Salzburg feiert mit Cecilia Bartoli Villazóns „Barbier von Sevilla“.

Das Publikum freute sich über diese Aufführung: Rossinis „Ib barbiere di Siviglia“ mit Edgardo Rocha (vorne links), Cecilia Bartoli, Nicola Alaimo, Ildebrando d’Arcangelo, Rebeca Olvera, Alessandro Corbelli und Arturo Brachetti. −Foto: Monika Rittershaus / Salzburger Festspiele

Rolando Villazón inszeniert Rossinis Oper „Il barbiere di Siviglia“ als rotierende Unterhaltungsshow zum Thema „Sevilla“ bei den diesjährigen Pfingstfestspielen in Salzburg. Das Sprudeln effektiver Ideen und unerwarteter Überraschungen trägt die geniale und skurrile Handschrift von Villazóns Persönlichkeit. Die Farben der Comedy dell’arte kommen ebenso ins Spiel wie versteckte literarische Assoziationen oder hintergründige Anspielungen auf die aktuelle oder historische Qualität der Zeit.

Villazón verlegt die Geschichte ins Filmstudio

Die Komödie des Grafen Almaviva, der sich seiner Geliebten Rosina nur mit Hilfe seines Freundes, des Barbiers Figaro, in unterschiedlichen Kostümen nähern kann, als Rosina von ihrem Vormund Bartolo – hier in einem Käfig – eingesperrt wird, geht über die Bühne. aus einem alten Filmstudio.

Das Clown-Faktotum (allgegenwärtiger Arturo Brachetti), der für die Reinigung alter Filmrollen zuständig ist, ist fasziniert von den alten Filmen der anbetenden Diva. Nach und nach tauchen aus den Geschichten auf der projizierten Leinwand echte Menschen auf und zeigen den Unterschied zwischen filmischer Illusion und Bühnenrealität. Immer wieder vermischen sich diese Ebenen, Kino und Bühne greifen ineinander.

Trotz aller mobilen Betriebsamkeit ist die Szene immer am Puls der Musik und auch nah dran an der Geschichte, trotz zahlreicher unterschiedlicher Erfolgseffekte und Slapping-Passagen, die jedoch viele verborgene Bedeutungen offenbaren. So ist Basil, als Frankenstein konzipiert – die Romanfigur entstand 1816 im gleichen Jahr wie Rossinis Oper – auch als Leinwandmonster präsent.

Die fesselnde musikalische Seite in exzellenter Qualität. Der Barbier von Nicola Alaimo steht mit einem hinreißenden Bariton im Mittelpunkt und vergnügt sich als fröhlicher Rollerfahrer. Festivalleiterin Cecilia Bartoli überzeugt als liebevolle und energiegeladene Rosina und glänzt mit Kastagnetten, kapriziös-genialer Attitüde und wogenden Koloraturen. Edgardo Rochas The Count zeigt eine brillante Tenorpräsenz, eine flexible Spielstimmung und dominiert bravourös den Koloraturmarathon seiner Schlussarie. Alessandro Corbelli ist der gute Komiker in der Rolle des besitzergreifenden und kürzlich betrogenen Bartolo. Ildebrando D’Arcangelos gruseliger Basil präsentiert sich in einem schwarzen Schwarz und einer monströsen Freude bei der Berührung. Rebeca Olveras Berta macht mit ihrem klaren Sopran und ihrer intelligenten Beweglichkeit auf sich aufmerksam. Harald B. Thor ist für die Umkleidekabinen und Brigitte Reiffenstuel für die Kostüme zuständig.

Nach der Freude wird das Finale wiederholt

Filigran Rossini bietet „Les Musiciens du Prince – Monaco“ unter der Leitung von Gianluca Capuano an. Die dynamische Palette historischer Instrumente verleiht den Stimmen auf der Bühne den Vorrang des Details und verhilft ihnen zu einer schillernden Tragfähigkeit.

Dafür übertrumpft auch die Orchesterseite die rebellische Bühne mit kraftvollen Metals und Drums. Da die meisten Rezitative nicht aus Rossinis Hand stammen, nimmt man sich viel Freiheit, sich dem Bühnentrubel anzupassen. Die beiden Continuos für Klavier und Cello, Andrea del Bianco und Francesco Galligiani, sind exzellent, mit genialen Improvisationen und ineinander verschlungenen Zitaten aus Filmmusik verschiedener Herkunft.

Am Ende wünscht sich Almaviva bereits neue Verehrer, während sich die bunt zusammengewürfelte Menge der Bühne zum gemeinsamen Singen zusammenfindet und dem begeistert jubelnden Publikum das Ende wiederholt. Elisabet AumillerDie Inszenierung wechselt in gleicher Besetzung zu den Sommerfestspielen.

Glückliche Ehe: Nicola Alaimo (von links), Edgardo Rocha, Cecilia Bartoli.

Streng bewacht: Rosina (Cecilia Bartoli) mit dem Barbier (Nicola Alaimo).

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