Sexualverbrechen in Basel: «Wenn Menschen verschwinden, ist es dort gruselig»

Gepostet am 30. Juni 2022, 4:21 Uhr

Eine junge Frau ist am Sonntag in der Basler Kaserne sexuell genötigt worden. Der Tatort ist für viele unheimlich, sobald die Lichter ausgehen.

1/7

In diesem Bereich der Klybeckstrasse in Basel wurde am Sonntag eine 18-Jährige Opfer eines Sexualverbrechens.

20 Minuten / Steve Last

Solange es hell ist, sieht der Ort normal aus. Aber sobald nachts die Lichter ausgehen, wird es peinlich.

20 min / Lukas Hausendorf

Neben der Klybeckstraße gibt es viele dunkle Ecken.

20 min / Lukas Hausendorf

Am Sonntag folgten zwei Männer einer 18-jährigen Frau nach Basel, überfielen sie und begingen ein Sexualverbrechen. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit davon aus und sucht nach den beiden Tätern. Was genau am Sonntagabend im Eckbereich Klybeckstraße/Kasernenstraße passiert ist, wird untersucht.

Auch wo genau der Angriff stattfand, geben die Behörden nicht bekannt. Wahrscheinlich nicht, um die Ermittlungen zu gefährden. Klar ist jedoch, dass der Bereich, in dem die Tat begangen worden sein soll, von Gegensätzen geprägt ist. In der Nähe befindet sich das Barackenviertel, das auch abends lebhaft und voller Bars ist. Aber wenn sie schließen, gehen die Lichter aus und die Gäste gehen weg. Wo früher noch gefeiert wurde, will das beim nächsten fast niemand mehr ausgeben. «Es ist ein schlechter Ort», sagt Angelo Gallina, der dort den Basler Boxclub leitet.

„Alle sexuellen Übergriffe sind zu viel“

“Es ist ein schöner Ort, wann immer etwas passiert. Wenn Bars schließen und Leute verschwinden, ist es beängstigend”, sagt Larissa Bucher von Room for Everyone. Sie und Annick Senn stellen sich der Angst, die Frauen durch die Androhung sexueller Gewalt erleben. Licht gibt automatisch ein ganz anderes Sicherheitsgefühl, sagt Bucher. Die dunklen Ecken der Stadt seien zwar nicht die Hauptursache für sexualisierte Gewalt, könnten aber unter Umständen die.

„Das Problem sexueller Gewalt lässt sich nicht über Nacht lösen“, sagt Bucher. Er warnt auch: “Man kann kein Licht anlassen und sagen, das Problem sei behoben.” Allerdings ist jeder sexuelle Übergriff zu viel. Und wenn man mit etwas mehr Licht auch noch ein Verbrechen verhindern kann, sollte man sich das zumindest mal anschauen.

„Eine bessere Beleuchtung könnte das Sicherheitsgefühl erhöhen“

Seit einiger Zeit setzt die Kantonspolizei Basel-Stadt Licht ein, um Gewalt zu ersticken, bevor sie eskalieren kann. Das Justiz- und Sicherheitsministerium will Schnittstellen zwischen den Ressorts schaffen, um gegen unterschiedliche Formen von Gewalt vorzugehen. Aber das Licht in der Kaserne ist wohl nicht geplant. Denn die Polizei setzt ihre Beleuchtungsanlagen nur dort ein, wo bekannte Gewaltstellen festgestellt werden, wie Sprecher Stefan Schmitt auf Nachfrage binnen 20 Minuten sagte.

„Jedes Sexualdelikt ist tragisch“, betont Schmitt. Die Kantonspolizei versucht mit allen ihr angeschlossenen Organisationen präventive Massnahmen gegen alle Formen von Gewalt zu ergreifen. Zweifellos könnte eine bessere Beleuchtung der Toiletten das Sicherheitsgefühl erhöhen, aber auch als störend empfunden werden.

Das Bau- und Verkehrsministerium (BVD) teilt diese Ansicht, sagte Sprecherin Sarah Mesmer in 20 Minuten. Der Industriepark Basel (IWB) ist für die Beleuchtung zuständig, arbeitet aber eng mit der Polizei und dem BVD zusammen. Eine Optimierung der Lichtverhältnisse ist zu prüfen.

Sind Sie oder jemand, den Sie kennen, von sexueller, häuslicher, psychischer oder sonstiger Gewalt betroffen?

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *