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Autor: Eine Analyse von Isabelle Jacobi
Etwa 400 Millionen Waffen sind im Besitz von Zivilisten in den Vereinigten Staaten. Während der Covid-Pandemie und der Back-Lives-Matter-Proteste kauften die Amerikaner wie verrückt Waffen. Viele konservative Staaten haben ihre Waffengesetze weiter gelockert. Texas benötigt zum Beispiel seit letztem Sommer keine Genehmigung mehr, um offen Waffen zu tragen.
Die Floskel “Gedanken und Gebet”
Und dann passiert es wieder. Ein junger Mann erwirbt eine Waffe und wird zum Massenmörder. Und es funktioniert das gleiche Programm wie beim letzten und vorletzten Schulmassaker. Politiker stehen vor der Kamera und bringen ihr Entsetzen zum Ausdruck. Die Republikaner senden ihre Gedanken und Gebete an die Familien. „Gedanken und Gebet“ ist der Ausdruck.
Demokraten sagen, dass Reformen jetzt notwendig sind. Hintergrundüberprüfungen beim Waffenkauf. Verbot von Sturmgewehren. Die Republikaner sind diesbezüglich paranoid. Sie glauben, dass die Demokraten ihre Waffen abnehmen und jede Reform blockieren wollen.
Eine Art Massenabrüstung wäre erforderlich
Die Waffenlobby ist zufrieden. Das verfassungsmäßige Recht, Waffen zu tragen, gilt in den Vereinigten Staaten als unantastbar. Anders als die Republikaner sagen, fordern die Demokraten keine drastischen Reformen. Um Waffenverbrechen wirklich zu vermeiden, bräuchte es eine Art Massenabrüstung.
Bewaffnete Gewalt nimmt proportional zur Zahl der im Umlauf befindlichen Waffen zu. Dies ist gut dokumentiert. Aber in den USA setzt sich immer mehr eine ganz andere Logik durch. Die Menschen kaufen mehr Waffen, um sich vor bewaffneter Gewalt zu schützen.
In Uvalde, Parkland oder Newtown getötete Schulkinder sind Kollateralschäden dieser Entwicklung. Und es fehlt der politische Wille, das zu ändern.
Isabelle Jakobi
US-Korrespondent SRF
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Nach seinem Studium in den USA und Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 für Radio SRF. Anschliessend arbeitete er als freier Journalist in New York. 2008 kehrte sie als Produzentin zum Echo der Zeit zu SRF zurück und wurde 2012 Chefredakteurin. Jacobi ist seit Sommer 2017 US-Korrespondentin in Washington.