Eine Jury befand ihn des Schmuggels und der tödlichen Körperverletzung für schuldig, bestritt jedoch die Mordanklage.
In diesem Zusammenhang seien die lettischen Äußerungen als Geständnis gewertet worden, sagte Richterin Gabriele Nemeskeri. Er hatte sich des Schmuggels, aber nicht des Mordes schuldig bekannt, obwohl er zugab, dass er wusste, dass es den 30 Flüchtlingen, die er etwa acht Stunden lang ohne Unterbrechung in den Keller gesperrt hatte, nicht gut ging. Der Angeklagte akzeptierte das Urteil. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Es ist also noch nicht endgültig.
Flüchtlinge “verpackt” in kleine Lastwagen
Die Staatsanwaltschaft erklärte, die 30 Flüchtlinge hätten am 19. Oktober 2021 in einem Wald an der Grenze zwischen Serbien und Ungarn auf die Letten gewartet. Eigentlich hätten sie auf zwei Sattelzugmaschinen aufgeteilt werden sollen, weil niemand auftauchte, aber sie wurden alle in den Kleinlaster „beordert“. Laut Anklage hockten sie ohne Essen und Trinken im Keller. Nach knapp zwei Stunden war dem Fahrzeug der Sauerstoff ausgegangen. Flüchtlinge rissen Türdichtungen ab, um Luft zu schnappen, klopften an Fenster und Türen und riefen: “Hier sterben Menschen, Vater.” Die Zustände seien katastrophal, im Keller herrsche Todesangst, betonte die Staatsanwaltschaft.
Zwei Syrer erstickten
Als Bundeswehrsoldaten den Transporter schließlich an der grünen Grenze bei Siegendorf stoppten, „stürzten“ die Flüchtlinge aus dem Fahrzeug. Zwei Syrer waren da schon tot, erstickt. Der 19-Jährige konnte fliehen, wurde aber zwei Monate später in Lettland festgenommen. Laut Anklage gehört er einer größeren Schmuggelorganisation an, von der im April 19 Mitglieder verurteilt wurden. Es muss seine erste Reise gewesen sein. Der Student, der in einer Pizzeria gearbeitet hat, hat keinen Führerschein. Der Staatsanwalt sagte, er erwarte “schnelles Geld”.
Patricia Spiess vor Gericht angeklagt
Angeklagter trat ein, um Schlepper zu fahren
Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, dass er die Schleppfahrt gemacht hatte. Er wurde als Fahrer eingestellt, kannte aber keine Einzelheiten. Er wusste nicht, dass die Schlepper 30 Personen in seinem Fahrzeug transportiert hatten, dass der Damm eng und die Fahrt so lang sein würde. Er hörte die Schreie, verstand sie aber zunächst nicht und dachte, die Flüchtlinge sprächen aus Platzgründen mit den beiden Migranten, die neben ihm auf dem Beifahrersitz saßen. Später wurde ihm gesagt, dass es den anderen Flüchtlingen schlecht gehe. Aber ich dachte nicht, dass sie sterben würden.
„Ich habe meinen größten Fehler gemacht“
Am Ende habe er aber seinen Chef angerufen und ihm mitgeteilt, dass es sich um eine Notsituation handele und die Menschen kaum atmen könnten, sagte der Angeklagte. Aber er sagte, es sei egal, er solle weitermachen. „Da habe ich meinen größten Fehler gemacht, nicht aufzuhören“, sagte der 19-Jährige. Erst bei seiner Festnahme erfuhr er, dass zwei Menschen gestorben waren. Der Angeklagte betonte, dass er die Situation zutiefst bedauere: “Ich habe viel über diese Situation nachgedacht und eines verstanden: dass ich mein Leben ruiniert habe.”
Landespolizeipräsidium Burgenland In diese Kleinlaster waren Flüchtlinge gepfercht
Die Flüchtlinge riefen um Hilfe
Einige der Syrer, die das Weingut besuchten, schilderten dem Gericht den Zustand des Fahrzeugs. „Wenn ich noch fünf Minuten ohne Luft im Auto gelassen worden wäre, wäre ich gestorben. Ich sah eine Aufzeichnung meines Lebens vor meinen Augen“, sagte einer. Die 30 Flüchtlinge passen sich an, nachdem sie drei oder vier Tage im Wald verbracht haben. Nach drei, vier Stunden Fahrt stellten sie fest, dass „kein Sauerstoff mehr da war“. Sie riefen auf Arabisch und Englisch, klopften an Fenster und Türen des Fahrers und kontaktierten den Verkäufer, der die Fahrt arrangiert hatte. Er sagte nur: “Warte noch ein bisschen.”
Etwa eine Stunde, bevor sie an der österreichisch-ungarischen Grenze gestoppt wurden, öffneten sie die Tür und ließen etwas Luft in den Keller. Auch die gebrochene Gummidichtung an den Seitentüren hätte zu Luftspalten geführt. Die beiden Flüchtigen, die schließlich erstickten, saßen mehr oder weniger in der Mitte des Kellers zwischen Trennwand und Tür, wo weniger Luft eindringen konnte.
Die Syrer ertranken immer noch auf ungarischem Gebiet
Experte Wolfgang Denk erklärte, die beiden Syrer seien auf ungarischem Hoheitsgebiet ertrunken, vermutlich mehrere Stunden, bevor sie gefunden wurden. Dass diese beiden Todesfälle auf ihre Position im Fahrzeug und ihren schlechten Gesundheitszustand zurückzuführen sind. Das 37-jährige Todesopfer war untergewichtig, hatte eine angeborene Brust- und Bronchitis und es wurde auch eine abgeklungene Kroneninfektion diagnostiziert. Der zweite, 33, war ebenfalls untergewichtig und bekam eine Lungenentzündung und eine Zyste im Nierenbereich.