Deutsche Erdbeeren
Die Lebensmittelpreise steigen rasant. Aber deutsche Erdbeeren verkaufen sich viel billiger als vor einem Jahr.
(Foto: dpa)
Düsseldorf Die Verbraucherstimmung in Deutschland bleibt niedrig. Deshalb lehnen viele Deutsche dieses Jahr heimische Erdbeeren und Spargel ab. Andererseits fluten ausländische Waren fast das ganze Jahr über den Handel.
Fred Eickhorst, Hauptgeschäftsführer des Spargel- und Beerenanbauverbandes, erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt die Misere der Branche.
Herr Eickhorst, Pfingsten ist Erdbeer- und Spargelzeit. Deutsche Hersteller schlagen jedoch Alarm. Da? Unsere Branche ist ein Gewinner der Pandemie. Aber in diesem Jahr sind die Deutschen sehr zurückhaltend beim Kauf von Erdbeeren und Spargel aus der Region. Wir schätzen, dass der Umsatz um bis zu 30 Prozent eingebrochen ist. Sie liegt damit deutlich unter dem Niveau von 2019. Die gesamte deutsche Obst- und Gemüsewirtschaft leidet unter erheblichen Einbußen. Seit dem Ukrainekrieg kaufen die Deutschen anders ein. Sie greifen zunehmend zu Grundnahrungsmitteln und Konserven oder Tiefkühlkost.
Die Deutschen verschenken also weniger frische und genussvolle Produkte?Kriegs- und Zukunftsangst sowie Inflation belasten und beunruhigen die Verbraucher. Sie halten ihr Geld zusammen. Die Deutschen retten ihn buchstäblich vor seinem Mund. An Feiertagen hingegen sind die Menschen weniger fleckig.
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Welchen Einfluss haben Preise auf die Kaufzurückhaltung Jeder klagt über teures Obst und Gemüse. Aber Erdbeeren und Spargel sind dieses Jahr so günstig wie noch nie! In der Himmelfahrtswoche wurde ein Kilo heimischer Erdbeeren für durchschnittlich 4,90 Euro verkauft. Ein Jahr zuvor waren es nach Angaben des Branchendienstes AMI 7,73 Euro gewesen. Deutsche Erdbeeren entwickeln sich zum Ladenhüter, obwohl sie deutlich günstiger sind als in den Vorjahren. Gleiches gilt für heimischen Spargel. Mit 6,92 Euro pro Kilo ist es 14 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.
Warum sind die Preise so stark gesunken. Ist es nur die niedrigste Nachfrage? Vieles ist in diesem Jahr zusammengekommen. Aufgrund der hohen Energiepreise haben Erdbeerbauern in den Niederlanden ihre Gewächshäuser weniger geheizt. So kamen später neben den ersten Früchten aus Süddeutschland auch holländische Erdbeeren auf den Markt. Auch in Südeuropa verzögerte die Kälte die Ernte. So werden immer noch spanische Erdbeeren beworben.
Spargel wird am Boden gehalten: Die Zahl der Betriebe nimmt ab
Die 500-Gramm-Schale mit deutschen Erdbeeren ist derzeit mit einem Rabatt von 1,79 Euro erhältlich. Wie viel kostet es den Produzenten? Landwirte erhalten nur die Hälfte davon. Für 90 Cent bis einen Euro pro Kilo lassen sich Erdbeeren hierzulande nicht rentabel produzieren. Bisher kommen Erdbeeren hauptsächlich aus dem Alu-Tunnel, der teurer ist als im Freiland. Erdbeerbauern in Norddeutschland verbrennen seit dem Erntestart vor drei Wochen mit jeder Schale Geld.
Warum ernten die Bauern weiter? Erdbeeren müssen weiter geerntet werden, auch wenn der Bauer kein Geld verdient. Sonst blühen die Beeren im Busch und die ganze Erntesaison ist vorbei. Wenn du den Spargel schneidest, kannst du zwischendurch pausieren. Deshalb haben die deutschen Spargelbauern mindestens 30 Prozent ihrer Produktion auf dem Boden gelassen, weil es sich einfach nicht lohnt, sie zu verkaufen.
Bayerischer Spargel
Viele Deutsche verzichten in diesem Jahr auf heimischen Spargel, den viele als „Luxusgemüse“ bezeichnen.
(Foto: dpa)
Gibt es zu viele Erdbeer- und Spargelfelder in Deutschland? Bauern hacken ihre Erdbeerfelder und pflanzen Mais. Das ist lukrativer, weil die Maispreise seit dem Krieg in der Ukraine stark gestiegen sind. Es ist wahr, dass wir vor Jahren die nationale Produktion übertrieben haben. Die Erdbeeranbaufläche ist in den letzten fünf Jahren zurückgegangen, die Spargelanbaufläche in den letzten drei Jahren. Die Zahl der Unternehmen ist rückläufig. Nur Direktverkäufer können über Hofläden vernünftige Preise erzielen. Seine Kunden legen Wert auf frische Produkte aus der Region. Für Erzeuger, die Erdbeeren an Lebensmitteleinzelhändler verkaufen, sieht es düster aus.
Können sie mit Billigimporten aus dem Süden mithalten, denn die Erdbeerproduktion ist die teuerste in Deutschland. Wir können im Supermarkt nicht mehr mit ausländischen Anbietern konkurrieren. Spanische Erdbeeren gibt es dort seit Wochen für etwa 1,50 Euro in einer 500-Gramm-Schale. Der Handel spielt mit den brutal günstigen Erdbeeren aus Marokko oder Spanien gegen heimische Produkte. Der Lebensmitteleinzelhandel scheint Regionalität und Saisonalität fördern zu wollen. Leider sieht die Realität anders aus.
Fred Eickhorst
„Seit dem Erntestart vor drei Wochen verbrennen Erdbeerbauern in Norddeutschland mit jeder Schale Geld“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Spargel- und Beerenbauern.
(Foto: Verband der Spargel- und Beerenbauern eV)
Aber letztendlich entscheidet der Verbraucher, was er kauft … Noch nie wurden zwischen Januar und März so viele Erdbeeren verkauft, natürlich nur solche aus dem Ausland, zum Beispiel aus Marokko, einem Land mit dramatischer Wasserknappheit. . Die Erdbeere wandelt sich von einem Saisonprodukt zu einem Ganzjahresprodukt. Verbraucher sagen immer, sie wollen regional und saisonal einkaufen. Aber sie tun es nicht. Vor allem nicht, weil sie jetzt auf jeden Cent achten.
Steigt die Nachfrage nach heimischen Erdbeeren und Spargel zumindest zu Pfingsten? Pfingsten ist das geschäftigste Wochenende für Erdbeeren und Spargel. Das Wetter war in den letzten Tagen kühl. Die Preise steigen also etwas. Ob das aber lange so bleibt, ist fraglich. Supermärkte und Discounter kündigen bereits Sonderangebote für nach Pfingsten an, mit denen sie deutschen Spargel verkaufen.
Herr Eickhorst, vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen: Unterbrechung der Lieferkette: Kurzarbeit für Fischstäbchen.