Stromversorgung Parlament gibt Bundesregierung freie Hand für Schutzgasabschirmung

Stand: 08.07.2022 04:43 Uhr

Um die Gasreserven in Deutschland zu schonen, können Kohlekraftwerke bei Engpässen aus der Reserve genommen werden. Über Nacht hat der Bundestag den Gesetzentwurf der Koalition zur Bereitstellung von Ersatzkraftwerken verabschiedet.

Der Bundestag hat der Regierung in der Gaskrise weitreichende Instrumente an die Hand gegeben, um Versorger zu stützen und Kundenpreise zu amortisieren. Das Parlament hat am Abend eine Reform des Energiesicherheitsgesetzes (Ensig) beschlossen, auf deren Grundlage die Bundesregierung schnell auf eine neue Gasverknappung und noch höhere Preise reagieren kann.

So können Regelungen geschaffen werden, die von der Corona-Krise betroffene Importeure wie Uniper nach dem Vorbild der Lufthansa-Rettungsaktion bis zum Eintritt in den Staat unterstützen. Es enthält auch Regelungen, wie Importeure ihre Mehrkosten schneller und gleichmäßiger weitergeben können.

Abgeschaltete oder zur Abschaltung vorgesehene Kohlekraftwerke können wieder hochgefahren werden, um Gaskraftwerke vom Netz zu nehmen. Das Gesetz wurde in Eile ausgearbeitet und muss heute noch vom Bundesrat verabschiedet werden. Dies gilt als sicher.

Habeck wirbt für “alle Optionen”

Mit den Regelungen wappnet sich die Regierung für unterschiedliche Szenarien, um schnell handeln zu können. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir alle Handelsoptionen aufrechterhalten müssen“, sagte Wirtschaftsminister Habeck im Bundestag.

Die Bundesregierung überwacht die geplante Schließung der zentralen Gaspipeline North Stream 1 für regelmäßige Wartungsarbeiten ab Montag, die nur zehn Tage dauern soll. Habeck hält aber auch aus politischen Gründen einen längeren Shutdown durch Russland für möglich. Aus technischen Gründen fließt bereits weniger als die Hälfte des beauftragten Gases durch die Pipeline, sodass Russland technische Gründe nennt.

Die Regierung kann auch Lieferanten unterstützen

Da aber Gasspeicher im Sommer für den Winter gefüllt werden sollen, sollte die Regierung handeln. Per Ministerialerlass könnten Kohlekraftwerke statt Gas ans Netz gehen, was Habeck als nächsten Schritt bereits angekündigt hat. Außerdem besteht die Möglichkeit, den Verbrauch anhand von Vorgaben wie der Raumtemperatur zu steuern.

Auch preislich kann der Staat mit dem Gesetz die Lieferanten stützen: Aktuell müssen Importeure bei Lieferfehlern teuren Sprit am Markt kaufen und können ihn nicht aufgrund von Verträgen an Kunden abtreten. Dies hat Uniper bereits dazu veranlasst, um Hilfe zu bitten.

Zusätzlicher Kostenzuordnungsmechanismus

Die Unterstützung der Versorger hätte den Vorteil, dass steigende Gaspreise von den Energieversorgern und dann auch von Industrie- und Haushaltskunden gedämpft und hinausgezögert würden. Wenn die Lieferungen aus Russland jedoch komplett eingestellt werden, dürfte auch nur die staatliche Unterstützung an ihre Grenzen stoßen.

In diesem Fall ist im Gesetzentwurf eine zusätzliche Option verankert: Alle Mehrkosten aller Importeure für den Bezug fehlenden russischen Ersatzgases würden trotz bestehender Verträge gleichmäßig, aber auch kurzfristig an die Kunden verteilt. Voraussetzung wäre, dass der Gasmangel amtlich festgestellt wird.

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