Natürlich sind symbolische Besuche mehr als Funktionstests, vermuten Journalisten: Selbstdarstellung, Repräsentation innerparteilicher Geschlossenheit und Machtkämpfe zwischen den Parteien. „Die Atomdebatte bietet CDU und CSU die Möglichkeit, die Grünen in Bedrängnis zu bringen“, schreibt die tagesschau.
Selbstdarstellung und Machtkämpfe
Söder und Merz versuchen, sich als geschlossene Stimme der Vernunft darzustellen. Die unausgesprochene Frage K (für welchen Kanzlerkandidaten gehen Sie in den nächsten Bundestagswahlkampf: Merz oder Söder?) scheint an diesem Tag laut tagesschau in Vergessenheit geraten zu sein.
Andererseits ist es wahrscheinlich, dass Scholz seine Vor-Ort-Begehung im Siemens-Werk genutzt hat, um Parteimitglieder (noch) und Altkanzler Gerhard Schröder öffentlich auszuschließen, ohne ihn explizit zu nennen. Am Mittwoch erschien ein vernichtendes Interview, in dem Schröder behauptete, Siemens und nicht der Kreml sei an der Gasdrossel von Nord Stream 1 und der laufenden Wartung der Turbine schuld. Scholz brachte Schröder und Russland dazu, sich aufzustellen: „Die Turbine kann geliefert werden. Es muss nur jemand sagen ‚Ich will‘, dann ist sie ganz schnell da.“