“Sicherheitsbedingte Bedrohung” durch E-Autos: Berliner Polizei rudert erneut – derzeit kein Hausverbot für Teslas

Elektroautos kommen aus Teslas neuer Fabrik in Grünheide am Stadtrand von Berlin, aber die Berliner Polizei sollte sie nicht zulassen. Der Leiter der Sicherheitsabteilung des Landeskriminalamts (LKA) ordnete am Mittwoch ein Betretungsverbot für „alles Eigentum des Polizeipräsidiums und des Landeskriminalamts“ an.

Doch am Donnerstag nahm ihn die Polizei wieder fest. Derzeit gebe es kein Einreiseverbot, sagte ein Sprecher. Die Verwirrung war perfekt, das Unverständnis bei einigen Mitarbeitern. Klar ist: Die Behörde sucht nach Möglichkeiten, mit den Steuerungssystemen moderner Fahrzeuge umzugehen.

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Das Tesla-Hausverbot sei „in Erwartung einer endgültigen, individuell an das jeweilige Objekt angepassten Regelung aller Behörden“ entstanden. Bis zum Abschluss werde das Schreiben des LKA-Sicherheitschefs “zunächst keine Wirkung haben”, sondern “der Bewusstseinsbildung dienen”, sagte der Sprecher. Bis dahin seien Polizisten „verantwortlich“, ein Auto nicht per Smartphone oder Überwachungssystem zu fotografieren.

Der Sicherheitschef des LKA hatte das zuvor anders gesehen: Tesles seien „eine sicherheitsrelevante Bedrohung für Mitarbeiter, Dritte (Sicherheit und Datenschutz) und das Eigentum der Berliner Polizei (Sicherung des Eigentums)“, wie es am Mittwoch hieß ‘s internes Rundschreiben. .

Konkret geht es um Datenschutz in den Fahrzeugen der Firma des Technologie-Milliardärs Elon Musk. Anfang Januar erfuhr die Polizei, dass „alle Tesla-Fahrzeugmodelle dauerhafte, ereignisunabhängige Videoaufnahmen der gesamten Fahrzeugumgebung machen und diese Aufnahmen exportieren“.

Daher werden die Aufzeichnungen „dauerhaft auf im Ausland (Niederlande) befindlichen Tesla-Servern gespeichert“. Die Fahrer selbst erfahren nicht, wie die Daten verarbeitet werden.

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Sie könnten von anderen angefordert werden, Tesla allein entscheide, ob sie übermittelt werden, schrieb der Sicherheitschef der Polizei. Für die Durchsetzung des Datenschutzes ist aber weiterhin die Polizei zuständig.

Der Sicherheitschef ordnete an, dass das Tesla-Verbot “von allen Verantwortlichen ihres jeweiligen Polizeigrundstücks gleichermaßen als Maßnahme der gesamten Behörde angewandt werden soll”.

Direktor Goldack parkte seinen Tesla am Mittwoch bei der Polizei

Auf Nachfrage teilte die Pressestelle der Polizei am Mittwoch jedoch mit, dass die örtlichen Behörden selbst prüfen sollten, wie sie mit Teslas umgehen und die Fahrzeuge auf ihr Gelände lassen.

Auch Thomas Goldack, Leiter der Direktion 2 Weststadt, ist persönlich betroffen. Er selbst fährt einen Tesla, das schwarze Auto soll am Mittwoch auf seinem Privatparkplatz auf dem Polizeigelände abgestellt worden sein, gekennzeichnet durch ein blaues Parkschild mit der Aufschrift „L Dir 2“.

Ob sein privater Tesla weiterhin in den Polizeianlagen der Direktion 2 abgestellt werden darf, muss nun der hohe Beamte Goldack selbst entscheiden. Die Anordnung des Chefs der Polizeisicherheit scheint bisher keine Folgen für und Goldack gehabt zu haben.

Munitionsbunker und Tarnmarkierungen müssen geschützt werden

Gewerkschaften und Berufsverbände reagierten unterschiedlich. „Es ist in Ordnung, dass so ein falsches Schreiben sofort korrigiert wird“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

„Die heutigen technischen Möglichkeiten sind sehr mächtig und machen es notwendig, die Sicherheitsmaßnahmen auf Grundstücken ständig zu optimieren“, erklärt Jendro. „Aber es ist auch klar, dass es immer noch sehr auf die Menschen ankommt, die die Technologie nutzen.“ Bild- und Tonaufnahmen ohne dienstlichen Grund sind in Polizeieinrichtungen strengstens untersagt.

Als grotesk bezeichnete dagegen Jörn Badendick vom Verein „Unabhängige bei der Polizei“ den Vorgang. „Sollten leitende Angestellte aus Bequemlichkeitsgründen mit ihren Privatfahrzeugen zum Sicherheitsrisiko für die Berliner Polizei werden, erwarte ich, dass unabhängige Datenschutzbeauftragte umgehend Ermittlungen einleiten.“

„Das alles ist ein Pippi-Langstrumpf-Ansatz: Ich mache die Welt so, wie ich sie mag“, sagte Badendick. „Eigentlich müsste das erst geprüft werden und dann würde die Erlaubnis zum Befahren des Geländes erteilt werden.“

Auch die Berliner Polizei hatte weitere Vorschläge zum Umgang mit Elektroautos: So könnten an Polizeieinrichtungen für Beamte mit privatem Tesla bestimmte Routen und Parkplätze mit Sichtschutz vorgegeben werden.

Damit sollte verhindert werden, dass Sicherheitsbereiche wie Munitionsbunker, zivile Autos mit Tarnkennzeichen und Bereiche, die von zivilen Ermittlern oder Spezialeinheiten genutzt werden, von Tesla-Kameras erfasst werden. Auch für die beschlagnahmten Teslas wurde nach einer Lösung gesucht, etwa durch Abdecken mit Planen.

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Auch die Behörde des Berliner Datenschutzbeauftragten beteiligte sich an dem Fall und gab Hinweise an die Polizei. Das ist der sogenannte Tesla Guard Mode. Dies ermöglicht es Besitzern, „verdächtige Aktivitäten rund um ihren Tesla zu erfassen“, so der Hersteller.

Der Datenschutzbeauftragte droht mit Bußgeldern

Wenn eine größere Bedrohung erkannt wird, “beginnen die Kameras (…) mit der Aufzeichnung und das Alarmsystem wird aktiviert.” Zusätzlich erhält der Besitzer eine Benachrichtigung auf seiner Handy-App. Es kann sogar Live-Bilder des Fahrzeugs anzeigen.

Im Wachmodus scannt und filmt der Tesla seine Umgebung, Foto: Stefan Jacobs

Für den Datenschutzbeauftragten seien „alle Fahrzeughalter für den Wächtermodus verantwortlich“, sagte ein Behördensprecher dem Tagesspiegel. In Parkhäusern darf der Sentinel-Modus nicht ohne Grund dauerhaft aktiviert sein und es müssen Umgebungsbilder aufgenommen werden.

Bei Beschwerden über den aktivierten Guard-Modus wird der Datenschutzbeauftragte ein Verfahren einleiten und den Fall prüfen. Dies kann zu einer Geldstrafe für Tesla-Besitzer führen. Deshalb soll Superintendent Goldack darauf achten, dass sein Auto bei der Polizeieinrichtung nicht im Wachmodus ist.

Ansonsten profitiert bisher sogar die Polizei von Teslas Überwachungsmodus. Nach den Abstürzen konnten sich Ermittler mit Durchsuchungsbefehl sogar in das europäische Rechenzentrum von Tesla, aber auch in den internen Speicher von Tesla einloggen.

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