Ravensburger nimmt den umstrittenen „Winnetou“-Titel aus dem Programm

Nach Kritik nimmt der Ravensburger Verlag die umstrittenen “Winnetou”-Bücher aus dem Programm.

Szene aus dem Film „Der junge Häuptling Winnetou“

© Leonine/dpa

23.08.2022, 10:37 3 Minuten Lesezeit

Nach teils heftiger Kritik nimmt der Ravensburger Verlag die umstrittenen „Winnetou“-Titel aus dem Programm. Die Maßnahme hat Kontroversen ausgelöst.

Der Ravensburger Verlag hat nach heftiger Kritik zwei Kinder- und Jugendbücher aus dem Programm genommen: „Wir haben die vielen negativen Reaktionen auf unser Buch ‚Der junge Häuptling Winnetou‘ verfolgt und heute entschieden, die Auslieferung des Titels zu stoppen“, hieß es in eine auf Instagram gepostete Nachricht. Der Herausgeber entschuldigte sich auch dafür, die “Gefühle anderer” verletzt zu haben. Beide Titel erschienen begleitend zum gleichnamigen Film, der am 11. August anlief. Auch ein Puzzle und ein Stickerbuch waren von der Maßnahme betroffen.

Umstritten ist auch der gleichnamige Film, für den das Merchandise veröffentlicht wurde. Basierend auf den Werken von Karl May handelt die Geschichte von Winnetou, dem heranwachsenden Sohn des Häuptlings, der sich mit seiner Schwester und einem weißen Stadtjungen auf ein Abenteuer begeben muss, um seinen Stamm zu retten. Die Deutsche Film- und Medienklassifizierung (FBW) verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“. Allerdings schreibt die FBW auf ihrer Website, die Jury sei „absolut gespalten: zwischen einer vehementen Ablehnung auf der einen und einer starken Zustimmung auf der anderen Seite“. Einige Jurymitglieder empfanden den Film als “kitschiges und rückständiges Spiel”. Die literarische Idylle Karl Mays in der Heimat der indigenen Völker Nordamerikas sei eine Lüge, so die Jurymitglieder, die den Völkermord an den amerikanischen Ureinwohnern und das ihnen zugefügte Unrecht durch die Landnahme durch Teile der amerikanischen Ureinwohner völlig ignorieren würde Weiße Siedler und die Zerstörung. aus ihrem natürlichen Lebensraum“, sagte er.

Die wohlwollende Mehrheit der Jury meinte laut FBW: „Es ist bekannt, dass Karl May seine Geschichten in dem, wie er es nannte, ‚indischen Land‘ und auch im ‚Orient‘ aus seiner Fantasie heraus geschrieben und seine Geschichten nie geschrieben hat situ Es war ein ausgedachtes Abenteuer, also kann man ihn guten Gewissens einen „Märchenonkel“ nennen, der Film sendet auch Botschaften für Gleichheit und Frieden.

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Ravensburgers Ankündigung stößt auf geteilte Resonanz

Kritiker im Internet warfen den Machern unter anderem vor, Klischees zu transportieren und kritische Vorurteile in Büchern und Filmen zu nähren. Es ist auch ein Fall von kultureller Aneignung. Wir sprechen von kultureller Aneignung, wenn Angehörige der weißen Mehrheitsgesellschaft nach Meinung von Kritikern eine Kultur nutzen, deren Mitglieder sie unterdrückt haben. Die – oft hitzige – Debatte entbrennt immer wieder, wenn etwa Weiße Frisuren oder Kleider tragen oder Musik spielen, die aus dieser Sicht für sie tabu sind. Zwei Fallstudien finden Sie hier und hier.

Karl-May-Experte Andreas Brenne sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ nur: „Ich finde es nicht richtig, ein solches Buch nur wegen eines Shitstorms aus dem Verkehr zu ziehen.“ Brenne, die als Professorin für Kunstpädagogik und Kunstpädagogik an der Universität Potsdam arbeitet und in Programmfragen der Karl-May-Gesellschaft arbeitet, hält das Buch für unbedenklich. Abschließend wird in den Vorbemerkungen klargestellt, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt, die das Leben indigener Völker nicht angemessen wiedergibt. Dem Bericht zufolge warnte Brenne auch davor, den Vorwurf falscher kultureller Aneignung unbedacht zu verbreiten.

Sehen Sie sich das Video an: Sollten wir für mehr Vielfalt unsere Bücher und Märchen neu schreiben?

Die Ankündigung des Herausgebers löste unter dem Instagram-Post geteilte Reaktionen aus. In vielen Kommentaren äußerte man meist Unverständnis für die aus ihrer Sicht “übertriebene” Entscheidung, es gab aber auch Zustimmung. Der Verlag schrieb daraufhin, man nehme jede Kritik zur Kenntnis, wolle am Umgang mit sensiblen Inhalten arbeiten und sich diesbezüglich an die eigenen hohen Standards halten. Das Posten des Titels war ein Fehler.

Quellen: FBW, BR, Ravensburger (Instagram), “NOZ”

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