Schwierigkeiten an allen Fronten: Die ukrainischen Getreideexporte werden die Rumänen überfordern

Schwierigkeiten auf allen Routen Ukraines Getreideexporte überfordern Rumänen

18.06.2022 05:39 Uhr

Rumänien ist eine alternative Route für den Transport von ukrainischem Getreide. Wie Präsident Iohannis es ausdrückt, bleibt dies jedoch eine „logistische Herausforderung epischen Ausmaßes“.

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hat den EU-Nachbarn Rumänien vor die schwierige Aufgabe gestellt, als alternative Route für ukrainische Getreideexporte zu dienen. Aufgrund unzureichender Verkehrsinfrastruktur bezeichnete der rumänische Präsident Klaus Iohannis das Problem kürzlich als „logistische Herausforderung epischen Ausmaßes“. Florin Goidea, General Manager des größten rumänischen Hafens am Schwarzen Meer in Constanta, sieht keine schnelle Lösung.

Lediglich die Transportwege von der Ukraine nach Constanta sind schwierig. „Mehr als 80 Prozent des ukrainischen Getreides kommen in kleinen Frachtschiffen über die Donau in unserem Hafen an“, sagt Goidea. Das Donaudelta bildet im Südosten die Grenze zwischen der Ukraine und Rumänien. Diese Flussfrachtschiffe müssten von den ukrainischen Donauhäfen Reni und Ismail donauaufwärts, zunächst durch den gewundenen Arm des chilenischen Deltas nach Cernavoda landeinwärts und von dort durch den Donau-Schwarzmeer-Kanal nach Constanta, erklärt er. der Hafenmeister. Das sind gut 320 Meilen von Ismail entfernt.

Noch schwieriger ist der Weg per Lkw: Ukrainische Lkw müssen wegen Papierkram teilweise wochenlang an den Grenzübergängen warten. Im Hafen von Konstanza hingegen sorgen ukrainische Getreidelaster, die täglich zwischen 20 und 25 Uhr ankommen, für Staus, wie Goidea berichtet. Der Schienenzugang ist so gut wie versperrt, weil die rumänische Staatsbahn CFR 700 ausgediente Waggons am Hafenbahnhof geparkt hat, von denen mehr als die Hälfte mittlerweile abtransportiert wurden. Für 200 Millionen Lei (40,8 Millionen Euro) sollen nun 35 Hafenlinien modernisiert werden, sagte Verkehrsminister Sorin Grindeanu.

Ausbaupläne aber in der Anfangsphase

Es gibt ein Regierungsprojekt zur Erweiterung und Modernisierung des Hafens, aber das befinde sich erst in der Phase der geplanten Machbarkeitsstudie, sagt Goidea. Dazu gehören die Erhöhung der Anzahl der Liegeplätze um 17 gegenüber derzeit 140 und die Vertiefung des Hafenbeckens für größere Schiffe. Der Hafendirektor schätzt die Kosten auf eine halbe Million bis eine Milliarde Euro und verhandelt mit der Weltbank über die Finanzierung. Auch die Hafenverwaltung will EU-Gelder beantragen.

Vom Beginn des ukrainischen Krieges bis Anfang Juni seien 15 Schiffe mit insgesamt 242.000 Tonnen ukrainischem Getreide aus Constanta ausgelaufen, sagte Goidea. Das wären nur 1,21 Prozent der 20 Millionen Tonnen Getreide aus der letztjährigen Ernte, die die Ukraine derzeit exportieren will. Im Laufe des Jahres 2021 wurden 25 Millionen Tonnen Getreide, das in Rumänien und den Nachbarländern produziert wurde, über Constanta exportiert. Und die nächste Ernte steht vor der Tür.

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