfehlst, hast du noch eine Chance, und wenn es wieder nicht klappt, wird es für dich schwierig, noch eine Chance auf gleichem Niveau zu bekommen.“

YB ist Wickys zweite Chance, dem Schweizer Fussball zu zeigen, was er hat. Die Batterien sind aufgeladen, acht Monate sind seit der Verlobung in Chicago vergangen. Er genoss die Zeit im Wallis mit seiner Familie und nutzte die freie Zeit, um den Kopf frei zu bekommen. Jetzt will er wieder angreifen.

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Die Young Boys starten erwartungsgemäß mit einem neuen Trainer in die Saison 2022/23: Raphaël Wicky soll den Erfolg an den 15-maligen Schweizer Meister zurückgeben. Der 45-jährige Walliser hat einen Vertrag bis Ende Saison 2023/24 und folgt auf Interimstrainer Matteo Vanetta, der im März den entlassenen David Wagner ersetzte.

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