Gepostet am 12. Juli 2022, 11:19 Uhr
Schweizer Vegan-Startup: „Olma vegane Wurst rückt näher“
Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch. Der Schweizer Lebensmittelproduzent Planted produziert vegane Kebabs, veganes Pulled Pork und veganes Schnitzel. Erfolgreich: Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile fast 200 Mitarbeiter in sechs Ländern.
1 / 5Gesundheit ist nur der Anfang
Pascal Bieri ist sich sicher: «Die vegane Ernährung ist besser für die Umwelt.»
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Im Kemptthal, zwischen Zürich und Winterthur, gibt es ein Zuhause für Innovation und Entwicklung.
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Planted produziert Döner, Hähnchenstreifen, Pulled Pork und Schnitzel aus alternativen Proteinen wie Erbsen, Hafer oder Sonnenblumen, ohne Zusatzstoffe oder Aromen.
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In einem Backsteinhaus in der Nähe des Kemptthaler Bahnhofs wird die Revolution geplant, die vor allem guten Geschmack haben soll. Pascal Bieri, 36, ist einer ihrer Initiatoren. „Ich habe es immer verstanden: Wir haben nur diesen Planeten“, sagt der Absolvent der St. John’s University. Gallen im Erdgeschoss des Hauses.
Und dieser Planet ist in Gefahr. Waldbrände. Überschwemmungen. Ein Massensterben von Bäumen und Korallen. Wissenschaftler auf der ganzen Welt zeichnen ein düsteres Bild, wenn die globalen CO2-Emissionen pro Kopf bis 2050 nicht unter 2,1 Tonnen pro Jahr sinken. Das Wichtigste für Pascal Bieri: Weltweit ist die Nutztierhaltung für etwa 14,5 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich, in Schweiz sind es 13 Prozent. Laut Bundesregierung sollen die Treibhausgase in der Landwirtschaft bis 2050 gegenüber 1990 um ein Drittel reduziert werden.
Vegan ist besser für die Umwelt
Die Wissenschaft rät daher dringend dazu, weniger Fleisch zu produzieren und zu essen. Ein Freund, der sich vegan ernährt, machte auch Pascal Bieri darauf aufmerksam: «Die vegane Ernährung ist besser für die Umwelt.» Während eines beruflichen Aufenthaltes in den USA legte Bieri immer wieder ein paar vegane Tage auf. Er bemerkte, wie tief Fleisch in unserer Gesellschaft verankert ist und wie schwer es ist, diesen Geschmack aufzugeben. Bieri tat, was die Revolutionäre tun und stellte eine Frage: Was wäre, wenn ein rein pflanzliches Produkt mindestens genauso gut schmecken könnte? Er zückte sein Smartphone und schrieb die Frage in den Whatsapp-Chat mit seinem Cousin Lukas Böni, der gerade an der ETH promoviert hatte.
2019 gründeten sie zusammen mit zwei weiteren Partnern das Spin-off ETH Planted. Sein Unternehmen wurde zum besten Start-up der Schweiz gewählt und beschäftigt über 170 Mitarbeitende in sechs Ländern. Planted produziert Döner, Hähnchenstreifen, Pulled Pork und Schnitzel aus alternativen Proteinen wie Erbsen, Hafer oder Sonnenblumen, ohne Zusatzstoffe oder Aromen. „Olma Bratwurst kommt“, sagt Bieri. “Aber nur, wenn es schmeckt.”
“In jeder Hinsicht besser als Fleisch”
Eine Mitarbeiterin von Planted ist Judith Wemmer. „Unsere Produkte bieten keine Alternative zu Fleisch“, sagt der Chefentwickler und Vorstand im Interview. “Sie sind in jeder Hinsicht besser als Tierfleisch.” Das bedeutet: besser in Geschmack und Textur. Besser für die Gesundheit. Besser für die Umwelt. „Wir dachten nie, dass wir klein sind“, ergänzt Pascal Bieri vom Planted-Hauptsitz in Kemptthal. „Unser Anspruch an uns selbst ist es, unsere Produkte in den vier Dimensionen Nachhaltigkeit, Geschmack, Preis und Gesundheit kontinuierlich zu verbessern.“ Ein globales Problem wie die Klimakrise erfordert globale Lösungen.
Dieser Anspruch wird genehmigt. Planted steht nicht nur in den Regalen von Migros und Coop, sondern auch beim Schweizer Triathleten Ironman Jan van Berkel, Skiprofi Urs Kryenbühl oder den Köchen des berühmten Zürcher Traditionsrestaurants Kronenhalle.
Mangelndes politisches Bewusstsein
Bieri freut sich über den Erfolg, macht ihn aber auch skeptisch: «Unser Erfolg zeigt, dass das Proteinproblem in der Öffentlichkeit angekommen ist», sagt Pascal Bieri. “Aber ich finde die langsame Reaktion der Politiker alarmierend.” Der Backstein-Revolutionär schlägt eine Analogie zur Mobilität: Elektrofahrzeuge werden von der Politik gefördert, bald auch in der Europäischen Union zur Pflicht. Aber wenn es um die Ernährung geht, sind diese Schritte noch ein weiter Weg. Wissenschaftler Regierungen beraten eine klimafreundliche Ernährung dringend zu fördern. Unterdessen erhält Proviande, die Werbeplattform der Schweizer Fleischwirtschaft, jährliche Subventionen von ca sechsmillionen Franken.