SPÖ-Kritik an den Bundesländern an der Corona-Quarantäne

Die SPÖ-geführten Bundesländer bekräftigten am Dienstag ihre Kritik am von der Regierung angekündigten Ende der Corona-Quarantäne. Wien, Burgenland und Kärnten sind anderer Meinung. Die Ärztekammer forderte flankierende Maßnahmen.

SPÖ-Wien-Stadtrat Peter Hacker äußerte die Befürchtung, dass im Herbst ein neuer Lockdown bevorstehen könnte. “Das Herbst- und Wintertheater ist unvermeidlich”, sagte er.

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hatte sich gegen eine “abrupte Abkehr” von der Quarantäneregelung ausgesprochen. Auch beim Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen würden Entscheidungsgrundlagen und Expertenempfehlungen fehlen. Der Gouverneur könnte sich jedoch einen schrittweisen Strategiewechsel vorgestellt haben.

“180-Grad-Wende”

Kärntens Gesundheitsdezernentin Beate Prettner (SPÖ) zeigte sich nach einer Videokonferenz zwischen Landesgesundheitsbeamten und dem Gesundheitsminister enttäuscht. „Wir hätten zumindest heute damit gerechnet, über die 180-Grad-Wende in der Behandlung von Corona zu diskutieren, also das zu erwartende Ende der Quarantäne.“ Tatsächlich war das Thema in 20 Minuten abgehandelt, offene Fragen würden bleiben. Das sei die Aufgabe „des letzten Instrumentariums, um Corona zu bremsen“. Prettner befürchtet, dass noch mehr Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich krankheitsbedingt ausfallen werden. “Die Personalsituation wird sich verschlechtern.” Zudem sei nicht ganz klar, wie man künftig “gefährdete Mitarbeiter von infizierten Kollegen trennen und so schützen” könne.

Der SPÖ-Politiker kritisierte, dass laut Ministerium keine zusätzlichen Mittel für flankierende Maßnahmen wie Abwasserkontrolle und Besuchermanagement in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen bereitgestellt würden. Er berichtete auch, dass die neuen Dekrete noch nicht vorliegen.

“Keine Argumente”

Auch die niederösterreichische Gesundheitsministerin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) kritisierte: „Der Inhalt konnte nicht diskutiert werden, weil das Projekt bereits als fixiert dargestellt wurde.“ Wir nehmen dies zur Kenntnis und werden die Systeme anpassen. Detailfragen wurden offen gelassen und müssen schriftlich beantwortet werden. Zudem sollen einige Erlasse geändert werden, etwa in Bezug auf das Contact Tracing.

„Wir werden auch sehr genau beobachten müssen, wie sich die neuen Regelungen auf die Belegungszahlen in Krankenhäusern auswirken“, sagte Königsberger-Ludwig auf Anfrage und riet „allen, die positiv getestet wurden und sich krank fühlen, zu Hause zu bleiben“.

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