– Der General d’Electricitat sucht nach dem geheimen Plan der Linken
Der Schweiz droht eine Energiekrise. Den wahren Grund dafür kennt nur die SVP.
Veröffentlicht: 21.07.2022, 15:54
SVP-Präsident Marco Chiesa (links) und Fraktionschef Thomas Aeschi vermuten eine Verschwörung.
Foto: Alessandro della Valle (Keystone)
Die SVP ist auf dem Weg zu etwas Heißem. Der russische Präsident Wladimir Putin ist nicht dafür verantwortlich, dass Europa und der Schweiz eine Energiekrise droht. Nein, die Linken und die Grünen sind schuld. Sie haben einen “geheimen Plan mit dem Ziel, die Bevölkerung umzuerziehen und eine staatliche Öko-Diktatur auszubauen”, verriet SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi am Donnerstag. Auch die SVP weiss, was im nächsten Winter passieren wird: Nach dem Corona-Lockdown ist der Luxus weg und die Grünen planen einen Energie-Lockout!
Es besteht kein Zweifel, dass der “Elektrogeneral”, den die UDC seit einiger Zeit fordert: Jetzt muss er hierher kommen. Wird es der Parteivorsitzende Marco Chiesa sein, dessen Bild später in jedem Wohnzimmer hängen wird? Oder ist es Christoph Blocher? Auf jeden Fall soll der Energiegeneral nach dem Willen der SVP sofort neue Atomkraftwerke planen und bauen. Wenn wir die Energiekrise schon im nächsten Winter verhindern wollen, wird es leider nicht für eine Abstimmung reichen. Aber das ist – Apropos Diktatur – nicht nötig, wenn ein General arbeitet.
Zuletzt wurde am 16. Juni über neue Atomkraftwerke entschieden. Daraufhin lehnte der Ständerat eine Motion der SVP ab, die die Aufhebung des Stimmrechtsentscheids von 2017 zum Verbot von Kernkraftwerken forderte. Das Ergebnis war sehr eindeutig: 24 Ja-Stimmen, 8 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen. Das lag aber wohl nur daran, dass der potenzielle General Marco Chiesa nicht an der Abstimmung teilgenommen hat. Er muss damit beschäftigt gewesen sein, im Keller des Parlamentsgebäudes nach dem geheimen Plan der Linken zu suchen.
Charlotte Walser ist seit 2021 Teil der Tamedia-Redaktion. Die promovierte Philosophin arbeitet seit 1995 als Journalistin. Von 2010 bis 2020 berichtete sie für die Nachrichtenagentur Keystone-SDA aus dem Bundeshaus. Weitere Stationen waren InfoSüd und die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR. Mehr Informationen
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