Swiss-Flüge am ersten Tag der Wiederaufnahme des Reiseverkehrs in die USA waren sehr gut gebucht. Insgesamt beförderte die Fluggesellschaft fast 1.800 Passagiere. (Archivbild)
Bild: Keystone / Christian Beutler
Da die Schweiz wegen Corona viele Mitarbeiter entlassen hat, kann sie das aktuelle Passagieraufkommen nicht bewältigen. Flüge werden gestrichen, andere Mitarbeiter sind erschöpft.
Swiss streicht im Juli und August rund 100 Flüge. Etwa 30.000 Passagiere sind betroffen. Wie der Blick schreibt, ist der Grund für den Wegfall ein akuter Personalmangel.
Im vergangenen Jahr hat die Fluggesellschaft Hunderten Menschen gekündigt, weil die Corona-Pandemie das Geschäft praktisch lahmlegte. Im Interview mit Blue News erklärt Cabin Crew Chief Sandrine Nikolic-Fuss, was sie Managern rät.
Frau Nicolic-Fuss, hat die Swiss letztes Jahr zu früh gekündigt?
Ja auf jeden Fall. Von der Gewerkschaft Kapers haben wir bei der Vernehmlassung zu den letztjährigen Kündigungen genau vor diesem Szenario gewarnt. Bereits nach der Landung 2001 und später auch 2005, wenige Monate nach größeren Entlassungen, herrschte Personalmangel. Zu erkennen, dass dies wiederholt wird, ist keine Zauberei.
Wie wird die Schweiz nun vorgehen?
Wie die letzte große Entlassung. Im Rahmen der Vernehmlassung wurde zugesichert, dass betriebsbedingte Kündigungen Vorrang hätten, wenn Swiss neue Mitarbeiter suche. Er tat dies und erhielt eine Zusage von 60 Prozent der Gefeuerten. Dies entspricht einer Rückkehr von 144 Personen. Zuvor fanden rund 60 Personen Arbeit bei Edelweiss.
Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin von Capers, Cabin Crew Union.
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Wird das ausreichen, um die Engpässe zu lösen?
Definitiv nicht. Denn die natürliche Fluktuation in dieser Arbeit ist schon sehr hoch. Jetzt, wo das Geschäft der Fluggesellschaft wieder läuft, haben sich die Arbeitsbedingungen noch weiter verschärft. Die Flughäfen sind voll und die Attraktivität des Berufs nimmt stetig ab.
Da?
Flugbegleiter sind im Niedriglohnsegment angesiedelt. Was es in der Vergangenheit entschädigte, war die Möglichkeit, mehrere Tage an wunderschönen Reisezielen zu verbringen. Heute gibt es das nicht mehr, auch wegen der Krone. Zudem sind die Gäste oft gestresst und damit erschöpft.
Schweizer Angestellte begannen, während der Arbeit eine Zitronennadel zu tragen, um zu zeigen, wie stark sie gequetscht wurden.
Exakt. Die Bedingungen haben sich seit den Massenentlassungen im vergangenen Jahr verschlechtert. Die ganzen Abläufe bis zum Einsteigen der Passagiere ins Flugzeug und natürlich machte das Tragen einer Maske den Job anstrengender. Dazu kamen defekte Ordnungssysteme und natürlich die Impfpflicht.
Was erwarten Sie von der Schweizer Führung?
(lacht) Warten ist wahrscheinlich das falsche Wort. Ich erwarte nichts, weil ich den Zustand der Luftfahrtindustrie kenne. Die Liberalisierung mit ihrem Lohndumping fällt allen schwer.
Was empfehlen Sie dem Management?
Die Belegschaft ist an der Grenze des Erträglichen angelangt. Das Management muss faire Löhne zahlen und angemessene Arbeitsbedingungen schaffen. Man könnte wieder von einer Premium-Airline sprechen und als Schweizer stolz darauf sein, eine solche Airline zu haben.