Nach fast zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie ist es in diesem Jahr wieder möglich, nahezu uneingeschränkt in alle Länder zu reisen. Belebte Autobahnen, Staus, tolles Wetter und Fotos vom Adriaurlaub zu Pfingsten. Die Urlaubslust der Österreicher schien groß. Aufgrund des Krieges in der Ukraine und der damit einhergehenden Inflationswelle fragen sich nun aber viele Österreicher, ob sie überhaupt reisen sollen, oder eher nicht wegen bedrohlicher Umstände.
Ausland und kürzere Ferien
Laut einer Umfrage des Institute of Public Opinion and Data Analysis (IFDD) planen 48 % der Bevölkerung einen Sommerurlaub. Fast die Hälfte schließt so etwas kategorisch aus. Interessant ist, dass 52 % der Männer deutlich reisefreudiger sind als Frauen (44 %). Ein alarmierendes Zeichen für die heimische Tourismusbranche ist, dass nur 28 Prozent der Befragten im eigenen Land bleiben. 69 Prozent sehnen sich nach dem Mittelmeer, besonders beliebt sind Italien, Kroatien und Griechenland. Zudem zeigt die Umfrage, dass die Dauer der Urlaubsaufenthalte immer kürzer wird. Nur 26 Prozent wollen eine Pause von zwei Wochen oder mehr machen. Dass nur die Hälfte der Befragten einen Sommerurlaub plant oder viele nur wenige Tage verreisen wollen, liegt an den massiven Preissteigerungen der letzten Jahre. Und wenn sie gehen, wollen die meisten dorthin gehen, wo sie während der Krone nicht hin konnten, nämlich ans Meer. Aber dann bevorzuge ich statt zwei Wochen nur eine.
Wenig Wettbewerbsfähigkeit
Der Tourismus in Österreich hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deutlich an Boden verloren. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis in der österreichischen Gastronomie und Hotellerie hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert“, sagt Tourismusexperte Oliver Fritz vom Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo). Problem: In Ländern wie Italien, Kroatien oder Griechenland sind die Preise gleich geblieben oder teilweise sogar gesunken, was den Urlaub dort noch attraktiver macht. Das gegenteilige Beispiel ist die Türkei. Aufgrund der Wirtschaftskrise und der Währungsabwertung sind die Preise in Restaurants um ein Drittel und in Beherbergungsbetrieben um die Hälfte gesunken.
Mediterraner Urlaubstrend
Griechenland, Spanien, Italien, die Türkei und Ägypten sind bei den Österreichern sehr gefragt, und die Malediven sind beliebte Ziele für Fernreisen. „Im Mittelmeer herrscht ein regelrechtes Wettrennen. Bei den Reserven liegen wir derzeit zweistellig über dem Niveau von 2019 und deutlich höher als 2020 und 2021“, sagt Helga Freund, Vorstandsmitglied des Verkehrsbüros. Innerhalb der Städte wurden Tirol, Salzburg und die Steiermark häufiger gebucht, das sonst so beliebte Kärnten hinkte hinterher. Sie liegt etwa 25 Prozent unter dem Niveau von 2019, womit in den österreichischen Seen und Bergen noch genügend Kapazitäten vorhanden sind, die voraussichtlich nicht ausgelastet werden. Es stellt sich heraus, dass viele Urlauber, die die letzten zwei Jahre zu Hause geblieben sind, jetzt in ein anderes Land fahren oder fliegen.
Steigende Preise und Personalmangel
Tourismusunternehmen haben steigende Energie-, Kraftstoff- und Lebensmittelkosten, was dazu führt, dass Urlaub für Verbraucher im Durchschnitt um zehn Prozent teurer wird. In Restaurants und Bars werden Preissteigerungen zwischen 15 und 20 Prozent erwartet. 19 Prozent der Österreicher sparen bereits mehr beim Restaurantbesuch. Neben Preiserhöhungen herrscht überall Personalmangel, der vor allem in der oft erfolglosen Gastronomie und Hotellerie dringend benötigt wird. Die Konsequenzen? Reduzierte Speisekarten, Schlussdienste, häufigere Schlusstage, kürzere Öffnungszeiten und Selbstbedienung.
Der Sommer 2022 wird eine Herausforderung für alle!