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Erstellt: 30.05.2022, 22:11
Von: Kim Hornickel, Karolin Schäfer, Sophia Lother, Alina Schröder
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Das Affenpockenvirus breitet sich weiter aus, auch in Deutschland. Jetzt gibt es Neuigkeiten zu Impfstoffen. Die Situation in den Nachrichten.
- Affenpocken in Deutschland: Stiko-Chef Thomas Mertens hält die Pockenimpfung für Risikogruppen für sinnvoll.
- Hessen meldet erste Affenpocken-Infektion: Test an Uniklinik Frankfurt.
- Isolierung und Impfung gegen Affenpocken: Karl Lauterbach fordert eine “schnelle und harte” Antwort.
- Die WHO äußert sich zu den Fällen: Die Organisation ruft zum Handeln auf, sieht aber keinen Grund zur Beunruhigung.
- Verordnete Pockenimpfung: Lauterbach gibt Auskunft über die Impfverordnung.
Update vom Montag, 30. Mai, 14.15 Uhr: In Deutschland ist die Zahl der Fälle von Affenpocken-Infektionen gestiegen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts haben sich mindestens 21 Menschen mit dem Virus angesteckt. Nachweise stammen aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.
Affenpocken in Deutschland: Partnerschaften mit dringendem Bedarf
Inzwischen fordern medizinisch-wissenschaftliche Fachverbände “schnelles und konsequentes Handeln”. Besonders wichtig seien laut einer gemeinsamen Erklärung die gezielte Aufklärung der Zielgruppe, die Isolierung von Infektionsfällen sowie die Quarantäne für enge Kontakte und Verdachtsfälle.
Das Archivfoto zeigt eine farbige Mikroaufnahme des Affenpockenvirus. © Andrea Männel, Andrea Schnartendorff / RKI / AFP
Ein normaler Pockenimpfstoff, der auch in den USA und Kanada zur Pockenprävention zugelassen ist, könne aus Sicht der Verbände „einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung des Infektions- und Krankheitsschutzes“ in in Deutschland geborenen Kohorten leisten wurden nicht gegen Pocken geimpft. Die Option soll von den europäischen Zulassungsbehörden EMA und Stiko geprüft werden.
Die Affenpocken breiten sich aus: Lauterbach wartet auf die ersten Impfstofflieferungen
+++ 21 Uhr: Da sich Affenpocken in Europa weiter ausbreiten, erwartet Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die ersten Lieferungen der ersten Impfstoffe gegen die Viruserkrankung. Lauterbach kündigte an, in den ersten beiden Juniwochen 40.000 Dosen nach Deutschland zu liefern. Danach seien weitere 200.000 Einheiten zu erwarten, sagte der Gesundheitsminister am Sonntag in einer ARD-Sendung. Ein entsprechender Liefervertrag wurde bereits unterzeichnet.
Fieber Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen Geschwollene Lymphknoten Schüttelfrost Hautausschlag Quelle: RKI
Die Affenpocken breiten sich in Deutschland aus: Lauterbach gibt Details zur Impfung bekannt
„Wir warten auf die Antwort des Unternehmens, aber ich denke, wir werden diesen Impfstoff sehr bald haben“, so der SPD-Politiker weiter. Wer den Impfstoff erhalten wird, ist unklar. Zunächst musste ein Impfkonzept entwickelt werden. Die Gefahr einer neuen Pandemie sieht Lauterbach jedoch nicht, wiederholte er in der ARD-Sendung. Allerdings seien die Pocken des Affen „keine angenehme Krankheit. Wir müssen damit aufhören.
Pocken hingegen sind in West- und Zentralafrika endemisch. Dort treten sie dauerhaft und häufig in den jeweiligen Ländern auf. Zuletzt traten zahlreiche Fälle auch in mehr als 20 weiteren Ländern auf, darunter auch in Deutschland.
Affenpocken: mehr Fälle in Deutschland und Europa
Update am Samstag, 28. Mai, 17 Uhr: Ein erster Fall von Affenpocken in Brandenburg wurde bestätigt. Das teilte das Gesundheitsministerium am Samstag mit. Das Ergebnis wurde im Pockenvirus-Beratungslabor des Robert-Koch-Instituts bestätigt. Insgesamt 16 Affenpockenvirus-Infektionen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt waren dem RKI am Freitag (27. Mai) gemeldet worden. Infolgedessen sind die meisten Betroffenen nicht ernsthaft krank. In Deutschland werden jedoch weitere Fälle erwartet.
Auch ein erster Fall von Pocken in Irland wurde bestätigt. Die irische Gesundheitsbehörde teilte am Samstag mit, dass es am Freitagabend einen Fall im Osten des Landes gegeben habe. Die betroffene Person, über die keine weiteren Details bekannt wurden, wurde noch nicht im Krankenhaus behandelt. In Frankreich wurden zwei Personen gegen das Virus geimpft. In Großbritannien wurden bereits mehr als 1.000 Kontakte geimpft.
