“Siegfried”: Wenn die Kinder groß werden

Bei der Aufregung um den jungen österreichischen “Ring” gibt es viele verschiedene, neue und aufregende Dinge. Hagen zum Beispiel spielte lange vor seinem heroischen Mord eine Rolle. Das ist eine der Neuerungen, die ein wenig Freude bereiten und andere dazu animieren, die „Bug-List“ für den Auftritt des Regisseurs nach „Götterdämmerung“ zu vervollständigen.

Inzwischen haben nicht nur das heiße Sommerwetter und Cornelius Meister als Herr des „Rings“ im Graben die Temperatur des Bayreuther Rings erreicht. Auch im Zimmer wird mit Vor- und Nachteilen gearbeitet. Schon gar nicht mit den Sängern, Dirigenten und (jetzt wirklich) “seinem” Orchester. Es gibt begeisterten Applaus, aber zumindest fairen Respekt. Auch wenn man sich wünscht, dass Tomasz Konieczny, der nach dem Sturz vom Stuhl wieder fit und leistungsfähig war, als Wanderer etwas verständlicher ist, oder man sich Mime prägnanter akzentuiert vorstellen kann als bei Arnold Bezuyen. Von Okka von der Damerau gibt es einen extra feinen Erda-Look. Wilhelm Schwinghammer bricht eindrucksvoll aus, während Altmann Fafner und Olafur Sigudarson auch als Altrocker Alberich eine gute Schurkenfigur abgeben.

Oper

“Der Ring des Nibelungen: Siegfried”

Cornelius Meister (Direktor)

Valentin Schwarz (Direktor)

Mit Andreas Schager, Arnold Bezuyen, Okka von der Damerau und vielen mehr

Bayreuther Festspiele

Reh.: 13. und 28. August

Tomasz Konieczny in der Rolle des Wanderers. – © Enrico Nawrath

Siegfried strahlend und frisch

Andreas Schager ignorierte zuletzt Stoppschilder mit Lautstärkebegrenzung. Doch ein so strahlender und frischer junger Siegfried, wie der Österreicher erstmals in Bayreuth geboten wird, steht neben den glücklichen Momenten der Festspiele. Vor allem, wenn sie eine Brünnhilde wie die strahlende Daniela Kirchner aus ihrem langen Schlaf wecken kann!

Mime und Siegfried sind in einer Kellerwohnung wie Hundings voriger einquartiert. Mime gibt vor, sich für den Jungen zu opfern, aber sie braucht ihre Krücke nicht wirklich. Zum Geburtstag schenkt er ihr ein Lichtschwert, das gleich beim Auspacken zerbricht. Schießscheiben im Nebenzimmer, selbstgebaute Puppenfiguren-Konstellationen vor einem Puppentheater und Notizbücher mit blankem Eis gehören zu Mimes Erziehungskonzept. Wotan kommt zu einem Kontrollbesuch vorbei. Es gehört zur Vorliebe des Schulleiters und Clanführers für Rätsel, dass er für seinen Enkel (oder Sohn, wir wissen es hier wirklich nicht) eine Krücke (zum Verwöhnen?) mit nach Hause brachte, die schließlich eine „echte“ Nothung-Version enthält für das gefundene Kind. Aber er benutzt sie nur als Waffe gegen Mime. Wenn der Betrunkene verrät, was er tut, nicht vor der Neidhöhle, sondern im Krankenbett der älteren, eher gepflegten Fafner.

Eine Reihe von Luxusbehandlungen

Hagen (jetzt in Siegfrieds Alter) bevorzugt immer noch eine Baseballkappe und gelbe Kleidung und liegt hier im Krankenhausbett. Mit dem attraktiven Hausmeister/Waldvogel (Alexandra Steiner), den der alte Mann immer wieder belästigt und befummelt. In diesem Setting luxuriöser Pflege statten Alberich und Wotan Kranken einen sehr heuchlerischen Besuch ab. Als Mime mit Siegfried erscheint, macht der junge Mann den Strohhalm und wirft den Rollator des alten Mannes, sodass dieser mit einem Herzinfarkt zu Boden geht. niemand hilft Als Siegfried sich gereizt umsieht, ist es Hagen, der dem alten Fafner zischend das Kissen ans Gesicht drückt und damit sein Licht auslöscht. Wer weiß, was Hagen unter der brudermörderischen Fuchtel der Neureichen gelebt hat.

Es gehört zu Schwarzs Bühnenwitz, als Wotan bei der Begegnung mit Erda einen Fehler bei der Ansprache ihres berühmten Palpitanten macht und nicht Erda, sondern wohl das ältere Mädchen, das er einst in Sicherheit gebracht hat, manipuliert. Einen Schock darüber, dass man alt geworden ist, kann es jedenfalls nicht verbergen.

Spaß macht auch der modische Gruß, den Wotan schmuggelt. Nachdem Siegfried und sein Freund Hagen, belastet von einer ebenso unruhigen Kindheit ohne Eltern, hier aufgetaucht sind, konnte Hagen endlich klicken: Er konnte Brünnhilde aus dem Kindergarten kennen oder zumindest erahnen, dass sie sie schon vor langer Zeit getroffen hatten. Wenn sie sich während des beginnenden und dann aufheizenden Liebesduetts zurückzieht, dann nicht aus purer Diskretion. Er hat viel von Siegfried gelernt, worauf wir uns noch freuen können.

Mit Brünnhilde, die bandagiert (Schönheitsoperation oder Schlaf?) mit Maß wandelt, muss Siegfried nicht nur seine Schüchternheit gegenüber Frauen überwinden, sondern auch den spürbaren Widerstand seines Bodyguards Grane und Brünnhildes Weigerung. Erst als er den Hut des Wanderers Wotan in der Hand hält (wir wollen nicht übertreiben, dass er als echtes Wanderutensil erst ins Spiel kam, als Brünnhilde bereits verbannt war. Vielleicht trägt er ihr Monogramm) wird ihm klar: Siegfried! Ich kann, ja ich soll und vor allem will ich. Raus, Vorhang, tief durchatmen und Bravo und Buh, wie es alle wollen.

Auf jeden Fall möchten wir sehr gerne wissen, woraus die Pyramidenerweiterung des Grundstücks besteht und wie dieser „Ring“ endet.

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