“Steh auf, ich liebe dich”

Der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wird am Dienstag erneut vor Gericht gestellt. Im großen Saal musste sich der ehemalige Vizekanzler dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft stellen, seinem befreundeten Immobilienunternehmer Siegfried Stieglitz gegen Spenden einen Sitz im Aufsichtsrat der Asfinag verschafft zu haben. Beide Angeklagten wiesen alle Vorwürfe zurück und plädierten auf nicht schuldig. Insgesamt sind sechs Testtage geplant.

Konkret warf die Staatsanwaltschaft Strache und Stieglitz vor, im Jahr 2017 insgesamt 10.000 Euro an den FPÖ-nahen Verein „Österreich in Bewegung“ in vier Tranchen zu je 2.500 Euro mit dem Betreff „wie vereinbart vereinbart“ gegeben zu haben. Im Gegenzug soll Strache dafür gesorgt haben, dass Stieglitz bei Asfinag gelandet ist. Obwohl die Summe von 10.000 Euro nicht allzu hoch erscheint, kann sie für den Angeklagten enorme Folgen haben. Ab 3.000 Euro gibt es den Straftatbestand der Korruption und Bestechung – und es gibt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Die Staatsanwaltschaft warf Stieglitz zudem vor, Strache und Ex-Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) 2019 zur Feier seines 50. Geburtstags nach Dubai eingeladen zu haben. Die beiden ehemaligen Spitzenpolitiker sind der Einladung nicht gefolgt, da Strache die Einladung aber laut Anklage zuerst angenommen hatte, ist dies für den ehemaligen Vizekanzler unerheblich. Als illegales Geschenk wertete die Staatsanwaltschaft auch eine Einladung ins Wiener Schlosspalais an Strache und Hofer – neben seinen Ehefrauen.

Vorwürfe zurückgewiesen

Im Prozess wies Stieglitz’ Anwalt Andreas Pollak die Vorwürfe zurück. Ihr Mandant und Strache sind seit vielen Jahren befreundet, in denen es immer wieder zu gegenseitigen Einladungen kam. Stieglitz pflegte seine Freundschaft mit dem ehemaligen Spitzenpolitiker, als er auf das Video von Ibiza stieß. In einer kurzen Mitteilung kurz nach seinem Rücktritt lud der Geschäftsmann Strache in sein Haus in Südfrankreich ein, um sich zu entspannen. „Steh wieder auf, ich liebe dich“, sagte er damals zu seinem Freund.

Enge Freundschaft mit Strache

Auf Nachfrage hob Stieglitz auch die enge Freundschaft hervor, die ihn besonders mit Strache verband. Der ehemalige Vizekanzler und Hofer waren für ihn keine Beamten, sondern „Heinz-Christian und Norbert“. Auch der Arbeitgeber wies alle Vorwürfe zurück. Er habe in seinem Leben “immer den richtigen Weg gewählt” und sei völlig schuldlos.

Stieglitz spendete 10.000 Euro, weil er der FPÖ einen kostenlosen “Superbus” für einen Wahlkampf anbieten wollte. Die FPÖ fand eine Verwendung für den Bus, bestand aber auf der Zahlung der Miete. Um nicht in den Verdacht zu geraten, „mit der Party reich zu werden“, gab er die Summe an.

Dass er für die Spende etwas erwartet hätte, etwa einen Aufsichtsratsposten, wies Stieglitz vehement zurück: „Es war eine Rückversicherung“, so der Arbeitgeber. Es gab keine FPÖ-Spenden, nicht einmal ein Dankesschreiben. Erst “die Medien” informierten ihn später über die Spende.

Dass „wie vereinbart“ Gegenstand der Zahlungen gewesen sei, sei der Usus in seinem Unternehmen geschuldet. Deshalb schreibt der für alle Überweisungen zuständige Mitarbeiter diesen Posten auf alle nicht eindeutig zuordenbaren Zahlungen, erklärte Stieglitz. Durch die Nachverfolgung von Zahlungen fand Stieglitz mehr als 60 solcher Überweisungen. Sie müssen nun vor Gericht erscheinen.

„Kompetenz für den Vorstand“

Auch Rechtsanwalt Pollak betonte, dass Stieglitz aufgrund seiner umfangreichen beruflichen Tätigkeit für den Aufsichtsrat qualifiziert sei. Straches gesetzlicher Vertreter, Johann Pauer, zog nach. Pauer wies alle Vorwürfe gegen Strache zurück, betonte aber auch, dass diese nicht „strafrechtlich relevant“ seien, selbst wenn sie stimmen würden.

Der Prozess dauert insgesamt sechs Tage. Strache hat am morgigen Mittwoch seinen nächsten Termin bei Richterin Monika Zink. Als Zeuge für Freitag ist der Präsident des Dritten Nationalrats und ehemalige FPÖ-Chef Norbert Hofer geladen. Auch in diesem Fall hatte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, das Verfahren aber eingestellt. Das Urteil wird erst im Hochsommer erwartet: Der 26. Juli ist der letzte von sechs Verhandlungstagen.

Der Prozess ist nicht die einzige juristische Baustelle des ehemaligen Vizekanzlers. Ende August wurde Strache vom Landesgericht Wien – nicht rechtskräftig – wegen Bestechung zu 15 Monaten Haft verurteilt.

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