Spektakulärer Fund: Möglicher Dürer-Schatz in einem alten Buch entdeckt

Spektakulärer Fund Möglicher Schatz von Dürer in einem alten Buch entdeckt

22.06.2022, 05:11

Seit 230 Jahren befindet sich ein altes Buch in der Oldenburger Bibliothek. Erst jetzt erkennen Forscher, dass ein kleines Bild ein großer Schatz der Renaissance sein kann. Die Experten von Albrecht Dürer sind jetzt gefragt.

In der Oldenburger Staatsbibliothek wurde eine unbekannte Buchillustration entdeckt, die möglicherweise von dem Renaissance-Künstler Albrecht Dürer geschaffen wurde. Die Bibliothek sprach von einem spektakulären Fund. Die farbenfrohe Miniatur wurde am Dienstagabend im Beisein des niedersächsischen CDU-Wissenschaftsministers Björn Thümler in Oldenburg der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das nur 16,5 mal 6 Zentimeter große kleine Kunstwerk zeigt zwei Putten auf delphinähnlichen Meeresbewohnern. In der Mitte das Wappen des Nürnberger Gelehrten Willibald Pirckheimer (1470-1530). Das Bild ziert die erste Seite eines griechischen Textes, der von dem venezianischen Drucker und Verleger Aldus Manutius (1450-1515) gedruckt wurde. Das Buch gehörte der Pirckheimer Bibliothek.

Dürer (1471-1528) und Pirckheimer waren eng befreundet. Belegt ist, dass Pirckheimers Erben 1634 14 Bücher mit angeblichen Illustrationen des Meisters an einen Sammler in den Niederlanden verkauft hatten. Sechs dieser Bücher sind bekannt, Oldenburgs Buch ist nachweislich das siebte in der Reihe. Aufgrund dieser Tradition halten Oldenburger Kenner es für sehr wahrscheinlich, dass die Miniatur aus Dürers Hand stammt. Eine kunsthistorische Vergleichsstudie stehe noch aus, sagte er.

Dürers Experten begutachten die Miniatur

Dürers Gemälde, Grafiken und Entwürfe für Gebrauchsgegenstände sind bekannt, und der führende deutsche Renaissance-Künstler illustrierte auch Bücher. In der Fachwelt wird jedoch darüber diskutiert, ob dies auch für Pirckheimer-Bücher gilt.

„Die Nähe zu Dürer steht außer Zweifel“, sagte Matthias Weniger vom Bayerischen Nationalmuseum in München. Aber es wäre sinnvoller gewesen, wenn er erst eine vergleichende kunsthistorische Studie gemacht hätte, bevor er Dürers spektakulären Namen erwähnte. Einige ausländische Experten von Dürer wollen einen Blick auf das Thumbnail werfen, bevor sie Oldenburgs Argumentation kommentieren.

Das kleine Bild wurde bei der Recherche von Stichen des Verlegers Aldus Manutius in der Staatsbibliothek entdeckt. Die sogenannte Aldinen-Sammlung in Oldenburg versammelt 263 seiner Werke, die als Zeugnis der Frühgeschichte des Buchdrucks in Europa gelten. Pirckheimers Buch gelangte 1791 in die Altherzogliche Bibliothek (heute Staatsbibliothek). Aber die mögliche historische Bedeutung von Kleinbildkunst am Ende der Seite blieb über 230 Jahre lang unerkannt.

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