Rasch steigende Bauzinsen Immobilienboom auf der Kippe?

Datum: 06.06.2022 09:27 Uhr

Nach über zehn Jahren neigt sich der Immobilienboom in Deutschland laut Experten dem Ende zu. Der Mieterbund drängt derweil auf einen stärkeren Schutz der Mieter vor drohenden Mieterhöhungen.

Der Wohnungsmarkt in Deutschland steht Experten zufolge vor einem Wandel. Angesichts des steigenden Bauinteresses drohten dem Immobilienmarkt die Käufer auszugehen. Bislang habe es Wirkungen gegeben, Menschen anzulocken, die schnell Immobilien kaufen wollten, bevor die Bauzinsen weiter stiegen, sagte Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

„Im zweiten Quartal sollten wir jedoch eine Trendwende auf dem Immobilienmarkt sehen“, sagte er. „Natürlich verlassen bei rasant steigenden Zinsen immer mehr Käufergruppen den Markt.“

Ende der Negativzinsen am Rentenmarkt

Auch die Experten der Deutschen Bank erwarten ein Ende des Aufwärtstrends am Immobilienmarkt. Ein Ende des Immobilienbooms bis 2024 und eine „moderate Preiskorrektur“ erwarten sie allerdings nicht.

Vor diesem Hintergrund steht der rasante Anstieg der Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen angesichts hoher Inflationsraten und in Erwartung einer weniger expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese stiegen Anfang des Jahres erstmals seit April 2019 wieder über die Null-Prozent-Marke und sind seither deutlich gestiegen. Sie überschreiten jetzt 1,2 Prozent.

Die Bauzinsen haben sich seit Dezember fast verdreifacht

Zehnjährige Staatsanleihen markieren die Zinsrichtung von Pfandbriefen und damit indirekt die Zinskonstruktion. Die Hypothekenzinsen sind in den letzten Monaten stark gestiegen. Laut der Frankfurter FMH Finanzberatung haben sich die Zinsen für gängige zehnjährige Kredite seit Dezember von 0,9 % auf zuletzt 2,5 % fast verdreifacht, Tendenz steigend. Zum Vergleich: Die Bauzinsen erreichten 2020 mit 0,62 Prozent ihren Tiefpunkt.

Historisch gesehen sind die Bauzinsen immer noch relativ niedrig, wie Stefan Mitropoulos, Volkswirt der Landesbank Helaba, betont. Allerdings sollte der Zinsanstieg nicht unterschätzt werden. „Deutlich höhere Finanzierungskosten dürften die Nachfrage nach Wohnimmobilien insgesamt dämpfen und eher in günstigere Lagen rund um Großstädte lenken.“ Die steigenden Preise am Wohnungsmarkt dürften sich im Jahresverlauf „deutlich verlangsamen“.

Der Mieterbund will schnelle Abhilfe für Mieter

Der Mieterbund drängt derweil auf einen stärkeren Schutz der Mieter vor drohenden Mietpreiserhöhungen. „Wir brauchen Begrenzungsinstrumente“, sagte Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Ampelkoalition müsse “endlich ihren angekündigten Plan umsetzen, die Grenze von 15 Prozent auf 11 Prozent zu senken”.

Bei Regelmietverträgen dürfen die Mieten in Städten und Gemeinden mit Wohnungsnot innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 15 Prozent steigen. SPD, Grüne und FDP haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, diesen Wert auf elf Prozent zu senken.

Es gibt deutliche Mietpreissteigerungen

„Auch damit wäre es noch zu hoch“, bekräftigte der Präsident des Mieterbundes frühere Kritik. Siebenkotten befürchtet, dass vor allem Großvermieter nun die Möglichkeit nutzen, die Mieten zu erhöhen.

Diese Angst scheint nicht unbegründet. Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Wohnungskonzern Vonovia, Rolf Buch, machte den Mietern kürzlich den Wunsch, die Mieten deutlich zu erhöhen: „Wir können nicht erwarten, dass die Inflation die Mieten ignoriert.

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