Die Pocken des Affen breiten sich weiter aus: Die EU will den Impfstoff gemeinsam kaufen
+++ 19.55 Uhr: EU arbeitet an gemeinsamem Einkauf von Impfstoffen und Medikamenten gegen Pocken. Wie eine Sprecherin der Europäischen Kommission am Freitag in Brüssel bestätigte, wurde mit den Mitgliedsstaaten ein breiter Konsens darüber erzielt, dass die neue EU-Behörde zur Prävention von Gesundheitskrisen (Hera) medizinische Linsen so schnell wie möglich abstoßen soll. Das genaue Verfahren wird in den kommenden Tagen mit den Mitgliedstaaten festgelegt. Gleichzeitig betonte die Sprecherin, dass die Impfung gegen Affenpocken auf ganz bestimmte Fälle beschränkt bleiben würde, da die Übertragbarkeit und das Risiko des Virus nicht mit Covid-19 vergleichbar seien.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte bereits Anfang dieser Woche mitgeteilt, dass Deutschland bereits “bis zu 40.000 Dosen” Pockenimpfstoff für den Fall einer erneuten Ausbreitung der Pocken gesichert habe. Der Impfstoff mit dem Namen Imvanex sei in den Vereinigten Staaten für Pocken zugelassen, sagte er. Es geht darum, auf eventuell notwendige Impfungen vorbereitet zu sein, damit Infizierte Kontakt aufnehmen können.
Affenpockenvirus: WHO äußert sich zu Fällen: „Es ist nicht Covid“
Update am Freitag, 27. Mai, 15.15 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation ruft zum Handeln gegen die ungewöhnliche Ausbreitung der Affenpocken auf, sieht aber keinen Grund zur Beunruhigung. “Das ist keine Krankheit, die die Öffentlichkeit beunruhigen sollte. Das ist nicht Covid”, sagte WHO-Expertin Sylvie Briand am Freitag (27. Mai) in Genf in einem Briefing für EU-Mitgliedsstaaten. Affenpockeninfektionen müssen jedoch schnell erkannt und die Betroffenen isoliert werden. Die WHO geht davon aus, dass die meisten Fälle mild verlaufen. Schwangere, Kinder und Menschen mit schwachem Immunsystem haben jedoch ein höheres Risiko, einen schweren Verlauf zu erleiden.
„Wir haben jetzt ein gutes Zeitfenster, um die Übertragung einzustellen“, sagte Briand. Unklar ist allerdings, wie viele Pockenimpfstoffvorräte es gibt, die auch bei Pocken helfen sollen. Die WHO rechnet mit weiter steigenden Fallzahlen. Monkeypox ist in mehr als 20 Ländern aufgetreten. „Wir wissen nicht, ob wir nur die Spitze des Eisbergs betrachten“, sagte Briand. Nach aktuellem Stand gibt es noch keine eindeutigen Informationen zur Ursache der aktuellen Entwicklung.
Affenpocken können “jeden treffen” – Lauterbach warnt vor der Stigmatisierung schwuler Männer
+++ 23:00 Uhr: Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt davor, dass Affenpocken endemisch werden könnten, wenn sich der Erreger von Menschen auf Tiere ausbreitet und sich auf eine Tierpopulation ausbreitet. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hält es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass dauerhafte Pocken bei Tieren in Europa auftreten werden. „Es ist fraglich, ob es in Europa Tierarten gibt, die als geeignete Reservoirwirte in Frage kommen“, schreibt die Bundesanstalt für Tiergesundheit. Eine Weiterentwicklung ist jedoch erforderlich.
Update vom Donnerstag, 26. Mai, 8 Uhr: Karl Lauterbach warnt vor der Stigmatisierung schwuler Männer aufgrund von Pockeninfektionen in Deutschland. „Menschen, die schwul sind und Sex mit Männern haben, dürfen nicht stigmatisiert werden“, sagte Bundesgesundheitsminister Markus Lanz am Mittwochabend. „Es ist wichtig zu sagen, dass es jedem passieren kann“, sagt Lauterbach.
Auch Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, es sei ein Trugschluss, dass “schwule oder bisexuelle Männer von Natur aus stärker gefährdet sind. Das Virus kennt keine sexuelle Orientierung.” „Dämpfung und Stigmatisierung“ sollen laut dem Grünen-Politiker unbedingt vermieden werden.
An Impfstoffen herrscht kein Mangel: Eine Impfung gegen Affenpocken ist ohne Engpässe möglich
+++ 15.30 Uhr: Nach Angaben des Pocken-Impfstoffherstellers Imvanex ist beim aktuellen Ausbruch nicht mit einer Knappheit des Impfstoffs zu rechnen. „Wir glauben, dass wir die weltweite Nachfrage ohne weitere Investitionen in unsere Produktionsanlagen decken können“, sagte der Unternehmenssprecher von Bavarian Nordic, Rolf Sass Sørensen, am Mittwoch (25. Mai) in einem Interview mit dpa. Bavarian Nordic hat seinen Hauptsitz in Dänemark, wo auch die Produktion stattfindet. Der Vektorimpfstoff wurde jedoch in der deutschen Niederlassung in Martinsried bei München entwickelt.
Das Unternehmen verfügt über den weltweit einzigen zugelassenen Affenpocken-Impfstoff. Derzeit sei es möglich, 30 Millionen Dosen pro Jahr zu produzieren, sagte Sørensen. Die Zulassung für Affenpocken ist jedoch auf die Vereinigten Staaten, wo der Impfstoff als Jynneos bekannt ist, und Kanada beschränkt. Die Zulassung in der Europäischen Union sei in Planung, sagte Sørensen. In Europa ist der Impfstoff bisher nur für die als ausgestorben geltenden Pocken beim Menschen zugelassen. In Großbritannien beispielsweise werde der Impfstoff auch „off-label“, also ohne entsprechende Zulassung, eingesetzt, so Sørensen weiter.