Ravensburg stoppt Buchverkauf: „Winnetou“ und die kulturelle Aneignungsdebatte

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Winnetou-Buchlieferung stoppt, weiße Reggae-Musiker mit Dreadlocks sollen nicht mehr auftreten. Kulturelle Aneignung taucht in den Debatten immer wieder auf. Aber was ist es wirklich?

Das Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ sorgt dieser Tage vor allem in den sozialen Medien für Aufsehen und hitzige Stimmung. Der Grund: Das Unternehmen Ravensburger hatte beschlossen, mehrere Kinderbücher wegen Rassismusvorwürfen aus dem Verkauf zu nehmen.

Ravensburg: Die Gefühle anderer Menschen verletzen

Hunderte Instagram-Nutzer äußerten daraufhin ihr Unverständnis und warfen dem Unternehmen Zensur oder Verfälschung vor. Es gab auch Unterstützung für die Entscheidung.

Das Ravensburger Unternehmen, das vor allem für seine Spiele und Puzzles bekannt ist, hatte Mitte August angekündigt, die Auslieferung von zwei Winnetou-Titeln einzustellen und aus dem Programm zu nehmen.

In einem Instagram-Post begründete das Unternehmen dies mit Nutzer-Feedback. Es zeige, “dass wir mit Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzen”.

„Romantisierendes Bild“ der indigenen Unterdrückung

Ein Ravensburger-Sprecher sagte, die Entscheidung sei wohlüberlegt gewesen. Bei den genannten Winnetou-Titeln kommt man nach Abwägung verschiedener Argumente zu dem Schluss, dass hier angesichts der historischen Realität, der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, ein „romantisierendes Bild mit vielen Klischees“ gezeichnet werde.

Kulturelle Aneignung wird in aktuellen Debatten immer wieder erwähnt. Auch Ravensburger selbst spricht darüber. Aber was ist es wirklich?

Was ist kulturelle Aneignung?

Kulturelle Aneignung bedeutet, dass Menschen sich eine fremde Kultur zunutze machen, beispielsweise durch Musik oder Kleidung. Kritisiert wird vor allem, wenn Angehörige der Mehrheitsgesellschaft einzelne Elemente der Kultur einer Minderheit an sich reißen, kommerzialisieren und aus dem Zusammenhang reißen.

Jüngstes Beispiel: Ein Konzert der Band Lauwarm in Bern wurde abgesagt, weil sich einige Besucher darüber aufregten, dass sie jamaikanische Musik spielten und einige der weissen Bandmitglieder afrikanische Kleidung und Dreadlocks trugen.

Während die Debatte im deutschsprachigen Raum relativ neu ist, tobt sie in den USA schon seit Jahren. In Mexiko gibt es sogar ein Gesetz, das kulturelle Aneignung verbietet.

Die Skandalisierung kultureller Aneignungen offenbart eine Reihe von Absurditäten.

Die deutsche Ethnologin Susanne Schröter findet die aktuelle Diskussion um kulturelle Aneignung problematisch. „Der Kulturaneignungsskandal offenbart eine Reihe von Absurditäten. Die eine betrifft die Konsequenzen des Durchdenkens erforderlicher Nutzungsbeschränkungen. Dann sollte für jedes Objekt, jeden Stil, jede kulturelle Ausdrucksform der Autor gefunden und seine Verwendung auf diese Autoren beschränkt werden“, sagt der Professor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt.

Kulturelle Aneignung ist grundsätzlich etwas Positives für den Wissenschaftler. „Menschen haben schon immer Dinge von anderen übernommen, wenn sie es für sinnvoll hielten. Vereinfacht gesagt ist die ganze Menschheitsgeschichte eine Geschichte kultureller Aneignungen, ohne die es keine Entwicklung gegeben hätte“, sagt Schröter.

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