Nach Angaben des Kiewer Generalstabs waren russische Truppen “teilweise erfolgreich” bei den Kämpfen in der erstürmten Stadt Siewjerodonezk in der Region Lugansk in der Ostukraine. Der Feind kontrolliere den Ostteil der Stadt, teilte die ukrainische Militärführung am Mittwochabend mit. Der Sturm in der Großstadt hält an, hieß es.
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Alice Hohl (Text), Peter Falkner (Bild), Birgit Samer (Video), Daniela Illich (Redaktion), alle ORF.at/Agenten
Prorussische Separatisten behaupteten, sie hätten bereits mehr als 70 Prozent der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht. Siewerodonezk ist das Verwaltungszentrum des ukrainisch kontrollierten Teils des Gebiets Lugansk. Seit Tagen wird gekämpft. Wenn russische Truppen die Stadt eroberten, hätten sie die volle Kontrolle über die Region Luhansk. Die Einnahme der Regionen Luhansk und Donezk ist eines der Ziele, die sich Kremlchef Wladimir Putin gesetzt hat.
Der ukrainische Gouverneur Luhansk Serhiy Gajday sagte am Dienstag, dass der größte Teil von Sievjerodonetsk jetzt unter russischer Kontrolle sei. Die ukrainische Abwehr gab jedoch nicht auf. Neunzig Prozent der Gebäude der Stadt seien beschädigt und 60 Prozent seien den Wiederaufbau nicht wert, sagte er. Es wird erwartet, dass die pro-russischen Separatisten mit Hilfe Moskaus ihren Vormarsch nach Westen fortsetzen und dann die Kontrolle über die Region Donezk übernehmen.
Kreml: US-Waffenlieferung entsorgt „Öl in Brand“
Unterdessen hat sich die Ukraine laut US-Außenminister Antony Blinken verpflichtet, die von Washington versprochenen modernen Raketensysteme nicht einzusetzen, um Ziele in Russland anzugreifen. Die neuen Waffen sollten Kiew jedoch helfen, seine Verhandlungsposition zu verbessern. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, dass Russlands Krieg in der Ukraine Monate dauern wird, sagte Blinken.
Die USA kündigten am Dienstag an, die ukrainischen Streitkräfte mit mehreren 80-Kilometer-Raketenwerfern auszurüsten. Die neue Ausrüstung ist Teil eines neuen Militärhilfepakets in Höhe von 700 Millionen Dollar (650 Millionen Euro) für die Ukraine.
Moskau habe den USA vorgeworfen, mit Waffenlieferungen “Öl ins Feuer zu gießen”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. “Die Vereinigten Staaten halten an ihrer Kampflinie gegen Russland bis zum letzten Ukrainer fest.” Die Lieferung mehrerer Raketenwerfer wird die Ukraine nicht dazu bewegen, die Friedensgespräche wieder aufzunehmen.
Die Lieferung aus Deutschland dauert
Auch die Ukraine erhält neue Waffen aus Deutschland: Bundeskanzler Olaf Scholz hat die Lieferung eines modernen Luftabwehrsystems zugesagt. Darüber hinaus werden die ukrainischen Streitkräfte über ein Verfolgungsradar verfügen, das Artillerie erkennen kann. Bei dem Flugabwehrsystem handelt es sich laut Scholz um IRIS-T des Herstellers Diehl. Damit entsteht Deutschlands modernstes Luftverteidigungssystem.
Die Erwartungen, dass das angekündigte Luftverteidigungssystem schnell in die Ukraine geliefert wird, wurden jedoch gedämpft. “Ja, das geht schon seit Monaten so”, sagte Außenministerin Annalena Baerbock. Ihm zufolge soll das System “in ein anderes Land gehen”. Auf Wunsch der Regierung wird es nun in die Ukraine geliefert.
Debatte: Wie erreicht man Frieden?
Der russische Angriffskrieg in der Ukraine endet nie, eine Lösung ist nicht in Sicht. Wie kann der russische Präsident Wladimir Putin an den Verhandlungstisch gebracht werden? Wie kann dem Frieden besser gedient werden: durch militärische Gewalt oder Diplomatie? Wiederholen sich die Debatten des Kalten Krieges jetzt?
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