Stickstofffabrik: Moskau kündigt den Korridor in Luhansk an

Die Stadt Sievjerodonetsk in der Ostukraine ist nach wie vor heiß umkämpft. Mehrere hundert Menschen haben im dortigen Chemiewerk Asot Zuflucht gesucht und halten sich dort seit Tagen auf. Sie sollen sich nun morgen ergeben, dazu werde ein Korridor eingerichtet, teilte das Moskauer Verteidigungsministerium mit.

Online seit gestern, 8.10 Uhr

Caecilia Smekal (Text), Christian Öser (Bild), Birgit Samer (Video), Georg Filzmoser (Redaktion), alle ORF.at/Agenten

Die Situation im Chemiewerk erinnert an das wochenlang umkämpfte Asowsche Stahlwerk in Mariupol. Kämpfer und Zivilisten hatten sich wochenlang versteckt und mussten sich schließlich Ende Mai ergeben.

In Sievjerodonetsk sollen die Menschen laut Moskau morgen das Werk verlassen. In Übereinstimmung mit den “Grundsätzen der Menschlichkeit” wird zwischen 7:00 und 19:00 Uhr MESZ ein “humanitärer Korridor nach Norden” geöffnet. Zivilisten müssen in die von Russland kontrollierten Gebiete in Luhansk gebracht werden. Das Ministerium forderte die ukrainischen Truppen auf, eine weiße Fahne zu schwenken, um ihre Zustimmung zu dem Vorschlag zu zeigen.

Letzte Brücke zerstört

In jüngerer Zeit wurde in Siewerodonezk auch die dritte und letzte Brücke über den Fluss Severskyi Donets zerstört. Das bedeutet, dass die Stadt nicht vollständig geschlossen ist, sagte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhiy Gajdaj. Damit hatte Russland jedoch die Region Luhansk fast vollständig unter seine Kontrolle gebracht.

Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wird der Kampf um den Donbass als einer der brutalsten in der europäischen Geschichte gelten. „Für uns ist der Preis dieses Kampfes sehr hoch. Es ist einfach beängstigend.“ Gleichzeitig bekräftigte Selenskyj seine Überzeugung, dass die Ukraine als Sieger hervorgehen werde.

Kiew wirbt in Wien für den EU-Beitritt

Heute sprach der Präsident des ukrainischen Parlaments, Ruslan Stefantschuk, vor dem österreichischen Parlament. Vor den Abgeordneten forderte Stefantschuk erneut den EU-Beitritt seines Landes und den EU-Kandidatenstatus Ende Juni. Stefanchuk erinnerte daran, dass die Ukraine im Krieg mit Russland nicht nur die Grenzen seines Landes, sondern auch die des zivilisierten Europas verteidigt. Es gibt einen „Krieg gegen Europa“. Auch Stefantschuk bedankte sich bei Österreich für die Hilfe in Zeiten der Not: „Das werden wir nie vergessen.“

Debatte: Was könnte Russland zum Frieden bringen?

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine dauert mehr als drei Monate an. Erste Friedensgespräche wurden eingefroren. Wie sollte der Westen bisher reagieren? Was sind die aktuellen Möglichkeiten der Diplomatie? Was könnte Russland zum Frieden führen?

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