So hängt Ihre Gemeinde von Gas ab

Hier wird es kompliziert, wenn Putin den Gashahn zudreht: Ihre Gemeinde ist in Gefahr

Bild: ch media

Europa und die Schweiz drohen Gasknappheit, wenn Russland die Gasexporte weiter reduziert. Wir zeigen, welche Gebiete der Schweiz am stärksten vom Gasmangel betroffen wären.

Tim Naef und Stefan Trachsel / ch media

Zahlen zum Schweizer Gasverbrauch sind in der Ukraine seit Kriegsbeginn bekannt: 11 Prozent, das ist ein eher bescheidener Gasanteil am gesamten Energieverbrauch der Schweiz. 47 Prozent: Das ist der Gasanteil, der 2020 aus Russland kam. Russland ist mit Abstand der grösste Lieferant, obwohl die Schweiz ihr Gas nur indirekt aus dem Land bezieht.

Weniger beachtet wurde bisher, wo in der Schweiz Gas verbraucht wird, also welche Regionen benötigt würden, wenn Gas knapp wäre. Dies wird immer wahrscheinlicher, seit Russlands Präsident Wladimir Putin in den letzten Tagen den Gasfluss nach Deutschland abgewürgt hat. Die Bundesregierung hat bereits Gaseinsparungen gefordert, um den Verbrauch zu senken.

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Das Gasproblem ist ein städtisches Problem

Der Bund führt ein Protokoll, in dem die Art der Heizung für jedes Objekt vermerkt ist. Obwohl die Daten nicht immer aktuell sind, zeigt eine Auswertung der Datenbank von CH Media einen klaren Trend: Vor allem urbane Regionen verbrauchen viel Gas.

Der Grund: Es gibt Kabel. Es waren die Städte, die bereits im 19. Jahrhundert Stadtgas aus Steinkohle produzierten, hauptsächlich für die Beleuchtung. Als in den 1890er Jahren Elektrizität aufkam, wurde Gas für Warmwasser, Kochen und Heizen verwendet. In den 1970er Jahren begann die Schweiz mit der Nutzung von Erdgas zur Beheizung von grossen Gebäuden und der Industrie.

Das wirkt sich bis heute aus und könnte angesichts der Energiekrise nun auch für Haushalte zum Problem werden. Denn sie machen rund 42 Prozent des Schweizer Gasverbrauchs aus, hauptsächlich zum Heizen.

Basel, Genf und Zürich haben den höchsten Gasverbrauch der Schweiz, wo zwischen 40 und 50 Prozent der Wohngebäude mit Gas beheizt werden. Noch höher ist der Anteil in den heutigen oder ehemaligen Industriestädten Solothurn, Olten, Langenthal, Allschwil und Bettingen. Mehr als 60 Prozent der Wohnungen dort werden mit Gas beheizt. Dies sind die höchsten Schweizer Werte. Mit einem Anteil von 30 bis 40 Prozent ist die Gasheizung auch rund um den Zürichsee, den Bodensee und den Genfersee weit verbreitet.

So hängt Ihre Gasgemeinschaft ab:

Für die Industrie, die in der Schweiz rund 34 Prozent des Gases für die Herstellung von Waren verbraucht, gibt es solche Detailinformationen nicht. Einen Anhaltspunkt für industrielle Grossverbraucher bietet die Interessengemeinschaft Erdgas, zu der die Konzerne Holcim, Ems, Emmi und Lonza sowie die Flughäfen Zürich, Migros und Coop gehören. Die Gruppe vertritt nach eigenen Angaben Unternehmen mit einem kombinierten Erdgasverbrauch von rund drei Milliarden Kilowattstunden.

Die Antwort auf die Gasknappheit ist bereits entschieden

Im Falle einer Gasknappheit würde dies erst im Oktober oder November bemerkt. Bei kaltem Wetter steigt der Verbrauch auf den doppelten und dreifachen Sommerverbrauch.

Da Gas nirgendwo in der Schweiz gespeichert werden kann, sucht die Schweizer Gaswirtschaft derzeit nach Speichermöglichkeiten im umliegenden Ausland. Im Auftrag des Bundesrates sollen physische Reserven angeschafft werden. Das Westschweizer Regionalunternehmen Gaznat hat in Frankreich eine erste Etappe absolviert. Ziel ist es, dass die Schweiz auf diese Weise und durch Optionen rund 35 Prozent ihres Bedarfs für den nächsten Winter versichert.

Aber es gibt schon einen Plan, falls es im Winter wirklich nicht genug Benzin gibt. Die Gaswirtschaft hat im Auftrag des Bundesrates einen dreistufigen Eskalationsplan ausgearbeitet: Erstens sollen Unternehmen, die dazu in der Lage sind, ihre Anlagen mit Diesel statt mit Gas betreiben. Dann kommen die Sparforderungen der Verbraucher. Stellt man die Heizung ein paar Grad kälter ein, spart man mehr Gas. Schliesslich soll der Bundesrat als letztes Mittel den Konsum von Grossverbrauchern einschränken. Dann würden die Fabriken bestenfalls aufhören.

Der Gast bekommt vor der Keule eine Ohrfeige; Rate wer …

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