Schwere Vorwürfe gegen Ulrich Seidl

Laut “Spiegel” wurden weder die am Film beteiligten Kinder noch deren Eltern richtig über das Thema des Films aufgeklärt. Einer der “Spiegel”-Journalisten, Bartholomäus Laffert, sagte, er habe mit neun Crewmitgliedern und sieben minderjährigen Schauspielern und ihren Eltern in Rumänien gesprochen. Dem Bericht zufolge konnten einige der Kinder nicht zwischen Wahrheit und Fiktion unterscheiden.

In einer Szene soll ein Alkoholiker ein Kind angeschrien haben, das versuchte, das Kind zum Alkoholkonsum zu zwingen. Seidl soll nach nur zehn Minuten Drehzeit aufgehört haben. Laut “Spiegel” hat der Junge einen alkoholkranken Vater, von dem sich die Mutter erst kürzlich getrennt hatte. Laut dem Magazin sagte der heute 13-Jährige, er erinnere sich an seinen Vater.

Beschwerden gegen Ulrich Seidl

Der österreichische Regisseur Ulrich Seidl drehte seinen neuen Spielfilm „Sparta“ in Rumänien. Der Film handelt von einem Mann mit pädophilen Neigungen. Nun gibt es Vorwürfe gegen den Regisseur: Die Familien der an den Dreharbeiten beteiligten Kinder seien nicht umfassend über das Thema des Films informiert worden.

Ein Crewmitglied warf dem Regisseur vor, den familiären Hintergrund des Jungen genau zu kennen, der während der Dreharbeiten mit dem betrunkenen Hauptdarsteller zusammenstieß. Der Junge wurde bewusst so gewählt, dass er echte Emotionen filmen kann.

Laut Mittags-ZIB sollen sich die Kinder am Set mit ihrem Trauma auseinandergesetzt haben. Den Eltern wurde nur gesagt, dass es in dem Film um Judo und Fußball gehe. Laut Laffert enthielt keiner der Verträge dieser Minderjährigen etwas über Pädophilie.

Seidl weist die Vorwürfe zurück

Laut ZIB wies Seidl alle Vorwürfe zurück und kündigte rechtliche Schritte an. Er betonte, dass bei den Laiendarstellern während der Dreharbeiten kein dem Filmteam bekanntes Trauma „ausgelöst“ worden sei. In Österreich gibt es klare Regeln für das Filmen mit Minderjährigen, diese sind im Kinder- und Jugendarbeitsgesetz verankert.

Die Dreharbeiten dauerten vom Winter 2018/2019 bis zum Sommer 2019. Dass die Kinder so lange bei ihnen blieben, brachte Seidls Anwalt dem „Spiegel“ als Beweismittel gegen die Anzeigen vor Die im “Spiegel”-Artikel erhobenen Vorwürfe beziehen sich den Ermittlungen zufolge vor allem auf die letzte Phase der Dreharbeiten.

Drei zentrale Bedingungen müssen erfüllt sein: Psychologische Betreuung durch pädagogisch geschultes Personal am Set. Minderjährige dürfen maximal vier Stunden am Stück arbeiten, außerdem ist ein ärztliches Attest erforderlich, das die geistige und körperliche Eignung der Kinder bescheinigt.

Nach Angaben des Direktors gab es Aufenthaltsräume

Das nötige Personal war laut Seidl vorhanden, außerdem hätte es Ruheräume und Spiele für die Pausen geben sollen: Zwölf Stunden sollen die Minderjährigen am Set gewesen sein. Laut Seidl war die Stimmung gut, wie in einem Ferienlager. Für die Einhaltung der Vorschriften ist der Produzent verantwortlich: In diesem Fall ist es Seidl, der den Film mit seiner eigenen Firma produziert hat.

Der Film sollte in wenigen Tagen beim Toronto Film Festival seine Weltpremiere haben. Ob es so weitergeht, ist noch nicht klar. Beim Sant Sebastià Festival – ein paar Tage später – feiert der Streifen seine Europapremiere. Der Kinostart ist für das Frühjahr 2023 geplant.

Wie andere Seidl-Filme wurde „Sparta“ mit öffentlichen Mitteln kofinanziert. Seidl, der zunächst Dokumentarfilme drehte und seinen ersten Spielfilm „Hundstage“ drehte, ist dafür bekannt, Tabuthemen aufzugreifen und Menschen und Schicksale schonungslos direkt zu zeichnen. Dieser Stil brachte ihm mehrere Auszeichnungen ein, insbesondere den Grand Jury Prize bei den Filmfestspielen von Venedig 2001 für Dog Days.

Schneeberger (ORF) zu den Vorwürfen gegen Seidl

Peter Schneeberger (ORF) ist ins Studio eingeladen und spricht über die Vorwürfe gegen Regisseur Ulrich Seidl. Seinen neuen Spielfilm “Sparta” hat Seidl in Rumänien gedreht, der sich mit pädophilen Neigungen auseinandersetzt. Nun gibt es Vorwürfe gegen den Regisseur wegen Missachtung von Kinderrechten.

Zweiter Teil von “Rimini”

„Sparta“ ist das „Bruderstück“ von Seidls neuestem Film „Rimini“, der auf der diesjährigen Berlinale Premiere feierte und bei der Diagonale zum besten Spielfilm gekürt wurde. Es war ursprünglich als ein Film geplant, aber Seidl beschloss, daraus zwei separate Filme zu machen. „Rimini“ porträtiert einen Bruder, Richie Bravo, der in der italienischen Küstenstadt für ältere Menschen auftritt. „Sparta“ handelt von seinem Bruder Ewald, gespielt von Georg Friedrich.

Ewald, Mitte vierzig, hat seine Freundin verlassen, um einen Neuanfang in der rumänischen Wildnis zu wagen. Dort arbeitet er mit einheimischen Jungen daran, ein heruntergekommenes Schulgebäude in eine Festung zu verwandeln. Dies weckt den Verdacht der Dorfbewohner, und Ewald entdeckt seine pädophilen Neigungen und muss sich einer lange verdrängten Wahrheit stellen.

Seidl zeichnet nicht nur für die Regie verantwortlich, sondern zusammen mit Veronika Franz auch für das Drehbuch. Weitere Rollen sind neben Friedrich Florentina Elena Pop, der verstorbene Hans-Michael Rehberg, Marius Ignat und Octavian-Nicolae Cocis.

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