Silvia Blocher: „Als Frau eines Bundesrats ist man überflüssig“

Veröffentlicht am 26. Juli 2022, 12:00 Uhr

Silvia Blocher: „Als Frau eines Bundesrats ist man überflüssig“

Die Zeit ihres Mannes im Bundesrat war für Silvia Blocher belastend. Er habe Bern “feindlich” erlebt, sagt er. Der 77-Jährige spricht auch über das Schweizersein in Amerika, die Kindererziehung und die Mauer, die das Städtchen Herrliberg umgibt.

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Die Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat habe sie «in ein Loch geworfen», sagt Silvia Blocher.

Beat Mathys/BZ

«Als Frau eines Bundesrats ist man überflüssig.» Aber auch umgekehrt wie der Mann eines Bundesrats, fährt er fort.

Sonntagszeitung

Silvia Blocher selbst ist SVP-Mitglied und war auch Teil der Auns.

Heinz Diener

  • Silvia Blocher, die Frau von Christoph Blocher, erinnert sich an ihr Leben.

  • Ihre Zeit als Ehefrau eines Bundesberaters empfand sie als sehr belastend. Früher war sie sehr in die Projekte ihres Mannes involviert, aber nach der Wahl nicht mehr. In Bern stieß er auf «Anfeindungen».

  • Erst während eines Studentenaustauschs in den USA wurde sie wirklich zur Schweizerin. Erst dort erkannte er den Wert seiner Schweizer Wurzeln.

  • Herrlibergs Villa ließ er mit einer Mauer abschließen, vor der man ins Eßzimmer hinunterging und hineinschaute.

In einer Art Lebensrückblick erzählt Silvia Blocher von ihren Erfahrungen mit Christoph Blocher. Silvia Blocher porträtiert sich als selbstbewusste, aber konservative Frau, die zunächst Mathematik studierte, später Lehrerin und schließlich Ehefrau und Mutter wurde. Als junger Mann dachte er: „Ich brauche keinen promovierten Mann, das mache ich selbst!“ Dann kam es anders. Klar ist auch, dass sie als Beraterin im Hintergrund immer großen Einfluss auf ihren Mann hatte. Über diese Themen spricht sie in einem ausführlichen Interview mit der NZZ.

„Diese Lackierereien in Bern“

Die Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat habe sie «in ein Loch geworfen», sagt sie. «Als Frau eines Bundesrats ist man überflüssig.» Aber auch umgekehrt wie der Mann eines Bundesrats, fährt er fort. Überhaupt hat er nur wenige gute Erinnerungen an seine Zeit in Bern. Er fand die Atmosphäre “feindlich”. “In diesem Bern ist jedem irgendwie ein Bundesamt zugeteilt. In Zürich hat man Grüezi gerufen oder salutiert. In Bern bin ich durch die Strassen gelaufen und wenn jemand kam, habe ich geschaut und geschaut, und das aus drei Metern Entfernung, wenn man das soll Hallo sagen, sie würden nach unten schauen und vorbeigehen. Ich fand das weder weltgewandt noch diskret. Einfach komisch.“ Mit der Stadt Bern hat er sich bis heute nicht wirklich versöhnt. „Wenn du dort wohnst, sieh dir den Müll auf der Straße und diese Lackierereien an!“

Mit sechzehn Jahren ging Silvia Blocher für ein Austauschjahr in die USA. Erst dort sei es schweizerisch geworden, sagt er. “Amerika ist groß und weit, ohne Ende und Anfang. Da habe ich den Wert von Wurzeln erkannt. So habe ich angefangen, politisch zu denken.” .”

Kindererziehung und Mauer in Herrliberg

Silvia Blocher selbst ist SVP-Mitglied und war auch Teil der Auns. In der EWR-Referendumskampagne 1992 sagte sie, “er hat viel im Hintergrund gearbeitet”. Alle seine Kinder wurden Unternehmer. Tochter Magdalena Martullo Blocher trat sogar in die Fußstapfen ihres Vaters und ist nun Nationalrätin. Silvia Blocher kümmert sich seit jeher um die Bauprojekte des Paares. Entweder das Museum oder das Dorf in Herrliberg. Er musste es mit einer Mauer umschließen, sagt er. „Die Leute gingen ins Esszimmer und schauten aus dem Fenster.“ Und auch: “Deshalb ist unser Grundstück von einer Mauer umgeben.” Und weiter: “Sobald wir ausgehen, ein allgemeines Leben führen, eins in der Gemeinschaft, strömen die Leute dazu.” Der 77-Jährige habe keine Angst vor dem Tod, sondern vor dem Tod anderer, sagt er.

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