Christian Kolbe und Nicola Imfeld
Eine Pause muss sein, auch wenn die eigene Bank ernsthafte Probleme hat: „Jetzt machen wir statt 15 eine 20-minütige Kaffeepause, das haben wir uns verdient“, sagt Rafael López Lorenzo (47), zuständig für Compliance der Kopf. Credit Suisse nach seiner Rede am Investor Day zuschauen. Gewonnen? Nicht alle Investoren, die am Dienstag über Strategie und Fortschritte der zweiten Schweizer Bank informiert wurden, dürften unterschreiben.
Denn der Kurs der CS-Aktie bewegt sich immer noch nahe am Allzeittief. Gestern fiel das Papier um 0,2 Prozent auf 5,73 Handelsfranken. Das Wort Krise gehört bei der Credit Suisse zu den Dauerbrennern, zumindest seit der Schattenthematik und den Milliardenverlusten durch das Greensill- und Archegos-Debakel. Zudem liegt nun eine Verurteilung wegen Mängeln bei der Geldwäschereibekämpfung durch das Bundesstrafgericht vor.
Ich habe mehr erwartet
Aktuell sind die Gewinne für die Credit Suisse weit weg, das Marktumfeld zu unangenehm, die Altlasten zu schwer. Nach dem Verlust des ersten Quartals und dem angekündigten Verlust des zweiten Quartals drohen der Bank für das Gesamtjahr rote Zahlen. Einzelne Analysten haben die Hoffnung aufgegeben, dass die CS die Halbjahresverluste in der zweiten Jahreshälfte ausgleichen kann.
Viele Anleger hätten am Investor Day mit einer Veröffentlichung gerechnet. Doch abgesehen von neuen Sparplänen gab es keine Neuigkeiten. Die Bank bestätigte ihren Plan, für dieses und nächstes Jahr 200 Millionen Franken einzusparen. Mittelfristig könnten es jährlich 400 Millionen Franken mehr sein. „Das herausfordernde Umfeld an den Finanzmärkten wird unsere Restrukturierung nicht verzögern“, sagt CS-CEO Thomas Gottstein (58).
Derzeit keine Größenreduzierung
Die Einsparungen müssen vor allem durch Zentralisierung im Bereich der Technik erfolgen. Dies bedeutet, dass Computersysteme rationalisiert werden müssen. Die Bank will künftig leichter und agiler arbeiten.
Speichern? Dies geschieht häufig durch Stellenabbau. Allerdings derzeit nicht in der CS. Die Medienstelle der Grossbank dementiert diese Pläne auf Nachfrage von Blick jetzt. „Der Fokus liegt auf Einsparungen durch Technologieeinsatz und Prozessoptimierung“, sagt ein Sprecher.
Auch die Erwartungen der Bank basieren auf steigenden Zinsen. Es wird erwartet, dass die Zinserträge in zwei Jahren um CHF 800 Millionen steigen werden. Ob das reicht, wird sich zeigen. Offensichtlich war der Chef der Bank, Gottstein, am Tag der Anleger ruhig und zuversichtlich. Über Fußball konnte man sogar lachen und scherzen.
Schließlich lebt der bekennende Fan des FCZ Gottstein auf diesem Gebiet eine Erfolgsgeschichte. Auch das Vertrauen in seine Bank hat der CS-Chef nicht verloren: «Wir sind auf dem richtigen Weg», betonte er am Investor Day mehrfach.
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