Tanz Balotelli!
Zwischen Genie und Wahnsinn
Kommt er oder nicht? Die Frage, ob Mario Balotelli nach Sion wechseln wird, hält das Wallis in Atem. Klar ist: Wenn Christian Constantin der Coup gelingt, erwartet die Superliga ein Spektakel.
Christian Finkbeiner, Ugo Curty
Das Beste kommt zum Schluss: Im letzten Spiel für Adanaspor erzielte Balotelli fünf Tore beim 7:0-Sieg gegen Göztepe. Der Höhepunkt ist das finale Tor, wenn Super Mario seinen Gegner nach sieben Schritten pickt und mit gekreuzten Beinen ein Tor schießt.
Es könnte Balotellis letzter Geniestreich in Adana gewesen sein. Der 36-malige Nati-Spieler steht kurz vor dem Absprung, ein Wechsel nach Sion ist nicht ausgeschlossen. Laut 20 Minuten verlangen die Türken mehr als 3 Franken, mehr als 2 Millionen will Sion nach Informationen von Blick nicht zahlen. Kommt es zu einer Einigung, wäre das der nächste Coup für CC, das mit Gattuso und Grosso bereits zwei Weltmeister ins Wallis geholt hat.
Die Liste der Skandale ist lang
Genie oder Wahnsinn? Nirgendwo sonst liegen die beiden Enden so eng beieinander wie bei Balotelli. Als Sohn ghanaischer Einwanderer wurde er auf Sizilien geboren und kam im Alter von drei Jahren zu einer Pflegefamilie in Brescia. Sein Talent wird von Anfang an erkannt. Mit 17 debütierte er in der Serie A, wurde italienischer und englischer Meister und gewann 2010 mit Inter die Champions League. Seine zwei Tore im Halbfinale der EM 2012 gegen Deutschland blieben unvergessen, und ihre Cheerleaderin mit nacktem Oberkörper Pose ist zu einer Ikone geworden.
Seine Skandalbilanz ist allerdings größer als die des Trophäenschranks: In Manchester wirft er Darts auf Youngsters und crasht einen Bentley. Sein Haus fängt Feuer, als er versucht, ein Feuerwerk zu zünden. Er zerbricht die Kamera eines Journalisten und gibt einem Barbesitzer 2000 Franken, damit er eine Vespa im Meer versenkt. Aufgrund ihrer Dummheit und Aussagen prägen sie in Italien den Begriff „Balotellata“.
Auch auf dem Platz sorgt Balotelli für Unheil: Mal wirft er einen Gegenspieler mit einem Kung-Fu-Tritt um, mal schlägt er einem Mitspieler nach der Auswechslung auf die Schulter. Legendär ist die Szene in einem Testspiel gegen LA Galaxy, als er vor dem Tor nonchalant die Hacke schont und sofort von Manager Mancini ausgewechselt wird. In Nizza will er Trainer Vieira an die Kehle, in Brescia bleibt er dem Training mehrfach unentschuldigt fern. Gegen Besiktas überragt er beim Torjubel den gegnerischen Manager und tippt mit den Fingern an beide Schläfen.
„Galatelli“ in der Türkei: Balotelli erzielt Fünferpack, darunter Rabonas Traumtor (01:11)
Rotten Apple und Banghead
Die Meinungen über ihn, der immer wieder Opfer von Rassismus wird, gehen auseinander. Silvio Berlusconi beschrieb ihn einmal als faulen Apfel, der jedes Team anstecken könne. Giorgio Chiellini nennt seinen ehemaligen Nati-Teamkollegen einen “negativen Menschen”. Die beiden versöhnen sich später. Kevin-Prince Boateng verteidigt Balotelli in der „Sport Bild“: „Wir alle wissen, dass er zeitweise ein Spinner war oder ist. Aber im Herzen ist er ein guter Mensch.“
Zuletzt überwogen wieder positive Schlagzeilen. Mit 18 Toren ist er die Nummer 2 der türkischen Meisterschaft. Im Frühjahr gehört er erstmals seit 2018 wieder der erweiterten Nationalmannschaft an. In einem Interview mit The Athletic bezeichnet er seinen Abgang von Manchester City im Jahr 2013 als seinen größten Fehler. Nachfolgend sind acht Vereinswechsel in acht Jahren aufgeführt. Folgendes könnte das «Enfant terrible» in die Schweiz bringen.
Credit Suisse Super League
Mannschaft
sp
TD
P.T
1
0
0
0
2
0
0
0
3
0
0
0
4
0
0
0
5
0
0
0
6
0
0
0
7
0
0
0
8
0
0
0
9
0
0
0
10
0
0
0