Aktualisiert am 24.06.2022 um 10:37 Uhr
- Boris Johnson betritt keine ruhigeren Gewässer.
- Nach dem „Partygate“-Skandal und der Zensurabstimmung erleiden nun die Nachwahlen zweier englischer Wahlkreise schwere Niederlagen.
- Die Wahlniederlage dürfte Johnsons ohnehin schlechte Position an der Spitze der Konservativen weiter schwächen.
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Der britische Premierminister Boris Johnson hat bei Nachwahlen in zwei englischen Wahlkreisen schwere Niederlagen erlitten. Wie sich bei der Auszählung der Stimmen am Freitagabend herausstellte, verloren Johnsons Konservative die Wahlkreise Tiverton und Honiton im Südwesten Englands an die Liberaldemokraten und den Wahlkreis Wakefield im Norden durch die Labour Party. Beide waren zuvor von konservativen Abgeordneten vertreten worden, die ihre Mandate wegen sexuellen Fehlverhaltens abgeben mussten.
Die Niederlage bei Tiverton und Honiton ist besonders schmerzhaft: Die Konservativen hatten den Sitz des Wahlkreises für mehr als hundert Jahre besetzt.
Der konservative Parteisekretär Oliver Dowden tritt nach der Niederlage zurück
Der konservative Parteisekretär Oliver Dowden trat nach der Niederlage zurück. „Jemand muss Verantwortung übernehmen und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich unter diesen Umständen mein Amt nicht fortsetzen kann“, schrieb Dowden in seinem Rücktrittsschreiben.
Die Wahlniederlage dürfte Johnsons ohnehin schlechte Position an der Spitze der Konservativen weiter schwächen. Die Wahl wurde als Humortest für Johnson angesehen. Der von Skandalen geplagte Premierminister, der derzeit in Ruandas Hauptstadt Kigali zum Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Commonwealth-Staaten weilt, hatte seinen Rücktritt bereits ausgeschlossen und sogar als “verrückt” bezeichnet.
Johnson macht die steigenden Lebenshaltungskosten für die Niederlagen verantwortlich
Er machte die steigenden Lebenshaltungskosten zum Hauptschuldigen an der Niederlage. „Ich denke, als Regierung muss ich auf das hören, was die Leute sagen, besonders wenn es um die Schwierigkeiten der Menschen mit den Lebenshaltungskosten geht. Das ist das größte Problem“, sagte Johnson am Freitag vor Journalisten.
Zuletzt hatte sich Johnsons im Zusammenhang mit dem Skandal um die illegalen Blockadepartys im Regierungssitz Downing Street einem Misstrauensvotum gegen seine eigene Fraktion stellen müssen. Mehr als 40 Prozent seiner eigenen Abgeordneten sprachen sich gegen ihn aus. Obwohl er die Abstimmung überstand, gilt er seither als politischer Graf. (dpa/afp/mgb)