Nach Angaben des russischen Gasversorgers würden täglich nur 20 Prozent durch die wichtigste Versorgungsleitung nach Deutschland fließen. Der Grund ist eine andere Wartung.
Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Nord Stream 1-Pipeline in der Ostsee kündigte der russische Gazprom an, das Liefervolumen zu halbieren. Das russische Staatsunternehmen gab am Montag bekannt, dass die Gaslieferungen von mehr als 160 Millionen Kubikmetern bei voller Kapazität auf 33 Millionen Kubikmeter pro Tag reduziert werden. Dies gilt ab Mittwoch. Dies entspräche einer Auslastung der Gaspipeline von 20 Prozent. Derzeit liegt sie bei etwa 40 Prozent.
Das Bundeswirtschaftsministerium sagte, man beobachte die Situation mit der Bundesnetzagentur und dem Krisenstab sehr genau. „Nach unseren Informationen gibt es keinen technischen Grund für eine Reduzierung der Lieferungen“, sagte eine Sprecherin.
Nur vier Tage Wartungsarbeiten
Erst am Donnerstag vergangener Woche schickte Gazprom nach einer zehntägigen Wartungspause wieder Gas durch die Pipeline. Der Konzern begründete die erneute Kürzung damit, dass eine weitere Anlage gewartet werden müsse.
Der Leiter der Bundesnetzagentur, die die Gasmärkte reguliert, Klaus Müller, hatte zunächst mitgeteilt, dass die Rekorde der Pipeline-Fördermengen bereits am Dienstag halbiert worden seien. Allerdings korrigierte er sich kurz darauf und erklärte, dass sich die Nominierungen auf Mittwoch bezögen.
Strafen auf die notwendige Turbine?
Gazprom hatte zuvor den Streit um eine Gasturbine von Siemens Energy verfolgt, die zur Wartung in Kanada war und nun aus Deutschland nach Russland zurückgebracht wird. Das Unternehmen hat Unterlagen von Siemens Energy erhalten, dennoch bestehen Zweifel an den von der EU und Großbritannien verhängten Sanktionen.
Das Wirtschaftsministerium widersprach dieser Darstellung. Jedenfalls wird bewertet, dass Russland die bereits bediente Turbine nur als Vorwand benutzt, um den Gasfluss zu reduzieren und damit Deutschland und die Europäische Union (EU) in Bezug auf den Krieg in der Ukraine unter Druck setzt. „Sanktionsgenehmigungsanforderungen für die Lieferung der betreffenden Turbine laufen“, sagte eine Sprecherin. “Kanada hat den nach kanadischem Recht erforderlichen Verzicht gewährt. Nach EU-Sanktionsrecht ist kein Verzicht erforderlich.”
(was)