Sex oder Doping? Die richtige Antwort zu finden, wird immer schwieriger

Die Betonung der eigenen Macht überzeugte die Richter nicht, den amerikanischen Sprinter Dennis Mitchell vom Testosteron-Doping freizusprechen. Bild: imago-images.de

Eine kürzlich durchgeführte australische Studie liefert neue Erklärungen für plausible Möglichkeiten, illegale Substanzen durch Samen auf Sportler zu übertragen.

Rainer Sommerhalder / ch media

Die immer genaueren Analysemöglichkeiten von Dopingproben sind Fluch und Segen zugleich. Ein Segen, denn die Luft für Betrüger im Sport wird immer dünner. Das Zeitfenster, in dem beim Dopingtest noch Rückstände illegaler Substanzen nachgewiesen werden können, hat sich in den letzten Jahren stetig vergrößert.

Ein Fluch, denn der Test weist auch auf unbeabsichtigtes Doping hin, indem er nicht bewusst aus einer kontaminierten Quelle genommen wird. Da in diesem Fall die Konzentration des Medikaments im Urin deutlich geringer ist, tauchten sie bis vor kurzem nicht in den Standardtests auf.

Dopingtests sind ein sehr kompliziertes Thema Bild: AP

Eine geringe Menge anaboler Steroide im Urin kann auch bedeuten, dass die Zeit des bewussten Dopings weiter zurückliegt. Die Bestimmung des Unterschieds bei unbeabsichtigter Einnahme, beispielsweise durch kontaminiertes Fleisch, durch Nahrungsergänzungsmittel oder sogar durch kontaminierte Medikamente, ist eine schwierige analytische Aufgabe. Im Fall des Schweizer Sprinters Alex Wilson und seiner Fleischtheorie hat es offensichtlich funktioniert.

Dies sind beliebte Forschungsthemen für Dopingexperten. Im Juni haben australische Wissenschaftler eine weitere Erklärung für den möglichen Übertragungsweg beim Sex gefunden. Die Ergebnisse helfen Sportlerinnen und schwulen oder bisexuellen Sportlern, die Verschwendung verbotener Substanzen im Urin zu erklären.

In der Geschichte positiver Dopingtests war Sex oft eine beliebte Erklärung für die Unschuld an sich. Teilweise mit großem Erfolg. In anderen Fällen sorgten die Beschreibungen der Angeklagten für mehr Verderben, Kopfschütteln oder Belustigung.

1998 wurde Dennis Mitchell wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt. Bild: Keystone

Der amerikanische Sprinter Dennis Mitchell zählte Testosteron in seinem Test im Jahr 1998 mit vier Schlägen Sex in der Nacht vor dem Wettkampf. Mit ihrem jetzt oft zitierten Statement: “Die Dame hatte Geburtstag, sie hat etwas Besonderes verdient.” – bediente vor allem das Klischee der Schnelligkeit der Männlichkeit mit außergewöhnlichen Mengen männlicher Sexualhormone im Körper. Was in diesem Fall zutraf und zu einer zweijährigen Sperre führte.

Auch der deutsche Radprofi Christian Henn fand bei den Richtern keine Gnade.

Christian Henn 1999 im Teamtrikot der Telekom. Bild: imago-images.de

In anderen Fällen führte die Sexualtheorie zum Erfolg, aber auch zu einem beschämenden Abgang. 2016 erklärte der kanadische Springer Shawn Barber den Fund von Kokain im Urin glaubhaft mit dem Kontakt zu einer Prostituierten, um vor Meisterschaften Stress abzubauen.

Freisprüche von Frauen nach Sexaussagen

In jüngerer Vergangenheit kamen Frauen dank der Sexualtheorie aber auch vor Sportgerichten zu ihrem Recht. Die amerikanische Boxerin Virginia Fuchs führte die Verschwendung von Muskelprodukten genauso plausibel auf Sex mit ihrem Partner zurück, der Anabolika schluckte wie die ukrainische Tennisspielerin Dajana Jastremska. Bei ihr wurde ihr von einem Potenzmittel Doping übertragen, was ihr männlicher Sexualpartner übrigens abstritt.

Die Studie von unten bringt nun neue Plausibilität in den Übertragungsweg durch den Austausch von Körperflüssigkeiten. In einer Versuchsreihe fand er heraus, dass auch Urinrückstände im Sperma beim männlichen Samenerguss die Konzentration von Medikamentenspuren beeinflussen.

Angesichts des zunehmenden Missbrauchs von Anabolika bei jungen Menschen kann ein auf den ersten Blick positiver Dopingtest eine ebenso erfreuliche wie komplizierte Vorgeschichte haben. Selbst genommen oder als Nebenprodukt von einem Freund übertragen: Die Antworten auf diese Fragen sind nicht einfacher.

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