Politische Entscheidung?
Der russische Experte Wassili Astrow vom Wiener Institut für internationalen Wirtschaftsvergleich (WIIW) hält die Argumentation von Gazprom für “unglaublich”: “Ich denke, das ist ein politisches Spiel, um Druck auf Europa auszuüben”, sagt Astrow gegenüber dem KURIER.
Osteuropa-Experte Alexander Dubowy stimmt zu: „Russland nutzt Energie seit vielen Jahren als Waffe. Wir können also getrost davon ausgehen, dass es sich um einen politisch motivierten Schritt handelt.“
Laut Dubowy will die russische Regierung die reduzierten Lieferungen nutzen, um die Gaspreise zu erhöhen, um kurzfristig höhere Einnahmen auf anderen Märkten zu erzielen, insbesondere in Asien. Mittelfristig wolle der Kreml “mit hohen Preisen Unruhe in Europa stiften”, sagt Dubowy. Denn ein weniger geeintes Europa würde auch seltener neue Sanktionspakete erlassen.
Langfristig könnten reduzierte Liefermengen aber auch dramatische Folgen für Russland haben, glaubt Astrow: „Sie sägen den Ast, auf dem sie sitzen.“ Der Engpass würde dazu führen, dass Europa noch schneller nach Alternativen suchen würde. bevor Sie sich umschauen Dies würde die stark von Energieexporten abhängige russische Wirtschaft ernsthaft treffen. Er sei sich aber laut Astrow nicht mehr sicher, “ob diese Entscheidungen in Russland noch rational getroffen werden”.