Selbstmord bewegt Österreich: wirft Dr. Kellermayr in Abschiedsbriefen vor

Selbstmord bewegt Österreich wirft Dr. Kellermayr in Abschiedsbriefen vor

31.7.2022, 16:39

Monatelang bedroht und dem Hass von Impfgegnern und Kronenverweigerern ohnmächtig ausgeliefert: Die österreichische Allgemeinärztin Lisa-Maria Kellermayr sah keinen anderen Ausweg mehr und beging Suizid. Sein Tod erschütterte die Alpenrepublik.

Nach dem Suizid der österreichischen Ärztin Lisa-Maria Kellermayr, die unter dem Druck von Impfgegnern stand, wurden Zeilen aus ihren Abschiedsbriefen veröffentlicht. Die „Kronen Zeitung“ berichtete über die angeblich letzten Zeilen des Arztes, die er demnach an die Oberösterreichische Landespolizeipräfektur, die Ärztekammer und deren Mitarbeiter adressierte.

Darin erhob Kellermayr schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden. „Ich halte es nicht mehr aus“, zitierte die Zeitung einen Brief. Es wurde viel geredet, aber niemand tat etwas. Und weiter: „Das wünsche ich der Präfektur der Landespolizei Oberösterreich!“ Der Brief an die Medizinische Hochschule liest sich dem Bericht zufolge auch als Anklageschrift gegen die Toten. Sie fühlt sich im Stich gelassen. Es gab keine Hilfe.

Kellermayrs Tod wurde am Freitag bekannt gegeben. Der Staatsanwalt sagte, Abschiedsbriefe seien gefunden worden und eine Autopsie sei nicht angeordnet worden. Wegen der Drohbriefe gegen Unbekannt ermittelt die Polizei noch. Kellermayr hatte seine Praxis wegen Morddrohungen von Gegnern der Maßnahmen der Krone geschlossen. Arbeitsbedingungen, „wie wir sie in den letzten Monaten erlebt haben“, seien niemandem zuzumuten, schrieb der Mediziner Ende Juni auf Twitter.

Nach Angaben aus ihrem Umfeld fühlte sie sich angesichts der Angriffe von Polizei und Behörden nicht ausreichend geschützt. Die Ärztin stand schon länger unter Polizeischutz, gab aber nach eigenen Angaben auch rund 100.000 Euro für Schutzmaßnahmen aus.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA hat die Staatsanwaltschaft Wels im Juni die Ermittlungen gegen einen deutschen Tatverdächtigen mit der Begründung eingestellt, nicht sie, sondern die deutschen Behörden seien verantwortlich. Laut APA hat ein Hacker-Aktivist zwei Deutsche ausfindig gemacht, die die Droh-E-Mails geschrieben haben sollen.

„Der Staat muss Menschen wie sie schützen“

Laut “Kronen Zeitung” soll der 36-jährige Mediziner vor zwei Wochen versucht haben, sich das Leben zu nehmen. Er wollte an einer Infusion sterben, wurde aber gerettet. Der beteiligte Arzt sah damals keine ernsthafte Gefahr und überstellte Kellermayr nicht in psychiatrische Behandlung.

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Johannes Steinhart, sagte, er sei „zutiefst erschüttert“ über den Suizid. Der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch, dessen Rücktritt der Arzt kurz vor seinem Tod gefordert hatte, zeigte sich bestürzt über die Nachricht. Die Morddrohungen gegen Kellermayr seien “brutale Realität” gewesen. Hass gegen Menschen sei “unentschuldbar” und müsse “endlich aufhören”, schrieb er auf Twitter.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach twitterte am Samstag über Kellermayr: „Der Staat muss Menschen wie sie schützen.“ Er sei entsetzt darüber, dass Menschen aus dem Milieu des “Querdenkens” die Verstorbene auch nach ihrem Tod in den sozialen Medien verspotteten. „Er hat anderen Menschen das Leben gerettet und dafür sein eigenes verloren“, sagt Lauterbach. “Ihre Arbeit wird von anderen ausgeführt.”

Aktivisten kündigten für Montag eine Gedenkveranstaltung in der Wiener Innenstadt an. Ab 20.30 Uhr muss in aller Stille mit einem Lichtermeer der Verstorbenen gedacht werden, wie der Initiator der #YesWeCare-Kampagne, David Landau, auf Twitter schrieb. Heute Abend ist in der Stadt Steyr in Oberösterreich eine Mahnwache geplant. Vor der Arztpraxis in Oberösterreich und dem Gesundheitsministerium in Wien wurden zahlreiche Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.

Notfallberatung und Hilfe für suizidgefährdete und depressive Menschen

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