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Mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) findet im August der grösste Sportanlass der Schweiz statt – nun gibt es Kritik: Es gebe keine Fluchtwege.
Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest im Basler Pratteln, kurz ESAF, ist ein Mega-Event. 51.000 Zuschauer werden im Stadion erwartet, dazu rund 10.000 Menschen auf dem Festgelände. Nun berichtet die «Basler Zeitung», dass Sicherheitschef Marcus Müller das Handtuch geworfen hat. Denn das Sicherheitskonzept weist Mängel auf. Zum Beispiel gibt es nicht genügend Fluchtwege.
Deutlich kleinerer Raum als beim letzten Zuger Festival
Vor seinem Wechsel zum ESAF war Müller 21 Jahre lang Leiter des Krisenstabs in Basel. Unter anderem war er mitverantwortlich für die Sicherheit bei der Fußball-EM 2008. Außerdem hat er das Sicherheitskonzept der ESAF mitkonzipiert: für einen geschlossenen Bereich. Das Problem sind aus seiner Sicht die Fluchtwege. Denn das Festgelände ist nach Süden hin an drei Seiten geschlossen. Es liegt zwischen einer Straße, Bahngleisen und einem Bach.
Es kann Menschenmengen geben und Menschen fallen. Das muss nicht sein.
Hier werden ausreichend Brücken und Übergänge benötigt und vor allem breit genug, um im Notfall mehrere 10.000 Menschen zu evakuieren. „Wenn wir nicht über die notwendigen Fluchtwege verfügen, sehe ich eine Gefahr. Es kann Menschenmengen geben und Menschen fallen. Das muss nicht sein“, sagte Müller.
Aus seiner Sicht hatten die Organisatoren die falschen Fluchtwegvarianten gewählt. Deshalb trat er als Sicherheitschef zurück. Das Gelände in Pratteln ist deutlich enger und es gibt weniger Freiflächen drumherum als beim letzten Eidgenössischen Schwingfest im Kanton Zug.
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Bildunterschrift: Die ESAF-Arena liegt zwischen Autobahn und Bahnlinie. SRF
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Bildunterschrift: Der ESAF-Platz wird von einer Bahnlinie, einer Autobahn und einem Bach begrenzt. Es gibt zu wenige Fluchtmöglichkeiten, so die Bewertungen. zvg, ESAF 2022
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Bildunterschrift: Ein Blick auf die Karte verdeutlicht auch das begrenzte Platzangebot. SRF
Mehrfach wies er darauf hin, dass Evakuierungswege nicht ausreichen würden. Jetzt konnte er keine Verantwortung mehr übernehmen. Bei einer massiven Panik wäre es schwierig, die Massen aus dem südlichen Teil des Festgeländes zu evakuieren. Müller sagte der «Basler Zeitung», die Verantwortlichen stellten finanzielle Interessen vor Sicherheit.
Titel: Sicherheitsexperte Marcus Müller hält das Konzept beim ESAF Pratteln für unzureichend. SRF
Dass der Sicherheitschef aus Sicherheitsgründen ausgerechnet ausgestiegen ist, ist keine gute Publicity für die Organisatoren des Schwingfestes. ESAF-Generaldirektor Matthias Hubeli relativiert den Start. Bei den Hauptfragen habe es Einigkeit gegeben, sagt er auf Nachfrage.
ESAF-Beamte sehen keine Sicherheitsbedenken
Die Unterschiede lägen nur im Detail, sagt Hubeli. Der ehemalige Sicherheitschef hatte einen zu hohen Anspruch: „Müller hatte sehr hohe Qualitätsansprüche. Dies entsprach nicht mehr der Bewertung des EFAS-Präsidialausschusses. Deshalb ist der Sicherheitschef zurückgetreten.“ Es bleiben noch drei Monate, um die Planung gegebenenfalls zu optimieren. So oder so wird das ESAF Pratteln für alle Gäste ein sicheres Schwingfest, verspricht Hubeli.
Pratteln bereitet sich auf ESAF vor