SP will Referendum für Einbürgerung von Geburt an

Ein SP-Vorstoß zur Erleichterung der Einbürgerung scheiterte im Nationalrat. Nun erwarten sie eine Volksinitiative zur Einführung des “ius soli”-Prinzips.

Leichter zum Schweizer Pass: Dieses Anliegen wird von der Linken seit langem unterstützt und von der Rechten gleichzeitig abgelehnt. – Schlüsselschlüssel

Ankündigungen

das Wesentliche zusammengefasst

  • Die SP forderte im Nationalrat eine erleichterte Einbürgerung für Ausländer.
  • Wieder scheiterte die Petition, alle außer Rot-Grün stimmten dagegen.
  • Allerdings soll die Bevölkerung bald über die Frage der Einbürgerung bei der Geburt abstimmen.

Das Thema Einbürgerung beschäftigt die Schweizer Politik seit langem. Wer hat Anspruch auf den Pass? Wie schnell sollen in der Schweiz Geborene eingebürgert werden? Zu dieser Frage wird sich die Bevölkerung bald äußern können.

Zuvor hatte es die SP-Bundestagsfraktion im Nationalrat jedoch mit einer Initiative versucht: «Die Schweizer sind es, die hier leben.» Sie forderten das Recht auf Einbürgerung von Menschen “nach einer bestimmten Anzahl gesetzlicher Aufenthaltsjahre”. Die Einbürgerung soll auf Bundesebene mit weniger administrativen Hürden erfolgen.

“Das sind unsere Kinder”

Die Petition wurde von Cédric Wermuth (AG), Co-Vorsitzender der SP, und Samira Marti (BL), Mitglied der Landespolitischen Kommission, verteidigt. Für den Basler Bieter ist es «eine Schande für die Demokratie», dass Ausländer, die lange in der Schweiz leben, keinen Schweizer Pass haben.

Samira Marti (SP/BL) spricht im Nationalrat an der Sondersitzung des Parlaments im Oktober 2020. – Keystone

In anderen europäischen Ländern wäre laut Martí im Nationalratssaal die Mehrheit: “Das sind unsere Kinder, die haben nirgendwo gelebt, die kennen keine andere Realität.”

Die hohe Ausländerzahl sei keineswegs ein Zeichen gelungener Integration, sondern “ein großes Alarmsignal”. Denn diese Menschen konnten nicht wählen, durften nicht wählen, hatten nicht die gleichen Rechte, nicht einmal in sozialen Angelegenheiten. Und trotzdem haben sie sich nicht eingebürgert, sagt Martí.

Menschen nehmen an einem Einbürgerungsvorbereitungskurs teil, April 2008. – Keystone

Dies liegt daran, dass die „objektiven Kriterien“, die derzeit die Integration definieren, nicht strikt angewendet werden. Im Gegenteil, in den Versammlungen werden viele unnütze Fragen gestellt. „Warum muss meine Freundin ihrem Einbürgerungsausschuss zeigen, dass sie weiß, wo sie samstags Veranstaltungen der Offiziersgesellschaft organisiert?“, fragt das Plenum.

Hoffnung auf die „ius soli“-Initiative.

Allerdings folgte der Nationalrat bei der Abstimmung der Mehrheit des Ausschusses: Alle Fraktionen mit Ausnahme der Grünen und der SP stimmten einstimmig gegen die Initiative. Communities sind am besten in der Lage zu beurteilen, wer sich erfolgreich integriert hat und wer daher keinen Streit hat. Nur mit dieser Politik könne die „Ghettobildung“ „relativ erfolgreich vermieden“ werden. Und generell besteht kein Rechtsanspruch auf das Schweizer Bürgerrecht.

Ein Schild weist auf die Einbürgerungsfeier der Stadt Zürich, März 2016 hin. Teilnehmer der Einbürgerungsfeier der Stadt Zürich, März 2016.

“Die bürgerlichen Parteien wollen den vermeintlich Schweizerklub möglichst exklusiv halten”, ärgert Samira Martí Nau.ch. Alle profitierten, als mehr Menschen eingebürgert wurden. Gerade für das Milizsystem sei es besonders gut, „viele fähige Köpfe“ zu gewinnen.

Der SP-Politiker rechnet nun mit einer Volksinitiative, vorangetrieben von der „Aktion Vierviertel“. Damit soll das Prinzip des „ius soli“ in der Bundesverfassung verankert werden: Wer auf Schweizer Boden geboren wird, soll automatisch einen Pass erhalten. Aber wäre die Wählerschaft auf einen so wichtigen Paradigmenwechsel vorbereitet?

2017 hat das Schweizer Stimmvolk die erleichterte Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern der dritten Generation angenommen. Die SP will die einfachste Einbürgerung für alle Generationen – Keystone

„Jeder kennt jemanden, der im gleichen Krankenhaus geboren wurde, die gleiche Schule besucht hat, aber noch nicht eingebürgert ist. Und deshalb weiß die Öffentlichkeit, warum das aktuelle System so absurd ist“, ist sich Martí sicher. Herr und Frau Schweizer sind in dieser Hinsicht viel weiter als das Parlament, das solche Initiativen regelmäßig ablehnt.

Was halten Sie vom Grundsatz „ius soli“?

„Wir entwickeln die Initiative noch weiter“, bestätigt die „Aktion Vierviertel“ auf Anfrage. Bereits im Frühjahr 2023 soll die Unterschriftensammlung beginnen. Der Klub sieht wie Samira Martí guten Chancen entgegen. “Die Schweiz und viele Bürgerinnen und Bürger behaupten, eine Viervierteldemokratie zu sein.”

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