Stand: 02.06.2022 17:13
Nach zweijähriger pandemiebedingter Pause war die Spannung groß: Kann die Hannover Messe an alte Erfolge anknüpfen? Die Industriemesse hat heute Bilanz gezogen.
Von Annette Deutschens, NDR
„Das Messeformat hat die Pandemie überstanden.“ Zu diesem Ergebnis kommt Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG. Köckler hält die Industriemesse sogar für aktueller denn je. Allerdings ist das aus den Zahlen, die sie nach knapp vier Tagen Industrieschau präsentiert, nicht so einfach abzulesen: Nur noch die Hälfte der Aussteller als vor der Pandemie, dazu nur rund 75.000 Besucher, in Stoßzeiten waren es mehr als 200.000. Doch das Hauptaugenmerk der Messe lag laut Köckler auf Rot.
Das Logo von NDR Annette Deutschens
„Faszinierende“ technische Ideen.
Tatsächlich gab es in der langen Geschichte der Hannover Messe kaum eine andere Messe, die so politisch war und auf der in einem solchen Umfang Lösungen für viele der großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen präsentiert wurden. Wirtschaftsminister Robert Habeck resümierte bei einem seiner beiden Besuche: „Was wir hier auf der Messe sehen, spiegelt die großen Probleme unserer Zeit mit konkreten Antworten wider.“ Als „faszinierend“ bezeichnete der Grünen-Politiker die technischen Lösungen, die viele Unternehmen bei Themen wie Klimaschutz, Energieeffizienz und Digitalisierung gefunden hätten.
Klimaneutralität und Digitalisierung im Fokus
Die Wirtschaft ist auf dem Weg zur klimaneutralen Produktion: Wer etwas zu bieten habe, könne von der diesjährigen Messe besonders profitieren, sagt Gunther Kegel, Präsident des Fachverbands Elektro- und Digitalindustrie. Eines der Megathemen: der sogenannte grüne Wasserstoff, hergestellt aus nachhaltigen Quellen wie Wind- oder Sonnenenergie.
Zu den Ausstellern in diesem Bereich gehört zum Beispiel das Unternehmen GP Joule, dessen Geschäftsmodell sich an allen Fragen rund um die Energiewende orientiert. „Diese Hannover Messe hat gezeigt, dass die Bedeutung erneuerbarer Energien alle erreicht hat“, sagt Ove Petersen, Mitbegründer von GP Joule. „Unsere Themen – die Energiewende, die Dekarbonisierung der Industrie, grüner Wasserstoff – sind in den Mittelpunkt gerückt.“ Es war die bisher erfolgreichste Messe für Ihr Unternehmen.
Aber auch Industrieriesen mit traditionell großem CO2-Fußabdruck wie Salzgitter Stahl nutzten die Hannover Messe, um den Weg in eine klimaneutrale Zukunft aufzuzeigen. „Salcos“ heißt das Projekt, das darauf abzielt, den CO2-Ausstoß mithilfe von Wasserstoff drastisch zu reduzieren.
Auch der Siemens-Konzern bezeichnet Nachhaltigkeit als einen der beiden großen Messetrends. Die zweite: Digitalisierung. Vorstandsmitglied Cedrik Neike spricht in diesem Zusammenhang vom „Ketchup-Flaschen-Effekt“: Gut elf Jahre lang wurde der Flaschenboden angefasst, jetzt hat sich der Verschluss gelöst. Digitale Konzepte werden in der Industrie schneller umgesetzt als zuvor. Veränderte Kronenpandemien und Lieferketten hätten die Entwicklung beschleunigt.
“Kein Problem” China
Zufrieden – und zuversichtlich – zieht auch der Verband Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Hannover Messe zu Ende. Der mittlere Maschinen- und Anlagenbau entwickelt nichts anderes als „Produktionslösungen für eine Welt im Wandel“. Das wurde bei dieser Messe deutlich.
Für die Zukunft der Messe wünschen sich einige Aussteller und Verbände noch mehr Fokus auf Zukunftsthemen wie Wasserstoff. Der Kurator der Ausstellung, Köckler, hofft, dass dieser Bereich im nächsten Jahr noch umfangreicher wird.
Andererseits ist noch nicht klar, wie es mit China weitergeht. In diesem Jahr waren es weniger als 100 Aussteller im Land: Vor der Pandemie waren es 1300, dazu fast 10.000 Besucher. Eine Lücke, die dieses Jahr aufgefallen ist. Köckler ist jedoch überzeugt: „Die Zeichen für die Hannover Messe stehen auf Wachstum.“