Stand: 20.06.2022 13:31
Entwicklungsministerin Schulze will, dass Länder, die derzeit hungern, unabhängiger von Importen aus der Ukraine und Russland werden. Gleichzeitig kündigte sie weitere Mittel für das Welternährungsprogramm an.
Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze drängt auf nachhaltige Lehren aus der akuten Hungersnot durch den Ukrainekrieg. Die getreideabhängigen Länder Russland und Ukraine müssten sich “wieder in die Lage versetzen, nachhaltig und klimafreundlich mehr selbst zu produzieren”, sagte Schulze der Welt.
Die aktuelle Hungerkrise „wird uns noch Jahre herausfordern“, sagte der SPD-Politiker. Bisher setzen viele Länder auf einzelne Lieferanten und legen neben Weizen, Mais und Reis kaum Wert auf Diversität. “Es rächt sich jetzt.”
Mehr Geld für das Welternährungsprogramm
Beim nächsten G-7-Gipfel im bayerischen Elmau will der Minister entsprechende Maßnahmen ergreifen. Auf diese Weise soll die lokale Landwirtschaft wieder gefördert werden. So müssten beispielsweise Wasserpumpen exportiert werden, damit mehr Felder rekultiviert werden könnten, sagte er NDR Info.
Im Rahmen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) gibt es ausreichend Erfahrungen, wie Hilfe vor Ort geleistet werden kann. Um die verschiedenen Hilfsansätze zu koordinieren, hat Schulze eine „Global Food Security Alliance“ ins Leben gerufen, an der sich auch die Afrikanische Union beteiligt.
Gleichzeitig kündigte er weitere Hilfen für das Welternährungsprogramm an. „Im vergangenen Jahr war Deutschland mit 1,2 Milliarden Euro der zweitgrößte Geber des WFP“, sagte Schulze. „Ich arbeite daran, dieses hohe Niveau auch in diesem Jahr zu erreichen und wenn möglich zu übertreffen.“
Die Erzeugerpreise stiegen um 33,6 Prozent
Auch in Deutschland sind die Nachwirkungen des Krieges zu spüren: Im vergangenen Monat haben die Hersteller ihre Preise erneut in Rekordhöhe angehoben. Gegenüber April stiegen sie laut Statistischem Bundesamt um 1,6 Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat um 33,6 Prozent. Dies war der höchste Anstieg in einem Jahr seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949. Die Erzeugerpreise haben seit Dezember 2021 jeden Monat Rekordsteigerungen erlebt.
Die Entwicklung ist vor allem auf die Energiepreise zurückzuführen, die im Jahresvergleich um rund 87 Prozent gestiegen sind. Erdgas war rund 148 Prozent teurer als vor einem Jahr. Für Erdgas zahlten Kraftwerke sogar 241 Prozent mehr, Industriekunden knapp 211 Prozent. Strom kostete 90 % mehr als ein Jahr zuvor, Mineralöl fast 56 % teurer. Auch die Preise vieler Vorleistungsgüter wie Metalle, Dünge- und Futtermittel sowie Industriegase und Holzverpackungsmaterialien sind stark gestiegen. Letztlich beeinflussen die Erzeugerpreise auch die Verbraucherpreise, die weiter steigen dürften.