Russlands Kohleembargo gilt nicht mehr

Häufig gestellte Fragen

Stand: 11.08.2022 06:18 Uhr

Ab heute kann keine russische Kohle mehr in die Europäische Union geliefert werden. Was sind die Konsequenzen? Wie haben die deutschen Importeure darauf reagiert? Und wie hart ist die Strafmaßnahme gegen Russland?

Ab heute dürfen EU-Staaten keine Kohle mehr aus Russland importieren. Das Kohleembargo gegen Russland, das die Mitgliedstaaten der Europäischen Union im April im Rahmen des fünften Sanktionspakets beschlossen haben, ist nach einer Übergangsfrist nun voll wirksam. Antworten auf einige Fragen.

Warum wurde diese Übergangsfrist eingeführt?

Im April einigten sich die EU-Länder auf eine 120-tägige Übergangsfrist für Industrie und Importeure, um sich an das Importverbot anzupassen. Während dieser Zeit wurden Importeuren von Kohle in Europa Ausnahmen gewährt: Sie durften Lieferungen von Verträgen importieren, die vor dem 9. April geschlossen wurden.

Allerdings durfte er keine neuen Verträge unterschreiben. Dieses Übergangsabkommen lief heute um Mitternacht aus und das Embargo tritt in Kraft.

Was ist der Zweck des Kohleembargos?

Ziel des Importstopps ist es, die russische Wirtschaft weiter zu schwächen. Laut EU-Kommission könnte das Importverbot für Russland jedes Jahr rund acht Milliarden Euro weniger Einnahmen bedeuten. Kohle war der erste fossile Energieträger, den die EU auf die Sanktionsliste setzte. Das entsprechende Paket wurde im April genehmigt.

Inzwischen hat auch die EU-Kommission Sanktionen gegen russisches Öl beschlossen. Allerdings gilt dieses Importverbot erst ab Ende dieses Jahres. Und einige besonders abhängige Länder wie Ungarn sind vom Ölembargo ausgenommen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat die EU mehrere Sanktionspakete aufgelegt, um Russland wirtschaftlich und finanziell zu schwächen.

Wie stark ist diese Strafe?

Angesichts westlicher Sanktionen exportiert Russland nun einen großen Teil seiner Kohle nach Indien. Das Land hat sich zum drittgrößten Kohlelieferanten Indiens entwickelt, wobei die Importe zwischen Juni und Juli um mehr als 70 Prozent gestiegen sind. Da für den Transport der Kohle keine zusätzliche Infrastruktur benötigt wird, können Lieferungen einfach umgeleitet werden.

Einige Experten sehen im russischen Kohleembargo eher einen symbolischen Akt: „Kohle ist als Exportgut für Russland im Grunde völlig irrelevant, und auch die EU als Abnehmer spielt für Russland eine untergeordnete Rolle“, sagte Janis Kluge, Russland Experte. bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, im April im Gespräch mit tagesschau.de. Im vergangenen Jahr exportierte Russland Kohle im Wert von rund vier Milliarden Euro in die Europäische Union.

Was bedeutet das Embargo für die deutsche Wirtschaft?

Russische Kohle wurde in Deutschland als Brennstoff für Kraftwerke und Industrie verwendet. Dieser Steinkohlebedarf der Kraftwerke kann durch Braunkohle ersetzt werden. Die für die Industrie benötigte Steinkohle wird aus anderen Teilen der Welt importiert.

Die restlichen Kraftwerke seien bereits auf andere Kohle umgestellt, so Alexander Bethe vom Verband der Kohleimporteure (VdKi): „Der Umstieg auf alternative Kohle war bisher relativ einfach.“ Einige Kraftwerke befinden sich hinsichtlich der neuen Zusammensetzung des Kohle-Brennstoff-Gemisches noch im Testbetrieb. Sie werden im September geändert.

Gibt es jetzt Lieferengpässe?

Trotz des Importstopps erwarten die deutschen Kohleimporteure keine Lieferengpässe, obwohl laut VdKi im vergangenen Jahr fast 50 Prozent der Kohle- und Koksimporte aus Russland kamen. „Kohle ist auf dem Weltmarkt verfügbar“, sagt Bethe.

Neben Russland sind Indonesien und Australien wichtige Kohleexporteure. Aber auch die USA, Südafrika und Kolumbien könnten den Bedarf der Europäischen Union decken.

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