Renate Künast: „Die Zeit der Billig-Lebensmittel ist vorbei“

Deutschland Renate Kunast

„Sonst ist die Zeit der Billig-Lebensmittel vorbei“

Stand: 12:20 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Die Inflation in Deutschland erreicht den höchsten Stand seit fast 50 Jahren

Stark gestiegene Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflationsrate in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren getrieben. Die Verbraucherpreise lagen im Mai nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 7,9 Prozent über dem Vorjahresmonat.

Inflation, Krieg und Klimawandel: Die Agrarwende steht laut Grünen unmittelbar bevor. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast sieht die Verbraucher mit immer teureren Preisen konfrontiert. Um dies zu ändern, müssen Gemüse und Obst neu besteuert werden.

Die frühere Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) sieht eine bevorstehende Wende für die Verbraucher. „Wir haben dieses Ungleichgewicht, dass wir sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Fleisch und 19 Prozent auf Gemüse und Obst zahlen, was wir aus Gesundheits- und Klimagründen viel mehr kaufen sollten“, sagte Künast am Dienstag im „rbb24-Inforadio“. Das wäre ein Ungleichgewicht und das müsste sich ändern. “Sonst ist die Zeit der Billig-Lebensmittel vorbei.”

Trotz der weltweiten Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Landwirtschaft hält Künast an der Agrarwende fest. Transformation sei auch wegen des Klimawandels notwendig, sagte er. Der Bundestagsabgeordnete sprach anlässlich des Deutschen Bauerntags in Lübeck.

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Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Landwirte bei diesem Wandel unterstützen und die Verbraucher entlasten können. Er hält den Vorschlag des Landwirtschaftsministers Cem Özdemir (Grüne), die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte zu senken, für richtig. “Wir müssen darüber nachdenken, wie wir den Landwirten in Zukunft Planungssicherheit schaffen und wie wir die Ärmsten der Armen entlasten können.”

Die Grünen-Abgeordnete Renate Künast

Quelle: Christoph Söder / dpa

Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte stiegen im April so stark wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 1961. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, lagen die Erzeugerpreise um 39,9 Prozent höher als im April 2021. Bis März 2022 stieg der Wechselkurs bereits um 34,7 Prozent gestiegen, was ebenfalls ein Rekordanstieg war.

Im April sind die Preise für pflanzliche Produkte (plus 45,7 Prozent) und tierische Produkte (plus 35,8 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich gestiegen. Getreidepreise waren 77,6 Prozent höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Ausschlaggebend für den enormen Preisanstieg sei “nach wie vor die Angebotsverknappung infolge des Krieges in der Ukraine”, erklärte das Bundesamt. Im April waren die Erzeugerpreise für Obst jedoch um 14,9 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Energie treibt die Inflation in Deutschland auf fast acht Prozent

Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren getrieben. Ökonomen machen den Verbrauchern wenig Hoffnung, dass die Preise schnell wieder fallen.

Die Verbraucherpreise lagen im Mai nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 7,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Damit blieb die Inflationsrate der größten Volkswirtschaft Europas den dritten Monat in Folge über sieben Prozent. Die Inflationsrate stieg im März auf 7,3 % und im April auf 7,4 %. Von April bis Mai stiegen die Preise um 0,9 Prozent.

Inflationsraten in dieser Höhe hat es im wiedervereinigten Deutschland noch nie gegeben. Die alten Bundesländer müssen bis zum Winter 1973/74 zurückgehen, um gleich hohe Werte zu finden. Damals waren die Energiepreise als Folge der ersten Ölkrise gestiegen. Höhere Inflationsraten verringern die Kaufkraft. Dann können sich Verbraucher weniger für einen Euro leisten.

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