Soll man seine Kids komplett einpacken oder nicht in die Sonne lassen?
«Ich finde es toll, wenn Eltern ihre Kinder gut geschützt in der Sonne lassen», sagt Dermatologin Marianne Meli (40) von der Praxis Dermanence in Zürich. Bewegung und Licht sind schließlich gesund, solange man die Mittagszeit meidet. Dass die Kleinen komplett eingepackt in der Sonne planschen, macht laut Meli Sinn. Denn ein spielendes Kind hat kein Zeitgefühl. Die Sonne kann für Kinder besonders gefährlich werden, da ihre Haut dünner ist als die von Erwachsenen und weniger Pigmente enthält, die vor UV-Strahlen schützen.
5 wichtige Tipps: Diese Fehler macht jeder beim Auftragen von Sonnencreme (01:31)
Was sollten Kinder zum Schwimmen in der Sonne anziehen?
Für kleine Kinder empfiehlt Meli ein langärmliges Shirt aus UV-schützendem Schwimmstoff oder für ältere Kinder einen kurzärmligen Anzug im Neoprenanzug-Stil. Dazu eine Schirmmütze mit Nackenschutz. Alle exponierten Hautpartien sollten alle zwei Stunden mit SPF 50+ erneut aufgetragen werden. Meli: Kinder unter einem Jahr sollten möglichst keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden.
Welche Sonnencreme für welches Alter?
Dermatologe Meli empfiehlt Sonnenschutzmittel mit rein physikalischen Filtern und einem Lichtschutzfaktor von 50+ bis zum Alter von einem Jahr. Normalerweise als „Mineralien“ bezeichnet, dringen sie nicht in die Haut ein, sondern bedecken sie mit winzigen Partikeln, die die Strahlung wie ein Spiegel reflektieren. Laut Meli können Eltern, die wegen Schadstoffen besorgt sind, diese Art von Creme auch bei älteren Kindern oder sich selbst anwenden. Sie haben lediglich den Nachteil, dass sie oft schwer zu verteilen sind. „Ich verwende für mich und meine 19 Monate alte Tochter eine Kinder-Sonnencreme mit einer Kombination aus chemischen und physikalischen Filtern, die auf einer Technologie basiert, die es ermöglicht, sie auf nasser Haut aufzutragen.“
Was bedeutet der UPF-Schutzfaktor für Textilien?
Wie Sonnenschutzmittel gibt der UPF (Ultraviolet Protection Factor) an, wie lange Sie in der Sonne bleiben können, ohne Ihre Haut zu schädigen. Sonnencremes dürfen in der Schweiz nur mit der Bezeichnung 50+ verkauft werden, auch wenn ihr Lichtschutzfaktor teilweise deutlich höher ist. Bis es so geschützt ist, wie es das Produkt verspricht, sollte ein durchschnittlich großer Erwachsener etwa drei Esslöffel Creme auftragen. Bei Sonnenschutzkleidung hingegen ist der angegebene Lichtschutzfaktor absolut. Im Sommer beliebte weiße Baumwollstoffe haben einen niedrigen UPF von etwa 10. Kunstfasern wie Polyester bieten in der Regel einen besseren Schutz, da sie feiner gewebt werden können.
Sollten Kinder eine Sonnenbrille tragen?
Die Krankenkasse Visana empfiehlt Sonnenbrillen für Kinder, weil 70 Prozent mehr UV-Strahlen ins Augeninnere gelangen als bei Erwachsenen. Dadurch kann es zu Schädigungen der Netzhaut kommen, die sich mit zunehmendem Alter bemerkbar machen. Gute Modelle für Kinder haben einen hohen UV-Filter (UV-400) und ein CE-Zeichen, das sich auf die EU-Sicherheitsnorm bezieht. Transmissionsgrade geben die Lichtdurchlässigkeit des Glases an. Kategorie 3 eignet sich für Sommer, Berge und Strand. Kleine Kinder haben Schwierigkeiten mit dem Rahmen auf der Nase. Deshalb trägt ihre Tochter an Stellen, an denen das Licht nicht zu stark reflektiert wird, eine Deckenhaube, sagt Meli. “Am Berg und im Schnee bestehe ich auf einer Brille.”
Ist die Sonne heute gefährlicher als früher?
Da Chemikalien wie FCKW in Sprühdosen und dergleichen abgeschafft wurden, erholt sich das Ozonloch über der Antarktis. Forscher gehen sogar von einer Schließung in den nächsten 50 bis 100 Jahren aus. Durch den Klimawandel gibt es zwar immer mehr warme, wolkenlose Tage und die Zahl der Sonnenstunden, in denen Menschen der UV-Strahlung ausgesetzt sind, nimmt zu, doch die Belastung der Haut und damit das Hautkrebsrisiko hat zugenommen.
Warum wird Sonnenschutz ein immer wichtigeres Thema?
«Nach und nach entfernen wir uns vom Mythos einer gesunden Hautbräune», sagt Christian Surber, Pharmazeut und emeritierter Professor der Universität Basel im Gespräch mit der «NZZ». Dies spiegelt sich auch in der Werbung für Sonnenschutzmittel wider. „Während die zuvor gezeigten Modelle ein knackiges Braun hatten, sind sie jetzt nur noch leicht gebräunt.“ Der Bevölkerung ist bewusster geworden, dass die Sonne wesentlich zur Hautalterung beiträgt. “Das beunruhigt viele Menschen mehr als Hautkrebs.”
Rem Dermatologe
Dermatologin Dr. Med. Marianne Meli ist Gründerin und ärztliche Leiterin der Hautarztpraxis Dermanence in Zürich. Die gebürtige Zürcherin absolvierte sowohl ihr Studium als auch ihre Fachausbildung an der Universität Zürich. Als Hobby paddelt er morgens regelmäßig im See, wo ständiger Sonnenschutz ein Muss ist.
Dermatologin Dr. Med. Marianne Meli ist Gründerin und ärztliche Leiterin der Hautarztpraxis Dermanence in Zürich. Die gebürtige Zürcherin absolvierte sowohl ihr Studium als auch ihre Fachausbildung an der Universität Zürich. Als Hobby paddelt er morgens regelmäßig im See, wo ständiger Sonnenschutz ein Muss ist.